Schriftzug S-Bahnhof Wehrhahn | Bildquelle: dpa

Bombe in Düsseldorf Festnahme 16 Jahre nach Anschlag

Stand: 01.02.2017 18:59 Uhr

Vor 16 Jahren explodierte an einem Düsseldorfer S-Bahnhof eine Rohrbombe, zehn Menschen wurden schwer verletzt - die meisten von ihnen Juden. Nun ist der mutmaßliche Bombenleger gefasst. Fremdenhass soll ihn zur Tat getrieben haben.

16 Jahre nach einem Rohrbombenanschlag am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Er soll die Tat aus Fremdenhass begangen haben. Ein Richter ordnete Untersuchungshaft für den 50-jährigen Ralf S. aus dem Nachbarort Ratingen an. Es handele sich um einen Einzeltäter, sagte der Leiter der Ermittlungskommission. Es gebe auch keine Anhaltspunkte dafür, dass er einer extremistischen Organisation angehört habe.

S. soll am 27. Juli 2000 mit einer Rohrbombe zehn Menschen am S-Bahnhof Wehrhahn schwer verletzt haben, ein ungeborenes Baby wurde dabei im Mutterleib getötet. Die meisten Opfer waren jüdische Einwanderer aus Osteuropa.

Dem mutmaßlichen Täter wird versuchter Mord in zwölf Fällen vorgeworfen. S. gilt als rechtsradikal, im Sommer 2000 soll er in der Nähe des Tatorts einen Militaria-Laden betrieben haben. Der heute Arbeitslose stand bereits kurz nach dem Anschlag im Visier der Fahnder, war unmittelbar nach der Tat festgenommen worden. Doch der Verdacht ließ sich damals nicht erhärten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

16 Jahre nach dem Bombenanschlag: Verdächtiger festgenommen
tagesschau 20:00 Uhr, 01.02.2017, Charlotte Gnändiger, WDR

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Neue Ermittlungen 2015

Auf die neue Spur hatte Ralf S. die Ermittler selbst gebracht: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte er wegen einer anderen Straftat im Gefängnis gesessen und den Anschlag einem Mitgefangenen in der Haftanstalt Castrop-Rauxel gestanden. Dieser habe sich im Juli 2014 an die Polizei gewandt. Daraufhin sei der Fall neu aufgerollt worden.

Im Sommer 2015 hatten sich für die Ermittler noch einmal neue Ansätze ergeben. Beweisstücke, darunter das deformierte Geländer, an dem die Bombe hing, sollten auf verwertbare DNA-Spuren untersucht werden. Der Geländerabschnitt, an dem die Bombe hing, war herausgeschnitten und als Asservat verwahrt worden.

Ein Gutachten von LKA-Profilern trug außerdem wesentlich dazu bei, dass sich Jahre nach der Tat der Verdacht gegen den Mann erhärtete. So verfügte der Ex-Bundeswehrsoldat unter anderem über Kenntnisse im Sprengsatzbau.

"Feiges und hinterhältiges Verbrechen"

Der Zentralrat der Juden in Deutschland zeigte sich erleichtert über die Festnahme des mutmaßlichen Täters. "In Düsseldorf und darüber hinaus in der ganzen jüdischen Gemeinschaft hatte das Rohrbombenattentat für tiefe Verunsicherung gesorgt", sagte der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger nannte es "wichtig, dass die Opfer endlich erfahren, wer dieses feige und hinterhältige Verbrechen verübt hat". Jäger erklärte, im Zuge der neu aufgerollten Ermittlungen seien viele belastende Indizien "akribisch zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammengeführt" worden.

Die Linke in Nordrhein-Westfalen warf den Ermittlungsbehörden dagegen "offensichtliches Versagen" vor. Unmittelbar nach dem Anschlag habe es "von antifaschistischen Gruppen sehr konkrete Hinweise" auf eine mögliche Verbindung zu S. gegeben, erklärte die Linken-Landessprecherin Özlem Alev Demirel.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Februar 2017 um 12:00 Uhr.

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