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Vergangene Woche hat Piraten-Geschäftsführerin Marina Weisband ihren Rückzug erklärt. Für ihre Mitstreiter denkbar ungünstig, denn die junge Studentin gilt als das Gesicht der Partei. Und ist damit sehr erfolgreich. Aber es gehe auch ohne sie, sagt Weisband im Gespräch mit tagesschau.de: Solange die Ideen gut seien, blieben die Piraten auf Kurs.
tagesschau.de: Frau Weisband, vor einigen Tagen haben Sie angekündigt, dass Sie nicht mehr für ein Parteiamt kandidieren wollen. Dem "Focus" haben Sie gesagt, sie seien "vollkommen erschöpft". Haben Sie den Politikbetrieb unterschätzt?
[Bildunterschrift: Weisband kündigte ihren Rückzug an - will der Piratenpartei jedoch treu bleiben. ]
Marina Weisband: Ich habe unterschätzt, wie viel Erfolg die Piratenpartei im Laufe meiner Legislaturperiode haben würde. Ich war eingestellt auf die Arbeit in einer relativ unbekannten Partei - jetzt sitze ich im Vorstand einer sehr großen und sehr bekannten Partei. Und ich stehe medial sehr im Mittelpunkt. Das hat niemand vorhersehen können. Deshalb brauche ich jetzt erstmal eine Pause - und die Piratenpartei kümmert sich im Moment um eine Ausweitung der organisatorischen Strukturen.
tagesschau.de: Nun wird die Piratenpartei ja basisdemokratisch organisiert, entsprechend viel wird diskutiert. Wieviel Kraft hat das gekostet?
Weisband: Die basisdemokratische Ausrichtung und die Diskussion haben mich so gut wie überhaupt keine Kraft gekostet. Ganz im Gegenteil: Sie haben mir vieles erleichtert, weil ich meine Entscheidungen öffentlich gemacht habe und sofort darauf hingewiesen wurde, wenn ich im Begriff war, einen Fehler zu begehen. Dieser Rückhalt von der Basis hat mir sehr geholfen.
tagesschau.de: Jetzt hieß es unter anderem in der "Bild am Sonntag", Sie seien massiv angefeindet worden, von antisemitischen Mails war da die Rede. Ist das auch ein Grund für den Rückzug?
Weisband: Die "Bild am Sonntag" übertreibt. Ich habe vielleicht acht Emails bekommen, zwei Seiten mit antisemitischem Inhalt. Das ignoriere ich einfach, weil es einzelne verwirrte Spinner sind, die so etwas schreiben. Die Mails waren nicht der Grund für meinen Rückzug. Es war von Anfang an vereinbart, dass ich eine Legislaturperiode mache.
tagesschau.de: Politik braucht Gesichter, die sie repräsentieren, heißt es. Kommen die Piraten bei den nächsten Wahlen ohne Sie aus?
Weisband: Die Piratenpartei muss nicht ohne mich auskommen, ich werde weiter in der Partei sein. Und wenn die Medien sich entscheiden, dass ich ein bekanntes Gesicht bin, können sie mich auch gerne als Basispirat befragen. Das gilt für jeden unserer 20.000 Piraten. Es muss ein Umdenken darin stattfinden, wer etwas in einer basisdemokratischen Partei zu sagen hat.

tagesschau.de: Nun stehen zwei Landtagswahlen an. Ist das der richtige Zeitpunkt, um zu sagen: Ich trete kürzer?
Weisband: Ich trete erst in drei Monaten kürzer, bis dahin ist zumindest eine Wahl schon vorbei. Ich werde außerdem die Wahl in Schleswig-Holstein eröffnen. Ich sehe mich nicht als den Dreh- und Angelpunkt - die Piraten standen bundesweit schon bei 8,5 Prozent, als mein Name noch gar nicht bekannt war. Die Piraten werden für ihre Ideen gewählt werden - und wenn die Ideen gut sind, wird es mein Gesicht nicht brauchen. Ich werde weiterhin gerne versuchen, diese Ideen zu erklären. Aber von mir hängt dieser Erfolg nicht ab.
tagesschau.de: Können Sie sich vorstellen, nach 2013 nochmal in so eine prominente Position zurückzukehren?
Weisband: Ich kann mir schon vorstellen, in einem Jahr nochmal zurückzukehren. Ich sollte in einem halben Jahr mein Diplom in der Tasche haben. Dann kann ich wieder intensiv politisch arbeiten.
Das Interview führte Jan Hendrik Becker für tagesschau.de
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