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[Bildunterschrift: Seit 1991 wählt eine Jury aus Vorschlägen einen sprachlichen Missgriff zum "Unwort des Jahres". ]
"Betriebsratsverseucht" ist das Unwort des Jahres 2009. Das gab die unabhängige Jury unter Leitung des Sprachwissenschaftlers Horst Schlosser in Frankfurt am Main bekannt. Die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen "stört" zwar viele Unternehmen, sagte Schlosser. Dies als "Seuche" zu bezeichnen, sei aber ein zumindest sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen.
In der ARD-Sendung "Monitor" im Mai vergangenen Jahres habe ein Mitarbeiter einer Baumarktkette berichtet, dass die Bezeichnung "betriebsratsverseucht" von Abteilungsleitern verwendet werde, wenn ein Mitarbeiter von einer Filiale mit Betriebsrat in eine Filiale ohne Betriebsrat wechseln wolle, erklärte die Jury. In der neuen Filiale könnte ihm den Aussagen zufolge vorgehalten werden, dass sein bisheriges Vertrauen in eine Arbeitnehmervertretung die Einstellung gefährde.
Auf den weiteren Plätzen für das Unwort des Jahres kamen die Begriffe "Flüchtlingsbekämpfung", "intelligente Wirksysteme" und als sogenanntes Börsenunwort "Bad Bank".
| Jahr | "Unwort" | Erklärung |
|---|---|---|
| 1991 | Ausländerfrei | Fremdenfeindliche Parole in Hoyerswerda |
| 1992 | Ethnische Säuberung | Propagandaformel in Ex-Jugoslawien |
| 1993 | Überfremdung | Scheinargument gegen Zuzug von Ausländern |
| 1994 | Peanuts | Abschätziger Banker-Jargon |
| 1995 | Diätenanpassung | Beschönigung der Diätenerhöhung im Bundestag |
| 1996 | Rentnerschwemme | Falsches, angstauslösendes Naturbild für einen sozialpol. Sachverhalt |
| 1997 | Wohlstandsmüll | Umschreibung arbeitsunwilliger Menschen (Helmut Maucher, Nestlé) |
| 1998 | Sozialverträgliches Frühableben | Zynisch wirkende Ironisierung (Karsten Vilmar, Ärztepräsident) |
| 1999 | Kollateralschaden | Verharmlosung der Tötung Unschuldiger |
| 2000 | National befreite Zone | Zynisch heroisierende Umschreibung einer von Rechtsextremen terrorisierten Region |
| 2001 | Gotteskrieger | Selbst- und Fremdbezeichnung der Taliban- und Al Kaida-Terroristen |
| 2002 | Ich-AG | Reduzierung von Individuen auf sprachliches Börsenniveau |
| 2003 | Tätervolk | Inakzeptabler Vorwurf der Kollektivschuld, Martin Hohmann (CDU-MdB) |
| 2004 | Humankapital | Degradiert Menschen zu nur noch ökonomisch interessanten Größen |
| 2005 | Entlassungsproduktivität | Gewinne aus Produktionsleistungen eines Unternehmens nach der Entlassung von Mitarbeitern |
| 2006 | Freiwillige Ausreise | Gesetzes- und Behördenterminus in Asylverfahren |
| 2007 | Herdprämie | Diffamierende Bezeichnung für Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen |
| 2008 | Notleidende Banken | Das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise wird rundweg auf den Kopf gestellt |
Das "Unwort des Jahres" wurde bereits zum 19. Mal seit 1991 bestimmt. Diesmal beteiligten sich 2018 Einsender. Sie machten 982 verschiedene Vorschläge. Am häufigsten wurde das "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" (183) vorgeschlagen, gefolgt von "Schweinegrippe" (79), "Schattenhaushalt" (69) und "Abwrackprämie" (68). Die Jury entscheidet aber nicht nach der Häufigkeit eines Vorschlags, sondern wählt ein "besonders schiefes Verhältnis zu der bezeichneten Sache", Begriffe, die verschleiern, dramatisieren oder gar die Menschenwürde verletzen. Unwort des Jahres 2008 war "Notleidende Banken".
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