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Größter sprachlicher Missgriff 2011
"Döner-Morde" ist "Unwort des Jahres"
Das "Unwort des Jahres" 2011 heißt "Döner-Morde". Es wurde heute zum ersten Mal von der Sprachwissenschaftlerin Nina Janich an der Technischen Universität Darmstadt verkündet. Das Schlagwort verharmlose die Mordserie an acht türkischstämmigen und einem griechischen Kleinunternehmer. Als Vorschlag war "Döner-Morde" 269 Mal eingereicht worden.
Unwort des Jahres 2011: "Döner-Morde"
tagesschau 17:00 Uhr, 17.01.2012, Andreas Clarysse, HR
Das "Unwort des Jahres" wurde bereits zum 19. Mal seit 1991 bestimmt. Für dieses Jahr wurden mehr als 2400 Vorschläge eingereicht. Am häufigsten nannten die Einsender nach Angaben der Jury "Döner-Morde", "Stresstest" und "Rettungsschirm". "Stresstest" wurde im Dezember bereits von der Gesellschaft der Deutschen Sprache zum Wort des Jahres gewählt.
| Jahr | "Unwort" | Erklärung |
|---|---|---|
| 1991 | Ausländerfrei | Fremdenfeindliche Parole in Hoyerswerda |
| 1992 | Ethnische Säuberung | Propagandaformel in Ex-Jugoslawien |
| 1993 | Überfremdung | Scheinargument gegen Zuzug von Ausländern |
| 1994 | Peanuts | Abschätziger Banker-Jargon |
| 1995 | Diätenanpassung | Beschönigung der Diätenerhöhung im Bundestag |
| 1996 | Rentnerschwemme | Falsches, angstauslösendes Naturbild für einen sozialpol. Sachverhalt |
| 1997 | Wohlstandsmüll | Umschreibung arbeitsunwilliger Menschen (Helmut Maucher, Nestlé) |
| 1998 | Sozialverträgliches Frühableben | Zynisch wirkende Ironisierung (Karsten Vilmar, Ärztepräsident) |
| 1999 | Kollateralschaden | Verharmlosung der Tötung Unschuldiger |
| 2000 | National befreite Zone | Zynisch heroisierende Umschreibung einer von Rechtsextremen terrorisierten Region |
| 2001 | Gotteskrieger | Selbst- und Fremdbezeichnung der Taliban- und Al Kaida-Terroristen |
| 2002 | Ich-AG | Reduzierung von Individuen auf sprachliches Börsenniveau |
| 2003 | Tätervolk | Inakzeptabler Vorwurf der Kollektivschuld, Martin Hohmann (CDU-MdB) |
| 2004 | Humankapital | Degradiert Menschen zu nur noch ökonomisch interessanten Größen |
| 2005 | Entlassungsproduktivität | Gewinne aus Produktionsleistungen eines Unternehmens nach der Entlassung von Mitarbeitern |
| 2006 | Freiwillige Ausreise | Gesetzes- und Behördenterminus in Asylverfahren |
| 2007 | Herdprämie | Diffamierende Bezeichnung für Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen |
| 2008 | Notleidende Banken | Das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise wird rundweg auf den Kopf gestellt |
| 2009 | Betriebsratverseucht | Skandalöse Diffamierung der Vertretung von Arbeitnehmerinteressen |
| 2010 | Alternativlos | Politiker bezeichnen damit nicht einen Weg ohne Alternative, sondern die von ihnen bevorzugten Lösungsansätze |
Sprachliche Missgriffe aus öffentlichem Leben
Das Unwort 2010 war "alternativlos", womit Politiker die von ihnen bevorzugten Lösungsansätze bezeichneten. Der Jury gehört in diesem Jahr auch der CDU-Politiker Heiner Geißler an. Bis zum vergangenen Jahr war der emeritierte Frankfurter Sprachwissenschaftler Horst-Dieter Schlosser Juryvorsitzender. Er hat das Amt inzwischen an Janich weitergegeben.
Unwort des Jahres 2011 - "Dönermorde"
J. König, DLR
17.01.2012 12:49 Uhr
Stand: 17.01.2012 10:12 Uhr
