Weihnachtspredigten Kirchen beklagen alltägliche Gewalt

Stand: 25.12.2012 16:09 Uhr

In ihren Weihnachtspredigten haben beide große Kirchen soziale Probleme angesprochen und vor einer Spaltung der Gesellschaft in Deutschland gewarnt. Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch prangerte am ersten Weihnachtstag die zunehmende Gewalt in Schulen und Fußballstadien an.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch, betrieb am Heiligen Abend Medienschelte. | Bildquelle: dpa
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Bischof Zollitsch betrieb in seiner Predigt Medienschelte.

Eine Ursache dafür sieht der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in den Unterhaltungsmedien: "In einem Land, in dem Fernsehsender sogar an Weihnachten stundenlang Action-Streifen und brutale Thriller ausstrahlen, wo Scharfschützen- und Gangster-Filme am Fest der Liebe und des Friedens viele Wohnzimmer beherrschen, darf uns das eigentlich nicht wirklich überraschen."

Kritik an PID und Sterbehilfe

Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki rief zur Solidarität mit verfolgten Christen in aller Welt auf. "Christen sind heute die weltweit am meisten diskriminierte und verfolgte Glaubensgemeinschaft. Und das in einem Zeitalter, in dem Menschenrechte und Religionsfreiheit so gerne beschworen werden." Mit großer Besorgnis schaue er auf die Situation von Christen in vielen Ländern der Welt - in Syrien, in Ägypten, in Nigeria, sogar im Heiligen Land.

Der Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann, kritisierte das geplante Gesetz der Bundesregierung zur Sterbehilfe. Es mangele an einer eindeutigen Absage an die organisierte Sterbehilfe. "Was die Menschen aber brauchen, ist Beistand im Leben, nicht Mitwirkung am Sterben."

Der Bischof von Fulda, Heinz Josef Algermissen, warnte vor Technologien wie der Präimplantationsdiagnostik oder Bluttests zur Erkennung des Down-Syndroms. Diese offenbarten "eine Respektlosigkeit hinsichtlich der Menschenwürde".

EKD-Vorsitzender Schneider predigt gegen US-Waffenlobby

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider (Archiv) | Bildquelle: dpa
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Der EKD-Ratsvorsitzender Schneider (Archiv) verurteilt Gewalt im Namen Gottes.

Gegen Gewalt im Namen Gottes wandte sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, in seiner Weihnachtspredigt in der Düsseldorfer Johanneskirche. Dies führe letztendlich immer zur Unterdrückung der Freiheit.

Absolutheitsansprüche von Menschen hinterließen nur zu oft eine "Blutspur" und würden mit Terror und Gewalt durchgesetzt. Dies zeige sich beispielsweise im Nahen Osten und anderen aktuellen Krisenherden. Auch die US-Waffenlobby und die "Verherrlichung der eigenen Wehrhaftigkeit" mache dies deutlich.

Wut über Waffenexporte aus Deutschland

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, warnte vor weiterer Aufrüstung in der Welt. "Es ist eine Illusion zu meinen, man könne mit Waffen und Gewalt die Welt sicherer machen", sagte Jung in seiner Predigt in Frankfurt am Main.

Es mache ihn "traurig und auch wütend", dass Deutschland nach den USA und Russland auf Platz drei der größten Rüstungsexporteure stehe. "Wir fördern damit nicht den Frieden in dieser Welt." Das zeige nicht nur der Amoklauf von Newtown, sondern auch die Kriege etwa in Syrien, Afghanistan oder im Kongo.

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