Verteidigungsministerin Von der Leyen bei einem Besuch in Eckernförde. | Bildquelle: dpa

Verteidigungsministerin von der Leyen Imagepflege mit U-Boot

Stand: 22.08.2017 20:36 Uhr

Spätestens seit sie im Zusammenhang mit dem Skandal um Franco A. pauschal von "Haltungsproblemen" in der Bundeswehr sprach, weht der Verteidigungsministerin ein kalter Wind aus der Truppe entgegen. Ungeachtet dessen rüstet sich von der Leyen für eine weitere Amtszeit.

Von Christoph Prössl, ARD-Hauptstadtstudio

Die Signalpfeife von U35 ertönt. Vier Offiziere stehen auf dem U-Boot und salutieren. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen geht von Bord. Sie hat sich gemeinsam mit der norwegischen Verteidigungsministerin Ine Marie Eriksen Soreide die Kommandozentrale angeschaut und die Brennstoffzelle erklären lassen. Auf der Pier geben die beiden eine Pressekonferenz.

Ursula sei eine der wichtigsten Partnerinnen, die sie als Ministerin habe, sagt die Norwegerin. Die Worte müssen der deutschen Verteidigungsministerin gut tun, die so viel Gegenwind aus der eigenen Truppe zu spüren bekommt. Deutschland und Norwegen kooperieren bei U-Booten: "Norwegen ist für uns der absolute Wunschpartner", sagt von der Leyen. "Wir freuen uns, dass die Kooperation intensiviert wird, wir werden gemeinsam U-Boote entwickeln, beschaffen und dann auch gemeinsam nutzen."

Mit ihrer norwegischen Amtskollegin inspiziert Verteidigungsministerin von der Leyen ein U-Boot in Eckernförde. | Bildquelle: dpa
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Mit ihrer norwegischen Amtskollegin inspiziert Verteidigungsministerin von der Leyen ein U-Boot in Eckernförde.

Unzählige Kooperationen angestoßen

Es geht um insgesamt über sechs Milliarden Euro für sechs U-Boote, zwei für die deutsche Marine. Im Juni hat das norwegische Parlament 4,3 Milliarden Euro für den Kauf gebilligt. 2019 sollen die Verträge mit ThyssenKrupp Marine Systems unterzeichnet werden.

In ihrer Amtszeit hat von der Leyen unzählige Kooperationen angeleiert oder vertieft. Die Niederländer haben ihre Panzer in deutsche Einheiten eingebracht, ein deutsches Bataillon ist wiederum in eine niederländische Panzergrenadier-Brigade eingegliedert worden. Mit Frankreich gemeinsam sollen Transportflugzeuge beschafft und betrieben werden. Das ist es, was von der Leyen offenbar gut kann: Management.

"Es ist klar, dass wenn ich gefragt würde, ich dieses Amt gerne weiter ausüben würde", sagt die CDU-Politikerin, die diese Antwort derzeit öfter geben muss. Denn in der Truppe gibt es viel Kritik an der Ministerin, vor allem seit der Festnahme des terrorverdächtigen Soldaten Franco A. und einem Interview im ZDF, in dem sie von Führungsschwäche sprach und das viele Soldatinnen und Soldaten als Vertrauensbruch empfunden haben. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Rainer Arnold,  sagte, viele in der Truppe empfänden es als Drohung, wenn von der Leyen sage, sie wolle Verteidigungsministerin bleiben.

"Trendwende Material" geschafft

Auch an diesem Tag in Eckernförde spricht die Ministerin wieder mit Soldatinnen und Soldaten, 200 bis 300 sind eingeladen, eine Stunde nimmt sie sich Zeit für solche Termine, Presse nicht zugelassen.

"Dann kommen ganz konkrete Fragen, Sorgen, Nöte, Unterstützung. Und es ist sehr schön, zu merken, pragmatisch, vor Ort auch, dass einerseits gesehen wird und gewürdigt wird, was wir geschafft haben in dieser Legislaturperiode und mit dem Blick nach vorne, wie wir die nächsten Herausforderungen angehen wollen", so die Verteidigungsministerin.

Was so klingt, als wäre längst klar, dass von der Leyen Ministerin bleibt. Sie zieht häufig Bilanz in diesen Wochen vor der Bundestagswahl. Beschaffungen im Wert von 30 Milliarden Euro seien in den vergangenen vier Jahren auf den Weg gebracht worden, fünfmal so viel wie in der Zeit davor. Trendwende Material nennt sie das. Die Zeiten, in denen Soldaten mit Besenstiel ins Manöver ziehen mussten, weil Waffen fehlten, sollen vorbei sein.

Die Bundeswehr bekommt mehr Personal, auch in Eckernförde bei der Marine: Die bisher mehr als 30.000 Dienstposten werden um 400 aufgestockt. In den kommenden sieben Jahren sollen 260 Millionen Euro investiert werden, auch für Unterkünfte. "Dieser Standort hat Zukunft", sagt die Ministerin. Ob das auch für sie selbst gilt, muss sich zeigen.

Von der Leyen in Eckernförde: U-Boote und eine zweite Amtszeit
C. Prössl, ARD Berlin
23.08.2017 12:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. August 2017 um 06:38 Uhr.

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