Wahlanalysen

Wer wählte was warum? Warum die CDU so deutlich gewonnen hat

Stand: 07.05.2017 23:17 Uhr

Lange sah es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und SPD in Schleswig-Holstein aus. Tatsächlich hat die CDU nun mit deutlichem Vorsprung gewonnen. Warum? Eine Analyse auf der Basis der Zahlen von Infratest dimap, die deutlich macht: Es hat viel mit zwei Personen zu tun.

Von Holger Schwesinger, tagesschau.de, zzt. Kiel

Es war eine beeindruckende Aufholjagd, die der lange Zeit ziemlich unbekannte Spitzenkandidat der CDU Schleswig-Holstein, Daniel Günther, da hingelegt hat. Er war erst im Herbst von seiner Partei nominiert worden, nachdem der eigentliche Kandidat das Handtuch geworfen hatte.

Lange machte sich das auch in der Bewertung seiner Arbeit bemerkbar. Noch im März stellten ihm in Umfragen nur 20 Prozent der Schleswig-Holsteiner ein gutes Zeugnis aus. Der SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig kam zu dem Zeitpunkt auf 53 Prozent.

Günther überzeugt - trotz seiner relativen Unerfahrenheit

Doch bis zur Wahlwoche war diese Kluft deutlich zusammengeschmolzen. Albig hat leicht auf 61 Prozent hinzugewonnen, Günther aber hat seinen Wert mehr als verdoppelt: Auf 47 Prozent.

Wie stark sich der lange Zeit auch vielen CDU-Anhängern unbekannte Spitzenkandidat profilieren konnte, wird auch noch an einer anderen Zahl deutlich: 26 Prozent aller CDU-Wähler sagten, sie hätten ihr Kreuz in erster Linie wegen des Spitzenkandidaten gemacht. Das ist der höchste Wert aller sieben abgefragten Parteien beim so genannten "Kandidatenfaktor" - und ungewöhnlich bei einem Kandidaten, der vorher in der Landespolitik keine wichtige Rolle gespielt hat. Und er hat die CDU-Anhänger ganz offensichtlich trotzdem überzeugt: 89 Prozent sagen, er hat das Format, Schleswig-Holstein zu führen, nur elf Prozent halten ihn für zu jung und unerfahren.

Ganz anders das Bild beim SPD-Spitzenkandidaten. Zwar sind 56 Prozent aller Schleswig-Holsteiner mit der Arbeit der bisherigen, von ihm geführten Landesregierung zufrieden. Das ist kein Spitzenwert wie etwa in Baden-Württemberg oder im Saarland, aber doch ein guter Wert. SPD-Ministerpräsident Albig kann daraus aber kein Kapital schlagen.

Albig für viele "kein richtiger Landesvater"

Dem bisherigen Ministerpräsidenten ist es nicht gelungen, einen Amtsbonus aufzubauen. Nur 22 Prozent der SPD-Wähler sagen, sie hätten ihr Kreuzchen in erster Linie wegen des Spitzenkandidaten gemacht - vor fünf Jahren waren das noch 34 Prozent. Und: Immerhin ein Viertel der SPD-Wähler sagt, Albig habe es nicht geschafft, ein "richtiger Landesvater" zu werden.

Gestiegen ist hingegen die Zahl der SPD-Wähler, die vornehmlich wegen der angebotenen Sachlösungen für die SPD gestimmt haben. Das für sie mit klarem Abstand wichtigste Thema war die Soziale Gerechtigkeit (für 63 Prozent das wichtigste Thema), gefolgt von der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik (36) sowie der Schul- und Bildungspolitik (28).

Thema Straßenbau zieht nicht

Bei CDU-Wählern ergibt sich ein anderes Bild: Für sie waren mit 53 bzw. 35 Prozent thematisch vor allem wirtschafts- und bildungspolitische Überlegungen von Bedeutung - zwei Themenbereiche, auf die Spitzenkandidat Günther im Wahlkampf stark gesetzt hatte. Mit seinem dritten großen Wahlkampthema, dem Straßenbau, konnte er hingegen nicht punkten. Nur elf Prozent der CDU-Wähler gaben an, das sei für ihre Wahlentscheidung das wichtigste Thema gewesen.

Interessant auch der Blick auf ein anderes Thema, das bei mehreren vorangegangenen Wahlen eine große Rolle gespielt hat: Die Flüchtlingspolitik. Für die Wähler in Schleswig-Holstein spielte das aber praktisch keine Rolle. Bei allen Parteien liegt der Wert derjenigen, die Flüchtlingspolitik als entscheidend angaben, im niedrigen zweistelligen Bereich, beim SSW sogar nur bei 5 Prozent. Einzige - wenig überraschende Ausnahme: Von den AfD-Wählern sagten 57 Prozent, das sei das für sie entscheidende Thema gewesen.

AfD weiter klar eine Protestpartei

Blickt man auf das Wahlergebnis, muss man aber feststellen: Die AfD kann mit ihrem Kernthema Flüchtlinge in Schleswig-Holstein nicht punkten. Was man auch daran erkennen kann, dass fast zwei Drittel der Bürger mit der Flüchtlingspolitik der bisherigen Landesregierung zufrieden sind.

Die AfD fällt noch bei einem anderen Wert deutlich heraus. Nur ein Drittel ihrer Wähler sagt, die AfD aus Überzeugung gewählt zu haben, fast zwei Drittel geben hingegen an, ihr Kreuz aus Enttäuschung über andere Parteien gemacht zu haben. Alle anderen Parteien werden hingegen überwiegend aus Überzeugung gewählt - allen voran CDU, SPD und Grüne.

Grüne wollen SPD-Führung, FDP-Wähler die der CDU

Die Grünen konnten bei ihren Wählern vor allem mit Sachthemen punkten und hier ganz besonders mit ihrem Kernthema Umwelt/Energie. 57 Prozent sagten, das sie für sie entscheidend gewesen - knapp gefolgt vom Thema Bildung. Spitzenkandidatin Monika Heinold spielte hingegen nur für 15 Prozent die entscheidende Rolle.

Etwas anders das Bild bei der FDP: 25 Prozent ihrer Wähler sagen, Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki sei für sie wahlentscheidend gewesen - der zweithöchste Wert aller Spitzenkandidaten. 56 Prozent sagen, für sie seien Sachthemen entscheidend gewesen - und hier vor allem die Wirtschaft.

Sowohl Grüne als auch FDP werden bei der Suche nach einer Koalition vermutlich eine wichtige Rolle spielen. Und bei der Frage, welche der beiden großen Parteien diese Koalition führen sollte, gibt es ziemlich klare Aussagen. 70 Prozent der Grünen-Anhänger sagen: Die SPD. 72 Prozent der FDP-Anhänger: Die CDU.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 07. Mai 2017 um 23:15 Uhr.

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