Auf einem Smartphone ist die Definition des Wortes "Gutmensch" zu sehen. | Bildquelle: dpa

Entscheidung von Sprach-Jury "Gutmensch" ist Unwort des Jahres

Stand: 12.01.2016 10:22 Uhr

An der Flüchtlingskrise kam 2015 niemand vorbei. Auch bei der Abstimmung zum "Unwort des Jahres" fiel die Wahl auf einen Begriff, der eng mit dem Thema "Flüchtlinge" verbunden ist. "Gutmensch" - ein Wort, das Flüchtlingshelfer laut Jury diffamiert.

"Gutmensch" ist das Unwort des Jahres. Das hat die Sprecherin der "Unwort"-Jury, Nina Janich, in Darmstadt bekannt gegeben. Von den 1644 Einsendungen aus der Bevölkerung schlugen 64 diesen Begriff als Unwort vor. Der Begriff wurde besonders für diejenigen verwendet, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder sich gegen die Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen.

Das Schlagwort in Zusammenhang mit der Flüchtlingshilfe diffamiere "Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischen Imperialismus", begründete Janich die Entscheidung. "Die Verwendung dieses Ausdrucks verhindert einen demokratischen Austausch von Sachargumenten", begründete die Jury-Vorsitzende die Entscheidung.

"Gutmensch" wird zum Unwort des Jahres gewählt
tagesschau 12:00 Uhr, 12.01.2016, Jan-Peter Barthels, HR

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Eine Rüge für die Hausaufgaben

Außerdem rügte die Jury die Ausdrücke "Hausaufgaben" im Zusammenhang mit Griechenland, sowie das Wort "Verschwulung", das vor allem als Teil eines Buchtitels des Autors Akif Pirincci Aufsehen erregt hatte.

Insgesamt waren 669 verschiedene Vorschläge eingegangen von denen ungefähr 80 den Kriterien der Jury zum "Unwort des Jahres" entsprachen. Von den 1644 Einsendungen aus der Bevölkerung schlugen 64 den Begriff "Gutmensch" als Unwort vor.

"Lärmpause" ist der heimliche Gewinner

Am häufigsten schlugen die Menschen das Wort "Lärmpause" vor (165 Einsendungen), das aber nicht den Kriterien der Jury genügte. Danach folgte das Wort "Willkommenskultur" (114) sowie die Begriffe "besorgte Bürger" (58), "Grexit" (47) und "Wir schaffen das" (56).

Außerdem waren die Ausdrücke "Flüchtlingskrise", "Wirtschaftsflüchtlinge" und "Asylkritiker" und "Griechenlandhilfe" in den Top der am häufigsten vorgeschlagenen Wörter.

Sprachsensibilität in der Bevölkerung fördern

In diesem Jahr erreichten deutlich mehr Einsendungen die Jury in Darmstadt als in den vergangenen Jahren. Für das Jahr 2014 wurde der Ausdruck "Lügenpresse" zum Unwort des Jahres gekürt. Im Jahr davor lautete es "Sozialtourismus". 2012 hatte der Ausdruck "Opfer-Abo die meisten Jury-Stimmen erhalten.

Die sprachkritische Aktion wurde 1991 von dem Frankfurter Germanistikprofessor Horst Dieter Schlosser eingeführt. Damit wollte der Sprachwissenschaftler den Blick auf Wörter und Formulierungen lenken, "die gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen und dadurch die Sprachsensibilität in der Bevölkerung fördern.

Kabarettist komplettiert Jury

Die Jury besteht aus vier Sprachwissenschaftlern verschiedener Universitäten und einem Journalisten. In diesem Jahr wurde sie durch den Kabarettisten Georg Schramm ergänzt.

Das "Wort des Jahres" wird hingegen von der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden gewählt. Bei der diesjährigen Wahl hatten sich die Experten für das Wort "Flüchtlinge" entschieden.

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