BAMF-Chef Weise im Interview "Wir werden das Gefühl von Unordnung beseitigen"

Stand: 16.03.2016 22:00 Uhr

1,2 Millionen Flüchtlinge sind nach Schätzung des Chefs der zuständigen Behörde in den vergangenen drei Jahren nach Deutschland gekommen. Bis Mitte des Jahres werde man auch genau wissen, wer da gekommen sei, sagte BAMF-Chef Weise in den tagesthemen.

Die deutschen Behörden werden nach Einschätzung des Chefs des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Frank-Jürgen Weise, im Laufe des Jahres einen genauen Überblick darüber haben, wer sich als Flüchtling in Deutschland aufhält. Es gebe jetzt eine Informationstechnologie, "die sicherstellt, dass wir vielleicht Mitte des Jahres, im Herbst, wissen, wer überhaupt im Land ist", sagte Weise im tagesthemen-Interview.

Frank-Jürgen Weise, Leiter des BAMF, zur Flüchtlingskrise
tagesthemen 22:15 Uhr, 16.03.2016

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"Nicht mit deutschen Maßstäben durch die Welt gehen"

Die Arbeit der für Flüchtlinge zuständigen Behörden sei zu Anfang nicht gut gewesen. Es werde jetzt aber besser, versprach Weise. "Ich kündige an, dass in diesem Jahr diese gravierenden Mängel abgearbeitet sind." Er fügte an: "Jetzt sind wir so aufgestellt, dass wir dieses Jahr dieses Gefühl von Unordnung, dieses Gefühl von Überflutung beseitigen. Wir werden sicherstellen, dass erst Mal den Geflüchteten ihr Recht zukommt, und zweitens die Bevölkerung sehen kann, das läuft in geordneten Bahnen." Die Zahl der Menschen, die binnen der vergangenen drei Jahre als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, schätzt Weise auf 1,2 Millionen.

Der BAMF-Chef ist zugleich Chef der Bundesagentur für Arbeit. Auf die teilweise nur geringe berufliche Qualifikation vieler Flüchtlinge angesprochen, sagte Weise, man dürfe nicht "mit unseren deutschen Maßstäben von dualer Berufsausbildung als Erwartung durch die Welt gehen". Manche geflüchtete Menschen hätten keinen Abschluss, wohl aber gute Berufserfahrung. "Und es gilt jetzt, dass wir nicht in Deutschland unsere guten Maßstäbe senken, aber geflüchtete Menschen langsam dahin führen, dass sie eben aus ihren Fertigkeiten, Talenten und Kompetenzen auch Berufe machen. Und das braucht Zeit, das ist kein Zweifel."

BAMF-"Ankunftszentrum" für Flüchtlinge in Halberstadt
tagesthemen 22:15 Uhr, 16.03.2016, Ariane Reimers, ARD Berlin

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