Eine Air-Berlin-Maschine steigt in einen düsteren Himmel auf. | Bildquelle: dpa

Air-Berlin-Insolvenz Transfergesellschaft als Lösung?

Stand: 23.10.2017 17:51 Uhr

Massenentlassungen, Betriebsstilllegungen, Millionenverluste: Firmen-Insolvenzen können dramatische Folgen haben. Transfergesellschaften sollen das Schlimmste auffangen - möglicherweise auch bei Air Berlin. Doch welche Vor- und Nachteile haben sie?

Von Jens Eberl, WDR

Sie sollten den Belegschaften des Handyproduzenten BenQ, der Autoschmiede Karmann oder auch den Opelanern in Bochum bei der Suche nach neuen Jobs helfen - Transfergesellschaften. Auch bei Air Berlin wird jetzt gerade darüber nachgedacht. Die Mitarbeiter werden nicht entlassen sondern wechseln in eine entsprechende Gesellschaft. Der Vorteil für die Beschäftigten: Sie sind erst einmal nicht arbeitslos. Der Vorteil für den Arbeitgeber: Es gibt keine imageschädigenden Massenentlassungen, Kündigungsschutzklagen fallen weg.

Verhandlungen über Transfergesellschaft
tagesschau 20:00 Uhr, 23.10.2017, Kristin Joachim, ARD Berlin

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Staat springt ein

Und so funktioniert es: Mit dem Wechsel in die Transfergesellschaft löst der Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis mit seinem bisherigen Arbeitgeber vorzeitig auf. Der neue Vertrag gilt maximal ein Jahr. In dieser Zeit erhält er das sogenannte Transferkurzarbeitergeld, es entspricht 60 Prozent des letzten Nettogehaltes bei kinderlosen Arbeitnehmern, mit Kindern sind es 67 Prozent. Finanziert wird das aus staatlichen Mitteln, die Gesellschaften arbeiten eng mit der Agentur für Arbeit zusammen.

Zusätzlich ist ein Aufstockungsbeitrag möglich, den der Arbeitgeber trägt. Dadurch kann ein Arbeitnehmer auf 70 bis 80 Prozent seines vorherigen Gehaltes kommen. Air Berlin will sich mit zehn Millionen Euro an einer Transfergesellschaft beteiligen, eine Aufstockung wäre also möglich.

Demonstration von Mitarbeitern vor der Zentrale von Airberlin | Bildquelle: AFP
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Tausende Mitarbeiter bei Air Berlin bangen um ihre Arbeitsplätze.

Zeitgewinn durch Transfergesellschaft

Dadurch, dass der Arbeitnehmer in eine neue Gesellschaft wechselt, verschiebt sich sein Anspruch auf das Arbeitslosengeld I nach hinten - um die Zeit, für die die Transfergesellschaft besteht. Sollte man also während der Zeit in der Transfergesellschaft keinen Job gefunden haben, besteht der Arbeitslosengeldanspruch noch für ein Jahr fort.

Dies nehme eine große Last von den Schultern der Arbeitnehmer, sagt Gernot Mühge vom helex Institut in Bochum, das zu den Bereichen Arbeit, Beschäftigung sowie Arbeitsmarktpolitik forscht und als arbeitnehmernah gilt: "Bei einer Kündigung habe ich immer den Hartz IV-Abgrund im Blick. Durch eine Transfergesellschaft gewinne ich Zeit und habe eine viel bessere Betreuung."

Ziel: Qualifizieren und Weiterbilden

Die Transfergesellschaft bietet keinen Arbeitsplatz im eigentlichen Sinne. Vielmehr gibt es dort Qualifizierungsmaßnahmen und Schulungen, die für die Arbeitssuche wichtig sind. Das Ziel ist die spätere Vermittlung an einen neuen Arbeitgeber. Bei Transfergesellschaften käme auf 40 Arbeitnehmer ein Berater, so Mühge. Da könne die Agentur für Arbeit bei weitem nicht mithalten.

Unbesetzter Schalter der Air Berlin am Flughafen Tegel in Berlin | Bildquelle: dpa
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Air Berlin hatte im Sommer Insolvenz angemeldet.

Diese Vorteile sieht Hilmar Schneider vom Institut zur Zukunft der Arbeit nicht. Es gebe keine Belege dafür, dass Transfergesellschaften Angestellte schneller vermitteln als die Agentur für Arbeit. Ohnehin würden die meisten Arbeitnehmer durch eigene Kontakte einen neuen Job finden.

Kosten der Transfergesellschaften

Schneider gibt zu Bedenken: "Für die Beteiligten ist die Gründung einer Transfergesellschaft eventuell ein fragwürdiger Deal. Das Geld, das in die Transfergesellschaft fließt, ist nicht mehr im Topf für Abfindungen." Die erkaufte Zeit könne also zu geringeren Abfindungen führen - sollte das Unternehmen Geld an die Transfergesellschaft zuschießen. "Als Betroffener würde ich mir das ganz genau vorrechnen lassen", so Schneider.

Jeder sollte abwägen

Gernot Mühge rät zur individuellen Prüfung: "Die Unterschrift hat eine große Tragweite. Unterschreibe ich nicht, komme ich nicht in die Transfergesellschaft, unterschreibe ich, verzichte ich darauf, gegen meine Kündigung zu klagen. Das schafft viel Verunsicherung."

Für ältere Mitarbeiter, die kurz vor der Rente stehen, kann sich der Wechsel in eine Transfergesellschaft als günstiger erweisen. Sie erwerben dann weitere Rentenanwartschaftspunkte und haben unter Umständen ein Jahr mehr Beschäftigungssicherheit. Junge geschulte Mitarbeiter müssen sich die Frage stellen, ob sie die Qualifizierungsmaßnahme überhaupt benötigen und ihre Arbeitsmarktchancen dadurch überhaupt verbessern können.

Opel-Mitarbeiter in Rüsselsheim | Bildquelle: dpa
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Nur 30 Prozent der Opelaner, die in die Transfergesellschaft wechselten, fanden einen neuen Job.

Opel war ein schlechtes Beispiel

Ein Beispiel, wie eine Transfergesellschaft nicht arbeiten sollte, ist Opel in Bochum. Hier ist die Bilanz ernüchternd. Nur 30 Prozent der Opelaner, die in die Transfergesellschaft wechselten, fanden einen neuen Job. Es seien große Fehler gemacht worden, meint Mühge, der sich die Situation bei Opel genau angeschaut hat. "Es wurden in der Transfergesellschaft zu lange zu hohe Gehälter bezahlt. Somit wurden kaum Anreize gesetzt, einen neuen Job zu suchen." Opel sei ein Spezialfall, so Mühge. In der Regel seien Transfergesellschaften aber ein Erfolgsmodell.

Air-Berlin-Gläubigerausschuss tagt
Bettina Meier, ARD Berlin
24.10.2017 08:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Oktober 2017 um 17:00 Uhr.

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