T-Shirtaufdruck "Lügenpresse halt die Fresse" | Bildquelle: dpa

Sprache und Gesellschaft "Lügenpresse" ist "Unwort des Jahres"

Stand: 13.01.2015 11:30 Uhr

"Lügenpresse" ist das "Unwort des Jahres 2014". Das teilte die "Unwort"-Jury unter dem Vorsitz der Sprachwissenschaftlerin Nina Janich mit. "Mit dem Ausdruck 'Lügenpresse' werden Medien pauschal diffamiert", sagte Janisch. "Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit", deren akute Bedrohung "gerade in diesen Tagen unübersehbar geworden ist", erklärte die Jury mit Blick auf den Anschlag auf die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" in Paris.

Das Schlagwort "war bereits im Ersten Weltkrieg ein zentraler Kampfbegriff und diente auch den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien", hieß es außerdem zur Begründung. Dass vielen der "Pegida"-Anhänger die historischen Bezüge vermutlich gar nicht bewusst seien, mache ihn zu einem "besonders perfiden Mittel" der Drahtzieher, die das Wort bei ihren Protesten ganz gezielt einsetzten.

"Lügenpresse" ist "Unwort des Jahres"
tagesschau 20:00 Uhr, 13.01.2015, Alex Jakubowski, HR

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Zum "Unwort des Jahres 2013" war "Sozialtourismus" gewählt worden, 2012 "Opfer-Abo", 2011 "Döner-Morde". Die "Unwort"-Aktion gibt es seit 1991. Die Jury der Sprachkritischen Aktion besteht aus vier Sprachwissenschaftlern verschiedener Universitäten und zwei Journalisten. Sie wählen aus Vorschlägen aus, die ihnen zugeschickt werden.

"Wort des Jahres" war "Lichtgrenze"

Neben der unabhängigen, sprachkritischen Jury mit ihrer Sprecherin in Darmstadt wählt davon getrennt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden das "Wort des Jahres". Für 2014 war im Dezember die Bezeichnung "Lichtgrenze" bekanntgegeben worden. Der Name stand für ein Kunstwerk in Berlin anlässlich des Festakts im vergangenen November zum 25. Jahrestag des Mauerfalls. Knapp 7000 weiße Ballons stiegen in den Himmel. Sie hatten den Verlauf der deutschen Teilung nachgezeichnet.

"Unwörter des Jahres" seit 2006

2013: "Sozialtourismus"
Das Grundwort "Tourismus" suggeriere in Verdrehung der offenkundigen Tatsachen eine dem Vergnügen und der Erholung dienende Reisetätigkeit. Das Bestimmungswort "Sozial" reduziere die damit gemeinte Zuwanderung auf das Ziel, vom deutschen Sozialsystem zu profitieren. Dies diskriminiere Menschen, die aus purer Not in Deutschland eine bessere Zukunft suchen, und verschleiere ihr prinzipielles Recht hierzu.

2012: "Opfer-Abo"
Das Schlagwort hatte Wetter-Moderator Jörg Kachelmann geprägt. Er meinte damit, dass Frauen immer wieder die Opferrolle zugesprochen wird. Die Jury kritisierte, der Begriff stelle Frauen "pauschal und in inakzeptabler Weise" unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und damit selbst Täterinnen zu sein.

2011: "Döner-Morde"
Mit der "sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung" würden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt, erklärte die Jury.

2010: "Alternativlos"
Das Wort suggeriere zu Unrecht, dass keine Diskussion mehr notwendig sei.

2009: "Betriebsratsverseucht"
Damit würden Arbeitnehmer-Interessen in völlig unangemessener Weise als Seuche dargestellt.

2008: "Notleidende Banken"
Der Begriff stelle das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise auf den Kopf.

2007: "Herdprämie"
Diffamierung von Eltern, insbesondere von Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen.

2006: "Freiwillige Ausreise"
Damit werde suggeriert, dass viele abgelehnte Asylbewerber vor einer Abschiebung "freiwillig" in ihre Heimat zurückkehrten. Tatsächlich hätten sie keine Wahl.

"Lügenpresse" - das "Unwort des Jahres 2014"
S. Willert, DLF
13.01.2015 20:12 Uhr

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