Netzwerk Recherche verleiht Negativpreis Atomkonzerne erhalten "Verschlossene Auster"

Stand: 02.07.2011 15:39 Uhr

Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche hat den Negativpreis "Verschlossene Auster" den Energiekonzernen RWE, EnBW, Vattenfall und E.ON verliehen. Zur Begründung hieß es, die Unternehmen hätten "beschönigt, beeinflusst und verheimlicht". Die Auszeichnung wurde auf der Tagung von Netzwerk Recherche in Hamburg an Vertreter der vier Unternehmen übergeben.

Bisher sei der Preis stets dafür verliehen worden, dass der Öffentlichkeit nichts oder nur wenig gesagt wurde, sagte Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der "Süddeutschen Zeitung" in seiner Laudatio. Diesen Vorwurf könne man der Atomindustrie nicht machen: "Die Atomindustrie kommuniziert wie der Teufel."

Preis des Netzwerks Recherche: die "Verschlossene Auster"
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Preis des Netzwerks Recherche: die "Verschlossene Auster"

Den Konzernen warf er "gefährliche, einseitige, marktmächtige Information" vor. Zugleich würden sie für "Verharmlosung von Gefahren und exzessiven Lobbyismus" ausgezeichnet, ergänzte Prantl.

Als Beispiel nannte er das "Verschweigen von Unfällen", die lediglich "Störfälle" genannt würden. Zudem sprach er von "schleichend-beschönigender Beeinflussung der politischen Sprache".

E.ON-Kommunikationschef Guido Knott zweifelte an der Grundlage der Verleihung: "Offenbar sollten wir den Preis auf Teufel komm' raus erhalten. Daher haben Sie einfach alle Vergabekriterien über Bord geworfen", sagte er und fügte hinzu: "Ich nehme den Preis entgegen - ich nehme ihn jedoch nicht an."

2010 stand die Katholische Kirche am Pranger

Die "Verschlossene Auster" wird auf der alljährlich in Hamburg stattfindenden Konferenz von Netzwerk Recherche an eine Person oder Institution verliehen, die journalistische Anfragen besonders hartnäckig abblockt oder mit Floskeln abspeist. Sie wurde zum zehnten Mal verliehen. Preisträger der vergangenen Jahre waren unter anderen die Katholische Kirche (2010), der Bundesverband deutscher Banken (2009), das Internationale Olympische Komitee (2008), der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily (2002) und der Lebensmittelkonzern Aldi (2003).

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