Die Hauptverwaltung von ARAG in Düsseldorf | Bildquelle: imago/Hans Blossey

Urteil im ARAG-Prozess in Sicht 34 Jahre Streit ums Erbe

Stand: 05.04.2017 02:18 Uhr

Er ist der Chef des zweitgrößten privaten Versicherungskonzerns: Paul-Otto Faßbender, Vorstandsvorsitzender der ARAG, streitet sich seit 34 Jahren in einem Erb-Prozess mit seiner Schwester. Eine emotionale Auseinandersetzung, die jetzt zu Ende geht - zumindest vorläufig.

Von Marion Kerstholt, WDR Köln

Paul-Otto Faßbender, ARAG | Bildquelle: ARAG
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Paul-Otto Faßbender bei der ARAG-Bilanzpressekonferenz 2016

Dieser Prozess ist rekordverdächtig: Es ist das älteste Verfahren, das es jemals am Landgericht Düsseldorf gegeben hat und eines der längsten Zivilverfahren in Deutschland. Seit 1983 streiten Bruder und Schwester Faßbender ums Erbe, und zwar um ein großes. Es geht um die ARAG-Versicherung. 1965 hatten die Eltern der Geschwister verfügt, dass nur eines der Kinder, nämlich der Sohn Paul-Otto, das Unternehmen erbt. Die vier Jahre jüngere Schwester Petra solle Geld als Ausgleichszahlung erhalten. Seitdem streiten die Geschwister über die Höhe der Summe.

Wichtig ist dafür, wieviel die ARAG-Versicherung wert war, als der Erbfall eintrat. Der Vater der Geschwister starb 1972. Ein Gutachter sollte klären, wie hoch der Unternehmenswert zu diesem Zeitpunkt war. Allerdings wurde der Gutachter im Laufe des Verfahrens dement, was den Fall zusätzlich verzögerte. Zudem ließen die Parteien das Verfahren mehrfach ruhen. Eine dieser Pausen dauerte zehn Jahre.

Vor ein paar Jahren stand der Streit bereits einmal kurz vor dem Abschluss. Paul-Otto Faßbender war bereit, eine Abfindung von 10 Millionen Euro zu zahlen. Doch seine Schwester war damit nicht einverstanden, da von dieser Summe nochmals Steuern abzurechnen wären. Petra Faßbender forderte 15 Millionen Euro.

Prozessbeteiligte inzwischen verstorben und in Rente

Das Verfahren zog und zog sich hin. Ein Anwalt ist bereits verstorben, ein anderer Gutachter mittlerweile in Rente. Doch obwohl das Verfahren so lange dauert, gab es bisher nur neun Verhandlungstage. Bei Zivilverfahren ist das nicht ungewöhnlich, da bei diesen Fällen das meiste schriftlich läuft.

Vor sieben Jahren appellierte die Mutter der Geschwister vor Gericht, die Kinder sollten sich endlich einigen. Geholfen hat es jedoch nicht. 2015 starb sie im Alter von 96 Jahren. Ihren Wunsch haben ihr die Kinder nicht erfüllt.

"Rechtsstreit ist überflüssig und Ressourcenvernichtung"

Trotzdem scheint das lange Verfahren auch für die Beteiligten eine Geduldsprobe zu sein. Beim letzten Verhandlungstermin im Oktober 2016 sagte Paul-Otto Faßbender, mittlerweile 70 Jahre alt, gegenüber dem WDR: "Ich bin der Meinung nach 33 Jahren ist die Zeit gekommen für einen Generalvergleich, um einen dauerhaften Rechtsfrieden auch innerhalb der Familie herzustellen. Und im Übrigen bin ich der Auffassung, dieser ganze Rechtsstreit war überflüssig, führt zu einer enormen Ressourcenvernichtung. Man hätte diese Ressourcen besser und sinnvoller einsetzen können."

Doch der Streit könnte sogar noch länger dauern. Die jetzt endlich erwartete Entscheidung fällt in der ersten Instanz. Petra Faßbenders Anwalt hat bereits verlauten lassen, dass sie in die nächste Instanz vors Oberlandesgericht ziehen könnten.

Dieser Beitrag lief am 05. April 2017 um 06:16 Uhr auf WDR 5 im Morgenecho.

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