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[Bildunterschrift: Hörsaal-Räumung an der Uni Tübingen ]
Die Protestaktionen an deutschen Universitäten gehen weiter. Überlastete Studiengänge, soziale Ungleichheiten im Bildungssystem, chronische Unterfinanzierung der Universitäten - das sind nach Studentenorganisationen die Gründe für die deutschlandweiten Protestaktionen. Seit Mittwochabend besetzen rund 250 Studierende den Audimax-Hörsaal der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Sie fordern ein Mitbestimmungsrecht an allen Entscheidungsprozessen der Universität und Korrekturen an der Umsetzung des Bologna-Prozesses, der das europäische Hochschulwesen vereinheitlichen soll.
Auch die Besetzung von Räumen der Freien Universität sowie der Humboldt-Universität in Berlin dauert nach Polizeiangaben weiter an. Dagegen räumten in Tübingen rund 200 Studenten am frühen Morgen den größten Hörsaal der Universität. Um Mitternacht war ein entsprechendes Ultimatum der Universitätsleitung abgelaufen, die Studenten hatten das Gebäude freiwillig verlassen.
Ausgangspunkt der Proteste gegen die europaweite Bologna-Reform war Österreich. Vor gut drei Wochen wurde in Wien der erste Hörsaal besetzt. Inzwischen gibt es auch in anderen Ländern ähnliche Aktionen, in Deutschland derzeit in rund 20 Städten.
Die Gewerkschaften GEW und ver.di haben sich solidarisch mit den Studenten erklärt. Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer kritisierte die neue Bundesregierung. "Einen Dreiklang aus Steuersenkungen, Haushaltskonsolidierung und Zukunftsinvestitionen in Bildung wird es nicht geben", sagte er.
[Bildunterschrift: Bundesbildungsministerin Annette Schavan rief die Bundesländer auf, die Hochschulreform bald umzusetzen. ]
Bundesbildungsministerin Annette Schavan rief die Bundesländer auf, die bereits verabredete Hochschulreform rasch umzusetzen. Sie sagte im Südwestrundfunk, bei der Umsetzung von Hochschulreformen gehe es um die Glaubwürdigkeit der Bildungspolitik. "Viele bildungspolitische Reden machen noch nicht gute Bildungs- und Wissenschaftspolitik", sagte die Ministerin. Die Studierenden bräuchten klare Signale, dass es die verabredeten Korrekturen bei der neuen Studienstruktur geben werde.
Der bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch äußerte Verständnis für die Proteste. "Wir gehen die Probleme zügig an", erklärte er, warnte zugleich aber auch vor Aktionismus. "Ich begrüße es dabei ganz ausdrücklich, wenn sich die Studierenden konstruktiv an der Diskussion um Verbesserungen der Studienbedingungen beteiligen."
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