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09.02.2010

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Studie zum Umweltbewusstsein der Deutschen veröffentlicht
Studie zum Umweltbewusstsein der Deutschen

Beim Geld hört der Umweltschutz auf

Alle zwei Jahre stellen das Bundesumweltministerium und das Bundesumweltamt die grüne Gretchenfrage "Wie umweltbewusst sind die Deutschen?" Die heute vorgestellte Untersuchung zeigt: Umweltschutz ist uns wichtig - theoretisch jedenfalls. Für die Praxis aber liefert die Studie zum Teil ganz andere Ergebnisse.

Von Nicole Diekmann, tagesschau.de

Zunächst liest sich die Studie gut an: Die Frage nach dem wichtigsten politischen Problem in Deutschland beantworteten immerhin 22 Prozent der Befragten mit "Umweltschutz". Er liegt damit auf Platz vier. Bei der Nennung von konkreten politischen Bereichen bewertete ihn sogar knapp die Hälfte als sehr wichtig, 42 Prozent der Interviewten als "eher wichtig".

Unser ökologisches Gewissen: nicht allzu rein

Aufgerissene Erde am Rheinufer im Jahrhunderstommer 2003 (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Das Rheinufer im Sommer 2003: der Klimawandel, direkt vor der Haustür. ]
80 Prozent nannten den Menschen als Verursacher des Klimawandels. Satte 87 Prozent meinen, vor allem die Industriestaaten seien schuld daran und sollten deswegen etwas dagegen tun. Überwältigende Zustimmung erntete auch die Aussage, der Erhalt natürlicher Lebensräume sei nicht nur für die Natur, sondern auch für den Menschen lebenswichtig: 92 Prozent.

Deutschland, ein Land mit einem kollektiven grünen Bewusstsein, so scheint es. Immerhin ließen Bundesumweltministerium und Bundesumweltamt eine repräsentative Zahl von mehr als 2000 Menschen für die alle zwei Jahre erscheinende Untersuchung "Umweltbewusstsein in Deutschland" befragen. Seit den neunziger Jahren wird so das ökologische Gewissen der Deutschen überprüft.

Allzu rein dürfte dies bei genauerer Betrachtung der aktuellen Zahlen allerdings nicht sein: Das Grün verblasst mehr und mehr, je weiter man sich von der abstrakten Ebene entfernt und je näher man den Befragten und ihrem Alltagsverhalten kommt.

Nur drei Prozent beziehen Ökostrom

Dass die Bundesregierung, auch einer der Industriestaaten, mehr für den Klimaschutz tun müsse - das sieht nur die Hälfte der Befragten so. Sich selbst sieht man hierzulande nicht allzu stark in der Pflicht, wie es scheint: Nur drei Prozent der Interviewpartner gaben an, Ökostrom zu beziehen. 31 Prozent antworteten, das komme für sie nicht infrage. Zehn Prozent wollen ihn laut eigener Aussage anschaffen und 56 Prozent können es sich "eventuell vorstellen".

So vage diese Antwort, so klar ist dies: Beim Geld hört für die meisten der Umweltschutz auf. 57 Prozent würden nichts für Produkte drauflegen, die im Vergleich klimafreundlicher abschneiden. 35 Prozent sagten, sie würden höchstens einen Aufpreis von bis zu zehn Prozent in Kauf nehmen.

Anfangen sollen bitteschön die anderen

Kühltürme des Braunkohle-Kraftwerks der Vattenfall Europe AG (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der Ausstieg aus dem Atom-Ausstieg: in Gesellschaft und Politik umstritten. ]
Auch beim Thema Strom scheint der finanzielle Aspekt den ökologischen zu schlagen: Wenngleich die Debatte in letzter Zeit auch abgeflaut ist, so findet die Diskussion über den Ausstieg vom Ausstieg doch offenbar auch in der Bevölkerung Widerhall. Vor zwei Jahren noch sagten 37 Prozent der Befragten, Deutschland solle festhalten am geplanten Atomausstieg bis 2023. Das meinen nun nur noch 31 Prozent. Dafür hat die Zahl derer zugenommen, die keinen Ausstieg wollen: 2006 waren es noch 12 Prozent, dieses Mal 14.

Umweltschutz: ja gerne, aber nur, wenn er wenig Geld und Mühe kostet - überspitzt gesagt, ist dies eine der beiden Kernaussagen der 64 Seiten starken, repräsentativen Studie "Umweltbewusstsein in Deutschland 2008". Die zweite findet sich in der Tabelle mit der Nummer 30: "Ich wäre bereit, mehr für den Schutz der Umwelt zu tun, wenn alle so handeln würden", steht dort als optionale Antwort. Das sahen 80 Prozent der Befragten auch so.

Stand: 10.12.2008 12:30 Uhr
 

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