Volker Beck | Bildquelle: dpa

Drogenvorwürfe gegen Volker Beck Abgang eines Unbequemen

Stand: 02.03.2016 21:33 Uhr

Wortgewandt und scharfsinnig kämpft er für die gleichgeschlechtliche Ehe, gegen Antisemitismus und Fremdenhass: Volker Beck - 55 Jahre alt, seit mehr als 20 Jahren im Bundestag - ist kein Leisetreter. Die Drogenvorwürfe gegen ihn sind für die Partei ein Schock.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Er ist kein Leisetreter. Keiner, der sich versteckt im Bundestag. Emotional haut Volker Beck aufs Rednerpult, als er in der Debatte fordert, allen Paaren das gleiche Recht wie Hetero-Eheleuten einzuräumen: "Gehen Sie voran, beenden Sie die Geiselhaft der Mehrheit des Deutschen Bundestags und Bundesrats, geben Sie die Ehe frei."

Lesben und Schwule nicht diskriminieren, die eingetragenen Lebenspartnerschaften der Ehe gleichzusetzen: Das ist eines der politischen Projekte Becks. Der, selber schwul, 55 Jahre alt, sitzt seit mehr als 20 Jahren als grüner Abgeordneter im Bundestag. Beck war lange Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion, zuletzt innenpolitischer Sprecher und auch Religionspolitiker.

Volker Beck legt nach Drogenfund seine Ämter nieder
tagesthemen 22:15 Uhr, 02.03.2016, Peter Dalheimer, ARD Berlin

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Kein einfaches Gegenüber

Als er das Amt übernahm, kündigte seine Parteifreundin Christa Nickels an: Die Kirchen müssen sich jetzt warm anziehen. Denn der Nordrhein-Westfale war kein einfaches Gegenüber gerade für die Katholiken. Als Christ, der nicht organisiert ist, hat sich Beck einmal bezeichnet. Er duldete keinen Antisemitismus. Als Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe hat Beck auch die Aussöhnung von Israelis und Palästinensern im Blick und bekam dafür Auszeichnungen: "Deutschland sieht die Zukunft Israels an der Seite eines palästinensischen Staates, nur so wird es auf Dauer Sicherheit für Israel geben können."

Der wortgewandte Beck schoss seine rhetorischen Pfeile zuletzt auch immer wieder auf Rechtspopulisten und die "Pegida"-Bewegung ab. Dafür wurde er mit Hassmails überschüttet. Beck ließ sich davon nicht einschüchtern, erstattete Strafanzeige gegen "Pegida". Jetzt könnten gegen ihn selbst die Ermittlungen beginnen. Voraussetzung ist, dass der Bundestag die Immunität des Abgeordneten Beck aufhebt.

Dass ihm ausgerechnet der Verdacht auf Drogenbesitz zum Verhängnis wird, ist für viele Unterstützer des Grünenpolitikers ein Schock. Trat Beck doch stets vehement für eine liberale Drogenpolitik ein - allerdings nicht von hartem Stoff, sondern von weichen Drogen wie etwa legalem Cannabis-Konsum auf der Hanfparade.

Da geht ein Aufrechter, heißt es in vielen Kommentaren bei Twitter zum Abgang von Beck. Und dass die Grünen ihren Innenpolitiker nicht hängen lassen mögen.

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