Gelbe Müllsäcke mit wiederverwertbarem Hausmüll in einer großen Gelben Tonne. | Bildquelle: dpa

Rekordzunahme bei Verpackungsabfall Müll-Flut durch Online-Handel und "Coffee to go"

Stand: 16.10.2015 17:07 Uhr

Seit Jahren versucht die Politik, den Müllberg zu reduzieren, etwa durch den grünen Punkt. Doch das Gegenteil ist eingetreten - Die Deutschen produzieren mehr Verpackungsmüll als je zuvor. Schuld sind unter anderem neue Einkaufs- und Trinkgewohnheiten.

Die Deutschen produzieren so viel Verpackungsmüll wie nie. 2013 warf jeder Einwohner rechnerisch knapp 213 Kilogramm an Pappbechern, alten Paketen, Kaffeepads oder anderen Verpackungen weg, wie das Bundesumweltministerium auf eine aktuelle Grünen-Anfrage antwortete. Das waren pro Kopf sechs Kilo mehr als im Jahr zuvor und 25 Kilo mehr als zehn Jahre zuvor.

Insgesamt kamen 2013 rund 17,1 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle zusammen, vor allem Papier und Kartons, Kunststoffe und Glas. In der EU ist Deutschland damit trauriger Spitzenreiter - kein anderes Land produziert pro Kopf mehr Verpackungsmüll.

Werden wir zur "Wegwerfgesellschaft"?

Die Vorsitzende des Bundestags-Umweltausschusses, Bärbel Höhn (Grüne), sagte, unnütze Verpackungen müssten vermieden werden, bevor sie zu Müll werden. "Wir brauchen Anreize, dass die Kaffeekapsel nicht dreifach verpackt ist." Auch Salatgurken müssten nicht noch extra mit Plastikfolie überzogen sein. Der umweltpolitische Sprecher der Grünen, Peter Meiwald, sagte: "Wir entwickeln uns immer mehr zur Wegwerfgesellschaft - durch kürzere Nutzungsdauern, steigenden Nahrungsmittelkonsum außer Haus und kleine Einheiten im Handel." Allein die Verpackungen für Getränke, Nahrungsmittel und Haustierfutter machen in Privathaushalten zwei Drittel der Verpackungen aus.

Ein Grund für die wachsenden Mengen an Verpackungsmüll ist, dass die Zahl der Ein- und Zweipersonenhaushalte zugenommen hat. Diese kauften im Allgemeinen kleinere Verpackungseinheiten, wodurch der Verpackungsverbrauch insgesamt steige. Auch geänderte Ess- und Trinkgewohnheiten schlagen sich in der Abfallmenge nieder: Ein Beispiel für den gestiegenen Außerhausverzehr ist der unterwegs getrunkene "Coffee to go". Aber auch bei der Lebensmittelzubereitung zuhause fallen dem Ministerium zufolge mehr Verpackungen an: Dies liege am Trend zu Tiefkühlkost oder Fertiggerichten.

Mehr Online-Handel, weniger Mehrwegverpackungen

Außerdem werden beim wachsenden Online-Handel immer mehr Waren in Kartons verschickt. Generell werden mehr Produkte importiert und dabei erheblich weniger Mehrwegverpackungen verwendet, wie das Ministerium erläuterte. So erklärte beispielsweise jüngst der Getränkehersteller Coca-Cola einen Teil seines Mehrwegsortiments abzuschaffen.

Das Umweltministerium betonte, möglichst viele Abfälle sollten recycelt werden. Ein geplantes Wertstoffgesetz dazu sieht vor, die bisherige gelbe Tonne und den gelben Sack zu einer Wertstofftonne zu erweitern. Diese soll nicht nur wie bisher Verpackungen aufnehmen, sondern auch andere Wertstoffe aus Kunststoff und Metall wie Kleiderbügel oder ausrangiertes Plastikspielzeug.

Höhn sagte, Müll verursache auch, dass Waschmaschinen, Drucker oder elektrische Zahnbürsten immer schneller kaputt gingen. "Statt zwei Jahre sollten solche elektrischen Geräte mindestens drei Jahre im Rahmen der Gewährleistung funktionieren", forderte sie.

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