Ein Internet-Nutzer nutzt die Anwendung eines Vergleichsportals im Netz. | Bildquelle: dpa

BGH zu Vergleichsportalen Wie viel Transparenz muss sein?

Stand: 27.04.2017 03:06 Uhr

Wie unabhängig Vergleichsportale im Internet sind, ist oft nicht klar. Denn die Dienstleister verdienen ihr Geld meist über Provisionen von den Firmen, die sie vergleichen. Nun verhandelt der BGH einen besonderen Fall, der Auswirkungen auf die ganze Branche haben könnte.

Von Kolja Schwartz, ARD-Rechtsredaktion

Ob Stromvertrag, Urlaubsreise oder Versicherung. Im Internet kann man inzwischen fast alles vergleichen. Und am Ende hat man dann ein Angebot für den besten und im Vergleich günstigsten Vertrag. So jedenfalls denkt wohl oft der Verbraucher. Aber handelt es sich bei diesen Angeboten tatsächlich um einen Vergleich von allen Anbietern?

Die Vergleichsportale verdienen ihr Geld durch die Provisionen, die sie von den Versicherern, den Reiseveranstaltern oder den Stromanbietern erhalten, deren Preise sie vergleichen. Das Problem: Zahlt ein Anbieter keine Provision, taucht er unter Umständen auch nicht auf im Vergleichsergebnis.

Klage des Bundesverbandes der Bestatter

So ist es auch in dem Fall, um den es heute vor dem Bundesgerichtshof geht. Die obersten Richter in Karlsruhe befassen sich mit einem Portal der besonderen Sorte: Bestattungsunternehmen werden hier verglichen. "Kostenlos, kompetent und transparent", so wirbt das Portal.

Der Bundesverband der Bestatter klagt gegen die Betreiber der Internetseite. Nicht, weil es verwerflich oder pietätlos sei, im Trauerfall Preise zu vergleichen, sondern weil das Angebot keinesfalls transparent sei. Schließlich werden nur die Unternehmen verglichen, die auch bereit sind, die Provision zu zahlen. Immerhin 15 bis 17 Prozent. Alle anderen tauchen in der Ergebnisliste nicht auf. Der Kunde erfahre davon allerdings nichts, beziehungsweise allenfalls im Kleingedruckten, so der Vorwurf.

Landgericht München stärkt Verbraucherrechte

Gegen eines der ganz großen Vergleichsportale, gegen Check24, hat aus ganz ähnlichen Gründen der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute geklagt. Das Landgericht in München urteilte im Juli 2016, dass die Verbraucher vom Portal besser aufgeklärt werden müssen.

Jetzt befassen sich die obersten Bundesrichter in Karlsruhe erstmals mit dem Thema - am Beispiel des Bestattungsportals. Gut möglich, dass die Grundsätze der Entscheidung auch für viele andere Vergleichsportale gelten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. April 2017 um 03:00 Uhr in den Nachrichten.

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