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09.09.2010

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"Betriebsratsverseucht" ist "Unwort des Jahres" 2009
Größter sprachlicher Missgriff 2009

"Betriebsratsverseucht" ist "Unwort des Jahres"

Unwort des Jahres Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Seit 1991 wählt eine Jury aus Vorschlägen einen sprachlichen Missgriff zum "Unwort des Jahres". ]
"Betriebsratsverseucht" ist das Unwort des Jahres 2009. Das gab die unabhängige Jury unter Leitung des Sprachwissenschaftlers Horst Schlosser in Frankfurt am Main bekannt. Die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen "stört" zwar viele Unternehmen, sagte Schlosser. Dies als "Seuche" zu bezeichnen, sei aber ein zumindest sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen.

In der ARD-Sendung "Monitor" im Mai vergangenen Jahres habe ein Mitarbeiter einer Baumarktkette berichtet, dass die Bezeichnung "betriebsratsverseucht" von Abteilungsleitern verwendet werde, wenn ein Mitarbeiter von einer Filiale mit Betriebsrat in eine Filiale ohne Betriebsrat wechseln wolle, erklärte die Jury. In der neuen Filiale könnte ihm den Aussagen zufolge vorgehalten werden, dass sein bisheriges Vertrauen in eine Arbeitnehmervertretung die Einstellung gefährde.

Auf den weiteren Plätzen für das Unwort des Jahres kamen die Begriffe "Flüchtlingsbekämpfung", "intelligente Wirksysteme" und als sogenanntes Börsenunwort "Bad Bank".

"Unworte des Jahres" seit 1991 (unwortdesjahres.org)
Jahr"Unwort"Erklärung
1991AusländerfreiFremdenfeindliche Parole in Hoyerswerda
1992Ethnische SäuberungPropagandaformel in Ex-Jugoslawien
1993ÜberfremdungScheinargument gegen Zuzug von Ausländern
1994PeanutsAbschätziger Banker-Jargon
1995DiätenanpassungBeschönigung der Diätenerhöhung im Bundestag
1996RentnerschwemmeFalsches, angstauslösendes Naturbild für einen sozialpol. Sachverhalt
1997WohlstandsmüllUmschreibung arbeitsunwilliger Menschen (Helmut Maucher, Nestlé)
1998Sozialverträgliches FrühablebenZynisch wirkende Ironisierung (Karsten Vilmar, Ärztepräsident)
1999KollateralschadenVerharmlosung der Tötung Unschuldiger
2000National befreite ZoneZynisch heroisierende Umschreibung einer von Rechtsextremen terrorisierten Region
2001GotteskriegerSelbst- und Fremdbezeichnung der Taliban- und Al Kaida-Terroristen
2002Ich-AGReduzierung von Individuen auf sprachliches Börsenniveau
2003TätervolkInakzeptabler Vorwurf der Kollektivschuld, Martin Hohmann (CDU-MdB)
2004HumankapitalDegradiert Menschen zu nur noch ökonomisch interessanten Größen
2005EntlassungsproduktivitätGewinne aus Produktionsleistungen eines Unternehmens nach der Entlassung von Mitarbeitern
2006Freiwillige AusreiseGesetzes- und Behördenterminus in Asylverfahren
2007HerdprämieDiffamierende Bezeichnung für Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen

2008Notleidende BankenDas Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise wird rundweg auf den Kopf gestellt

Sprachliche Missgriffe aus öffentlichem Leben

Das "Unwort des Jahres" wurde bereits zum 19. Mal seit 1991 bestimmt. Diesmal beteiligten sich 2018 Einsender. Sie machten 982 verschiedene Vorschläge. Am häufigsten wurde das "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" (183) vorgeschlagen, gefolgt von "Schweinegrippe" (79), "Schattenhaushalt" (69) und "Abwrackprämie" (68). Die Jury entscheidet aber nicht nach der Häufigkeit eines Vorschlags, sondern wählt ein "besonders schiefes Verhältnis zu der bezeichneten Sache", Begriffe, die verschleiern, dramatisieren oder gar die Menschenwürde verletzen. Unwort des Jahres 2008 war "Notleidende Banken".

Die "Unwort"-Jury:

Die Entscheidung trifft eine unabhängige Jury mit vier ständigen und zwei jährlich wechselnden Mitgliedern, bei denen es sich um "Vertreter der öffentlichen Sprachpraxis" handelt. Die ständigen Mitglieder sind die Sprachwissenschaftler Nina Janich (Darmstadt), Margot Heinemann (Zittau), Martin Wengeler (Düsseldorf) und Horst Dieter Schlosser (Frankfurt a. M.). Zwei weitere Jurorensitze werden jährlich neu mit Vertretern der öffentlichen Sprachpraxis besetzt.
 
Stand: 19.01.2010 10:27 Uhr
 

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