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CDU, SPD und Grüne haben zum Superwahljahr ihren Internet-Auftritt komplett überarbeitet: weniger Text, mehr Bilder und interaktive Elemente. Auch in den sozialen Netzwerken tummeln sich die Parteien. Das große Vorbild: die Online-Kampagne von US-Präsident Obama im Wahlkampf.
Von Patrick Gensing, tagesschau.de
Die deutschen Parteien wollen aus den überaus erfolgreichen Strategien von US-Präsident Barack Obama im Netz lernen. Denn dessen Wahlsieg wurde auch auf eine umfangreiche Internet-Kampagne zurückgeführt. Auf ihren Startseiten setzen die Parteien daher nun auf großflächige Bilder ihrer Spitzenleuten - statt auf langatmige Stellungnahmen. Die Seiten wirken großzügig und sind fast textfrei. Hinzu werden die jeweiligen Parteiangebote in den sozialen Netzwerken wie Facebook oder Flickr extra verlinkt. In den Handreichungen für ihre Kandidaten empfehlen die Parteien zudem, an sozialen Netzwerken teilzunehmen.
[Bildunterschrift: Große Bilder statt langatmiger Texte: Deutsche Politiker versuchen, von der Wahlkampfstrategie Obamas zu lernen. ]Es sei bereits jetzt eine klare Tendenz auszumachen, kommentieren die Macher einer Studie zur "Politik im Web 2.0": Nach Vorüberlegungen, strategischen Grundausrichtungen sowie ersten Experimenten sei nun eine Phase der aktiven Gestaltung und der Aufstellung im Netz zu beobachten.
Experten beurteilen die Bemühungen der deutschen Parteien allerdings auch mit Skepsis. "Die Techniken ähneln sich, aber die Nutzer sind andere", sagt Sebastian Gievert von Politik-digital. In Deutschland sage kaum jemand öffentlich, was er wähle, während dies in den USA vollkommen normal sei.
Und in der Studie von "Netzpolitik.org" und anderen Bloggern heißt es, sowohl die Medien- als auch die politische Kultur der USA und der Bundesrepublik "unterscheiden sich merklich". Während in den USA die Personen Barack Obama, Hillary Clinton und John McCain im Vordergrund ständen, seien in Deutschland die Wahlkämpfe deutlich weniger personalisiert und weitaus stärker auf die Parteien zugeschnitten.
[Bildunterschrift: Der deutsche Wahlkampf ist nach Experteneinschätzung weitaus weniger polarisiert als der Wahlkampf in den USA. ]Aber auch in der Bundesrepublik spielt das Spitzenpersonal eine entscheidende Rolle – und das nicht erst seit dem Siegeszug des Internets. Man denke beispielsweise an die mediale Inszenierung von Gerhard Schröder im Wahlkampf 1998 zurück. Und schon mit der Kampage "Willy wählen" im Jahr 1972 zeigte die SPD die Möglichkeiten für einen Wahlkampf in den modernen Medien auf. Das Konzept der Personalisierung führen CDU, SPD und Grünen jetzt auf den frisch überarbeiteten Web-Seiten fort.
Gievert, der bei Politik-digital die Redaktion leitet, betont allerdings, dass die sozialen Netzwerke für fast alle Spitzenpolitiker noch Neuland darstellen. Diese lebten weiterhin fernab dieser Umwelt, in der sich die mittleren und älteren Jahrgänge nur berufsbedingt, die U30-Generation auch freizeitbedingt und die U20-Generation ganz selbstverständlich bewegten, heißt es in der Studie zur "Politik im Web 2.0". Daher sei es auch kein Wunder, dass angesichts der Altersstruktur in Parteien und Wählerschaft eher Grüne und FDP ihre Chancen in den sozialen Netzwerken sehen.
[Bildunterschrift: Zwitschert und zeigt sein Gesicht: Ex-Grünen-Chef Bütikofer benutzt intensiv Twitter und Facebook. ]
Die Grünen benutzen die sozialen Netzwerke vor allem für die interne Mobilisierung, wie Reinhard Bütikofer im Gespräch mit tagesschau.de sagt. Die Vorstellung, dass man über die sozialen Netzwerke direkt an die Wähler herankommt, sei falsch. Nach seiner Beobachtung, so Bütikofer, sei es auch in den USA so gewesen, "dass diese Netzwerke ein Instrument waren, um Unterstützer und Aktivisten zu motivieren. Damit diese sich dann nicht nur im Netz, sondern in der wirklichen Wirklichkeit auf den Weg machen und ihre Nachbarn ansprechen."
Online-Kampagnen, da sind sich Experten einig, funktionieren nur, wenn es eine Verknüpfung zur realen Welt gibt. Gievert sieht in der internen Mobilisierung ebenfalls den größten Nutzen für die Parteien: Es gebe Möglichkeiten, digitale Plakatkleber zu rekrutieren. Sinnvoll seien die sozialen Netzwerke zudem, um schnelle Rückmeldungen zu bekommen oder "Testballons steigen zu lassen", wie Gievert es formuliert.
Auch Bütikofer schätzt die Möglichkeit, mit Unterstützern, politischen Gegnern und Multiplikatoren direkt zu kommunizieren. "Das passiert ungefiltert", so Bütikofer. "Ich muss nicht aufwändig einen Rundbrief verschicken oder hoffen, dass es irgendein Medium so transportiert, wie ich es will. Ich kann da mit meiner eigenen Stimme reden." Gievert empfiehlt auch anderen Politikern auf Angebote wie Twitter zu setzen. Für Franz Müntefering wäre das perfekt, meint er augenzwinkernd: Die maximale Anzahl von 140 Zeichen pro Nachricht dürfte exakt der Länge von Münteferings Sätze entsprechen.
Die Studie "Politik im Web 2.0" attestiert bilanzierend fast allen Parteien – "abgesehen von manchen prominenten Vertretern der FDP", dass sie erkannt haben: Ihre Spitzenkandidaten verfügen nicht über das gleiche Charisma, wie es Barack Obama nachgesagt wird. Die Parteien sind also auf der Spur von Obamas Strategie, allerdings ohne einen Obama.
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