Wappen an der Botschaft von Vietnam | Bildquelle: dpa

Nach Entführungsvorwurf Hanoi bedauert Diplomatenausweisung

Stand: 03.08.2017 17:07 Uhr

Vietnam hat auf die Ausweisung eines seiner Diplomaten aus Deutschland reagiert und Entführungsvorwürfe zurückgewiesen. Man lege großen Wert auf die strategische Partnerschaft mit Deutschland, hieß es in einer Erklärung. Auf Forderungen der Bundesregierung gab es bisher keine Antwort.

Die vietnamesische Regierung hat nach der mutmaßlichen Entführung eines Geschäftsmanns in Berlin durch den Geheimdienst des südostasiatischen Landes die Bedeutung der Beziehungen zu Deutschland betont.

Eine Sprecherin des Außenministeriums in Hanoi sagte, Vietnam lege "immer großen Wert auf die strategische Partnerschaft mit Deutschland". Zugleich äußerte sie ihr Bedauern über die deutsche Entscheidung, den obersten Statthalter des vietnamesischen Geheimdienstes in Berlin auszuweisen.

Hochrangiger Geheimdienstler ausgewiesen

Die Bundesregierung hatte aufgrund der Geschehnisse den Vertreter des vietnamesischen Nachrichtendienstes an der Botschaft in Berlin aufgefordert, Deutschland innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. Der Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh - ein Geschäftsmann und ehemaliger Funktionär von Vietnams Kommunistischer Partei - soll am 23. Juli gewaltsam von Agenten in ein Auto gezerrt und dann verschleppt worden sein. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.

Trinh Xuan Thanh | Bildquelle: dpa
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Der vietnamesische Geheimdienst hat nach Informationen des Auswärtigen Amtes den ehemaligen Parteifunktionär Trinh Xuan Thanh mitten in Berlin gekidnappt und in seine Heimat verschleppt.

Bundesregierung und Anwälte gehen von Entführung aus

Aus Sicht der Bundesregierung gibt es "keine vernünftigen Zweifel", dass Botschaft und Geheimdienst des kommunistischen Einparteienstaates beteiligt waren. Zugleich drohte sie Vietnam mit "massiven negativen" Folgen und verlangte, Thanh zurückreisen zu lassen.

Die vietnamesische Polizei erklärte dagegen, dass sich Thanh nach einer zehnmonatigen internationalen Fahndung gestellt habe. Dessen deutsche Anwälte bestreiten dies entschieden. Sie sehen ihren Mandaten als Opfer politischer Verfolgung. Die Anwältin Petra Isabel Schlagenhauf sagte der "Süddeutschen Zeitung", Thanh sei bewusst gewesen, dass er in seiner Heimat "aus politischen Gründen keinerlei rechtsstaatliches Verfahren zu erwarten hatte".

Unterdessen trat Thanh im vietnamesischen Staatsfernsehen auf und verlas eine Erklärung, in der er die offizielle Version seiner Rückkehr bestätigte. "Ich bin nach Hause zurückgekehrt, weil ich nach einem Jahr auf der Flucht müde war", sagte Thanh. "Meine Familie hat mich ermutigt, mich selbst zu stellen, um für meine früheren Fehler mildernde Umstände zuerkannt zu bekommen." Thanh verlas die kurze Erklärung mit versteinertem Gesicht. Aus den kurzen Aufnahmen war nicht ersichtlich, ob er durch Druck zu der Erklärung veranlasst worden sein könnte.

Geschäftsmann im Visier der Kommunistischen Partei

Vergangenes Jahr hatte der Chef der Kommunistischen Partei, Nguyen Phu Trong, angekündigt, die Karriere des 51-jährigen Geschäftsmannes genauer unter die Lupe zu nehmen, nachdem dessen Besitz eines Luxuswagens ans Tageslicht gekommen war. In Vietnam wird von hochrangigen Vertretern ein bescheidenes Auftreten erwartet. Thanh verließ daraufhin das Land. Konkret wird ihm zur Last gelegt, als Chef einer Tochterfirma des staatlichen Öl- und Gaskonzerns PetroVietnam für Verluste von umgerechnet etwa 125 Millionen Euro verantwortlich zu sein.

Vietnam bedauert Diplomatenausweisungt nach Entführung
Carsten Vick, ARD Singapur
03.08.2017 13:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. August 2017 um 12:20 Uhr.

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