Glühwein trinken auf dem Weihnachtsmarkt | Bildquelle: dpa

Sicherheitslage auf Weihnachtsmärkten Glühwein trinken unter Polizeischutz

Stand: 23.11.2015 18:29 Uhr

Überall in Deutschland öffnen in diesen Tagen die Weihnachtsmärkte - angesichts des Terrors von Paris könnte viele Besucher ein mulmiges Gefühl beschleichen. Die Märkte stehen unter verschärfter Beobachtung der Polizei. Ein Stimmungsbild aus Nordrhein-Westfalen.

Von Ingrid Bertram, WDR

In ihren Händen formt Anna Weiß aus Overath aus Wachsplatten eine orangene Rosenblüte mit Docht. Die Kerzenmacherin ist das erste Mal hier im Schatten des Kölner Doms als Ausstellerin auf dem Weihnachtsmarkt. "Letzte Woche, als der Anschlag in Paris passierte, hatte ich schon ein komisches Gefühl", sagt sie. Schließlich sei der Roncalliplatz wirklich ein denkbares Ziel. Im Herzen von Köln, ein Steinwurf von Dom und Hauptbahnhof entfernt, bieten Händler schönen Schnickschnack für zahlungskräftige Touristen. Der Markt ist der wohl bestbesuchte in Köln.

Oswald Amort ist auch Aussteller. Er ist aus Südtirol mit seinen Bildhauerarbeiten und vielen Weihnachtssternen im Gepäck angereist. Ihm fiel gleich die erhöhte Präsenz von Ordnungskräften und Polizei auf. Er findet es gut, da so auch die Besucher ein besseres Gefühl auf dem Weihnachtsmarkt bekommen. Schließlich müsse ja auch das Geschäft laufen.

Aber Oswald Amort hat keine Bedenken, fühlt sich selbst sicher auf dem Weihnachtsmarkt. Schließlich könnte der Anschlag genauso in der Fußgängerzone oder sonst wo passieren.

Weihnachtsmarkt am Kölner Dom | Bildquelle: Ingrid Bertram
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Anna Weiß betreibt das erste Mal einen Kerzenstand auf dem Weihnachtsmarkt in Köln. "Ich hatte letzte Woche ein komisches Gefühl hierher zu kommen, aber jetzt vergisst man es auch schnell."

Polizisten in zivil

Tatsächlich ist wenig von einer anderen Gefahrenlage zu merken - weder zwischen den ersten Besuchern noch durch mehr uniformierte Polizisten. Die meisten sind zivil gekleidet und fallen lediglich durch ihre Funkgeräte auf. Wie viele Polizisten tatsächlich mehr eingesetzt werden, will weder die Polizei in Köln noch in Düsseldorf, Essen oder Aachen preisgeben. Aber es gebe "keine erhöhte allgemeine Gefährdungslage", so die offizielle Sprachregelung. Konkret: keine konkreten Hinweise auf mögliche Anschläge.

Vor allem müsse man jetzt sehr aufmerksam sein, sagt Christoph Gilles von der Polizei Köln. Aber das führe im Moment auch dazu, dass manche "die Flöhe husten hören". Auch eine leere Plastiktüte mutiere schnell zur nächsten Bedrohung. Die Entschärfer der Polizei seien pausenlos im Einsatz, da einfach viel gemeldet werde. Aber es helfe nichts, alles werde überprüft. Dafür sei die Situation ernst genug.

In Essen vermittelt die Polizei Gelassenheit: Außergewöhnlich sei die Gefahrenlage derzeit nicht. Man sei gut vorbereitet. Denn auch in den vergangenen Jahren gab es eine latente Gefahr, wenn auch die nicht durch Terroranschläge verursacht war. Spürhunde würde die Polizei etwa dann erst einsetzen, wenn es konkrete Verdachtsmomente gebe, wie etwa an verschiedenen Bahnhöfen in den vergangenen Tagen.

Weihnachtsmarkt am Kölner Dom | Bildquelle: Ingrid Bertram
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Weihnachtsmarkt am Kölner Dom: Die Polizei will nicht sagen, wie viele Polizisten zusätzlich eingesetzt werden.

Schausteller verunsichert

Trotzdem: Es gebe auch Verunsicherung bei den Schaustellern, sagt Frank Hakelberg vom Deutschen Schaustellerbund. Für sie sei die Terrorgefahr eine neue Situation. Deswegen wünschten sich die Aussteller umfangreiche Informationen über die Sicherheitslage. Vielleicht solle man doch über Einlasskontrollen nachdenken.

Aber genau das sehen zum Beispiel die Betreiber der Düsseldorfer Weihnachtsmärkte nicht. Dort gibt es sieben verschiedene kleine und große Märkte. Die seien so offen gestaltet, dass Einlasskontrollen keinen Sinn machten, meint Simone Schwan von der Düsseldorfer Tourismus-Gesellschaft. Ihr ist es vor allem wichtig, nicht die weihnachtliche Atmosphäre zu beeinträchtigen. Unnötige Panikmache wäre jetzt das falsche Signal, sagt Schwan.

Immerhin die erste kleine Zwischenbilanz zeigt, dass die Besucher sich tatsächlich nicht beeinträchtigen lassen. In Düsseldorf sind die Weihnachtsmärkte schon seit drei Tagen geöffnet. Die Besucherzahlen sind laut Betreiber genauso hoch wie in den Vorjahren.

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