Polizist auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche | Bildquelle: AFP

Anschlag auf Weihnachtsmarkt Öffentliche Fahndung nach Tunesier

Stand: 21.12.2016 21:50 Uhr

Die Polizei fahndet im Zusammenhang mit dem Anschlag in Berlin nun öffentlich nach einem Verdächtigen. Gesucht wird der 24-jährige Tunesier Anis Amri. Das BKA ruft zur Vorsicht auf: Er könne gewalttätig und bewaffnet sein. Die Berliner Justiz hatte Amri von März bis September observiert.

Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz fahndet das Bundeskriminalamt im Auftrag des Generalbundesanwalts nun öffentlich nach einem Verdächtigen.

Anis Amri
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Mit diesem Foto wird nach Amri gesucht.

Gesucht wird nach Anis Amri, einem 24-jährigen Tunesier. Er sei 178 cm groß, wiege ungefähr 75 kg, habe schwarze Haare und braune Augen. Der Mann habe Hautveränderungen an Hals und linker Nasenwurzel, heißt es in der Fahndung weiter. Zur Tatzeit habe der Gesuchte dunkle Kleidung, helle Schuhe und einen weißen Schal getragen.

Das BKA warnt: Amri könnte gewalttätig und bewaffnet sein! Die Behörde rät deshalb zur Vorsicht: "Wenn Sie die gesuchte Person sehen, benachrichtigen Sie die Polizei. Bringen Sie sich selbst nicht in Gefahr." Für Hinweise wurde eine Belohnung bis zu 100.000 Euro ausgesetzt.

Ermittlungen in Tunesien

Auf der Suche nach weiteren Informationen haben offenbar tunesische Anti-Terror-Ermittler die Familie des Verdächtigen aufgesucht. Die Befragung sei von Beamten einer Anti-Terror-Einheit vorgenommen worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Sicherheitskreisen in Tunesien. Seine Geschwister äußerten Zweifel, dass er für den Anschlag verantwortlich sein soll. "Als ich das Foto meines Bruders in den Medien gesehen habe, habe ich meinen Augen nicht getraut", sagte der Bruder Abdelkader Amri in Tunesien zu AFP. "Ich kann nicht glauben, das er das Verbrechen begangen hat."

Amri soll in Tunesien mehrfach wegen Drogendelikten festgenommen worden sein. Er sei 2011 von Tunesien nach Italien gelangt, wo er mehrere Jahre verbracht habe. Danach sei Amri nach Deutschland weitergereist, schreibt AFP weiter.

Seit Monaten unter Verdacht

Auf die Spur Amris kamen die deutschen Ermittler offenbar durch ein persönliches Dokument im Fußraum des Lastwagens, der am Montagabend in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche raste. Es soll sich um seine Duldungsbescheinigung handeln, die aber auf einen falschen Namen ausgestellt war. Amri benutzte nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" acht verschiedene Alias-Identitäten.

Amri geriet demnach bereits bei Ermittlungen gegen Abu Walaa und dessen engste Helfer in Verdacht. Abu Walaa, der im November verhaftet wurde, wird als die "Nummer 1 des IS in Deutschland" bezeichnet. Amri fiel bei Telefonüberwachungen als eine Art Übermittler von Nachrichten auf.

Diskussion über politische Konsequenzen nach Anschlag in Berlin
tagesschau 20:00 Uhr , 21.12.2016, Sabine Rau, ARD Berlin

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Von März bis September überwacht

Inzwischen teilte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft mit, dass Amri von März bis September im Zuge der Ermittlungen gegen ihn überwacht worden sei. Bei den Ermittlungen sei es um Informationen gegangen, wonach Amri einen Einbruch plane, um sich dabei Mittel für den Kauf automatischer Waffen zu beschaffen - "möglicherweise, um damit später mit noch zu gewinnenden Mittätern einen Anschlag zu begehen", fügte die Staatsanwaltschaft hinzu. Amri sei daraufhin observiert worden, auch seine Kommunikation sei überwacht worden.

Allerdings hätten die "umfangreichen Überwachungsmaßnahmen" keine Hinweise zu den Vorwürfen erbracht. Deshalb habe "keine Grundlage für eine weitere Verlängerung der Anordnungen zur Überwachungsmaßnahmen mehr" bestanden, diese seien im September beendet worden, hieß es in der Justizerklärung weiter.

Amri wurde nicht festgenommen und tauchte dann nach Informationen von NDR, WDR und SZ im Dezember unter.

Der Täter könnte verletzt sein

Seit dem Anschlag in Berlin fehlt von Amri jede Spur. Auf der Suche nach ihm hat die Polizei nach ARD-Informationen sämtliche Krankenhäuser in Berlin und Brandenburg abgesucht. Die Ermittler gehen davon aus, dass es im Führerhaus des Lastwagens einen Kampf zwischen dem Beifahrer und dem Attentäter gab. Dabei soll der Angreifer verletzt worden sein, berichtet der RBB. Es seien DNA-Spuren gesichert worden.

Der Beifahrer war nach der Tat tot im Führerhaus gefunden worden. Der Mann arbeitete für ein Transportunternehmen, der Lastwagen war sein Arbeitsfahrzeug. Inzwischen steht fest: Der Pole wurde erschossen, von der Tatwaffe fehlt bislang aber jede Spur.

Er ist einer von zwölf Toten bei dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche. Nach Angaben der Gesundheitsverwaltung werden noch zwölf Schwerverletzte in Kliniken betreut. Ein Sprecher sagte, zugleich könnten immer mehr leichter Verletzte die Krankenhäuser verlassen. Gesundheitssenatorin Dilek Kolat dankte allen Mitarbeitern in den Kliniken für ihren Einsatz.

Kerzen und Blumen liegen in der Nähe des Weihnachtsmarkts an der Gedächtniskirche | Bildquelle: REUTERS
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Kerzen und Blumen liegen in der Nähe des Weihnachtsmarkts an der Gedächtniskirche

Weihnachtsmarkt öffnet wieder

Drei Tage nach dem Terroranschlag wird der Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz wieder geöffnet. Um 11.00 Uhr soll es eine Andacht in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche geben, wie der Schaustellerverband Berlin mitteilten. Aus Pietätsgründen werde auf dem Weihnachtsmarkt auf grelle Beleuchtung und Partymusik verzichtet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Dezember 2016 um 20:00 Uhr.

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