Bei Anschlag in Berlin zerstörter Lkw  | Bildquelle: dpa

Neue Ermittlungsergebnisse Festgenommener Tunesier wieder frei

Stand: 29.12.2016 17:56 Uhr

Der als möglicher Komplize des mutmaßlichen Attentäters von Berlin festgenommene Tunesier ist wieder frei. Die Bundesanwaltschaft teilte mit, sie habe keinen Haftbefehl beantragt. Zum Ermittlungsstand gab sie neue Details bekannt.

Die Ermittlungen von Bundeskriminalamt, Polizei Berlin und Generalbundesanwalt erweisen sich als mühsam und kleinteilig. Ein Verdächtiger, den die Ermittler am Mittwoch in Berlin Tempelhof als möglichen Helfer von Anis Amri festgenommen hatten, ist inzwischen wieder frei.

"Die weiteren Ermittlungen haben ergeben, dass es sich bei dem vorläufig Festgenommenen nicht um die mögliche Kontaktperson von Anis Amri handelt", sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Beamte des Bundeskriminalamtes hatten zuvor die Wohn- und Geschäftsräume des Verdächtigen in Berlin durchsucht. Die Ermittler waren durch Handydaten auf einem Mobiltelefon, das wohl Amri gehörte, auf den Mann aufmerksam geworden.

Keine Zweifel haben die Ermittler daran, dass die Technik in dem Sattelzug eine noch größere Opferzahl verhinderte. Denn das Fahrzeug war mit einem modernen Kollisionswarnsystem ausgestattet. Diese Technik erkennt, wenn sich der Lkw Hindernissen nähert und warnt zunächst den Fahrer. Reagiert dieser nicht, stoppt das Fahrzeug automatisch. Eigentlich soll diese Technik Unfälle verhindern, wenn der Fahrer gesundheitliche Probleme hat. Am Breitscheidplatz habe die Technik Menschenleben gerettet, sagen die Ermittler.

Amri floh über die Niederlande

Viele andere Fragen sind dagegen noch offen: Wann und mit wem hat Amri über seine geplante Tat gesprochen? Wann und wie ist das Bekennervideo entstanden? Wann starb der polnische Lkw-Fahrer?

Fest steht für die Ermittler, dass Amri mit dem Zug über die Niederlande nach Frankreich und Italien reiste - wo er am 23. Dezember in der Nähe von Mailand von der Polizei erschossen worden war. Dies belegten ein Zugticket von Chambery nach Mailand und eine Sim-Karte, die nachweisbar vor Weihnachten in den Niederlanden kostenlos ausgegeben worden war. Zu Videoaufnahmen, die Amri zeigen sollen, laufen die Ermittlungen noch, wie die Sprecherin sagte.

Klar sei inzwischen hingegen, dass das von der Terrororganisation "Islamischer Staat" veröffentlichte Bekennervideo authentisch sei und Amri zeige.

Todeszeitpunkt des Lkw-Fahrers unklar

Ob es sich bei Amris Waffe, die in Italien sichergestellt wurde, um dieselbe Waffe handelt, mit der auch der polnische Lkw-Fahrer erschossen wurde, steht noch nicht endgültig fest. Fest stehe, dass beide Waffen das Kaliber 22 gehabt hätten. Aber die kriminaltechnische Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen, so die Sprecherin: "Es ist ein Abdruck des in Berlin sichergestellten Projektils an die italienischen Behörden übersandt worden. Und das wird derzeit abgeglichen."

Der genaue Todeszeitpunkt des Lkw-Fahrers sei ebenfalls noch Gegenstand der Untersuchungen. Laut vorläufigem Obduktionsbericht bestehe eine zeitliche Nähe zum Anschlag. Messerstiche, von denen einige Medien berichtet hatten, seien nicht festgestellt worden. Die genaue Klärung des Todeszeitpunkts erfolge dann mit dem abschließenden Obduktionsbericht Mitte Januar.

Mit Informationen von Holger Schmidt und Gigi Deppe.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Dezember 2016 um 15:00 Uhr.

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