Seitenueberschrift
Jury wählt aus mehr als 1120 Vorschlägen
"Alternativlos" ist Unwort des Jahres
"Alternativlos" ist das Unwort des Jahres 2010. Die Jury unter Leitung des Germanisten Horst Dieter Schlosser wählte den Begriff aus 1120 Vorschlägen aus, wie der emeritierte Professor in Frankfurt am Main bekanntgab. "Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe", sagte Schlosser zur Begründung. "Behauptungen dieser Art sind 2010 zu oft aufgestellt worden, sie drohen, die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken."
Das von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Zusammenhang mit der Griechenland-Hilfe genannte "alternativlos" war der meistgenannte Vorschlag. Die Floskel verwendeten Politiker auch für die Gesundheitsreform, das Bahnprojekt "Stuttgart 21" oder den Ausbau des Frankfurter Flughafens.
Auch "Integrationsverweigerer" gerügt
Gerügt wurden noch zwei weitere Begriffe: Das Wort "Integrationsverweigerer", das Bundesinnenminister Thomas de Maiziére (CDU) zwar nicht erfunden, aber in Umlauf gebracht habe, unterstelle, dass Migranten in größerem Umfang selbst ihre Integration verweigerten. Dass dafür die notwendige Datenbasis fehle und der Staat selbst zu wenig für Integration tue, werde dabei ausgeblendet. Zudem wurde auch die Formulierung "Geschwätz des Augenblicks" gerügt, mit der der Dekan des Kardinalskollegiums, Angelo Sodano, bei der Ostermesse des Papstes 2010 die massiven Vorwürfe sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche habe beiseiteschieben wollen.
"Schwarzsparer" und "Brückentechnologie" vorgeschlagen
Weitere Vorschläge für das Unwort waren "Steuersünder" und "Schwarzsparer" als Begriffe für Bürger, die ihre Konten im Ausland vor dem Staat verstecken. Auch die "Brückentechnologie" für die Atomkraft und das "Sparpaket" der Bundesregierung waren unter den Vorschlägen.
Der sechsköpfigen Jury gehörte in diesem Jahr auch der Literaturkritiker Hellmuth Karasek an. Das Unwort des Jahres wird seit Anfang der 90er-Jahre von einer unabhängigen Jury ausgewählt. Im vergangenen Jahr hatte sie sich für "betriebsratsverseucht" entschieden.
Stand: 18.01.2011 10:15 Uhr
