Wolfgang Albers | Bildquelle: dpa

Nach Silvester-Übergriffen Kölns Polizeipräsident muss gehen

Stand: 08.01.2016 17:04 Uhr

Zuletzt war es einsam um ihn geworden, jetzt muss er gehen: Der nach den Übergriffen in Köln in die Kritik geratene Kölner Polizeipräsident Albers ist in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Zuvor hatte auch Oberbürgermeisterin Reker das Vertrauensverhältnis zu Albers als zerrüttet bezeichnet.

Nach den Vorfällen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht ist der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Innenminister Ralf Jäger habe Albers davon in Kenntnis gesetzt. In Kürze gibt es eine Pressekonferenz.

Um den Kölner Polizeipräsidenten Wolfgang Albers war es zuletzt einsam geworden. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, die Öffentlichkeit nach den Übergriffen nicht rechtzeitig informiert zu haben und Informationen unter anderem über die Herkunft der Verdächtigen zurückgehalten zu haben.

Jens Eberl, WDR, zum Rücktritt des Kölner Polizeipräsidenten Albers
tagesschau24 16:30, 08.01.2016

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"Vertrauensverhältnis erschüttert"

Nach der harschen Kritik des Bundesinnenministers Mitte der Woche in den tagesthemen ging auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker deutlich auf Distanz. Die ihr von der Polizeiführung geschilderten Fakten gäben nicht das vollständige Bild der Einsatznacht wieder, hieß es in einer Stellungnahme der parteilosen Oberbürgermeisterin. "Insofern ist mit meinem heutigen Kenntnisstand das Vertrauensverhältnis zur Kölner Polizeiführung erheblich erschüttert."

Henriette Reker | Bildquelle: dpa
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"Vertrauensverhältnis erschüttert": Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker

Die veröffentlichten internen Berichte zeigten, dass die Polizei bereits seit Tagen ein wesentlich differenzierteres Bild zur Lage am Silvesterabend und zur Herkunft möglicher Tatverdächtiger habe als bislang vermittelt worden sei, erklärte Reker. "Dass ich diese Informationen, insbesondere zur Herkunft von ermittelten Beteiligten aus der Gruppe der Täter, erst aus den heutigen Medien entnehmen kann, kann ich als Oberbürgermeisterin dieser Stadt nicht akzeptieren."

Viele Flüchtlinge unter Tatverdächtigen

Reker hatte am vergangenen Montag, drei Tage nach den Ausschreitungen, vor Journalisten gesagt, die Behörden hätten keine Hinweise darauf, dass es sich bei den Beteiligten um Flüchtlinge handele. Die Bundespolizei gab dagegen heute bekannt, dass von den bislang 31 namentlich bekannten Tatverdächtigen, 18 den Status als Asylbewerber hätten.

Silvester in Köln | Bildquelle: dpa
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Mehr als 30 Tatverdächtige der Silvester-Übergriffe in Köln hat die Bundespolizei bislang identifiziert

Der "Kölner Stadtanzeiger" berichtete, leitende Beamte sollen bewusst die Herkunft der Menschen verschwiegen haben, die im Umfeld des Hauptbahnhofs kontrolliert worden waren. Es sei ihnen politisch heikel erschienen, schreibt das Blatt.

Der Polizeiführung sei offenbar schon in der Nacht klar gewesen, dass es sich bei vielen von rund 100 kontrollierten jungen Männern um Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan gehandelt habe, die erst seit kurzem in Deutschland lebten, heißt es in dem Bericht. Auf Anfrage der Zeitung wollte die Polizei diesen Vorgang weder bestätigen noch dementieren. Zuvor war bereits aus einem Protokoll eines leitenden Bundespolizisten, datiert vom 4. Januar, hervorgegangen, dass die Verantwortlichen Ausmaß und Dramatik der Lage in Köln frühzeitig gekannt haben müssen.

De Maizière warnt Polizei vor Selbstzensur

Bundesinnenminister de Maizière warnte die Polizei in Zusammenhang mit den Erkenntnissen aus der Silvesternacht vor Selbstzensur. "Ein Generalverdacht ist genauso wenig der richtige Weg wie das Tabuisieren der Herkunft von Kriminalität", sagte der CDU-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Es darf keine Schweigespirale geben, schon gar nicht darf sie von der Polizei ausgehen." Wenn Täter einen Migrations- oder Flüchtlingshintergrund hätten, dürfe das nicht verschwiegen werden. De Maizière hatte die Kölner Polizei bereits Mitte der Woche in einem tagesthemen-Interview scharf kritisiert und ihr Versagen vorgeworfen.

Polizeipräsident Albers hatte noch versucht, den Rücktritt abzuwenden. Auch den Vorwurf der Vertuschung verbat er sich. Diese Kritik sei "vollkommen abstrus." Er habe immer wieder verdeutlicht, dass sich während der Silvesternacht am Hauptbahnhof kontrollierte Personen mit vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ausgestellten Dokumenten ausgewiesen hätten.

Zwei Festgenommene wieder frei

Unterdessen sind zwei wegen der Übergriffe in der Kölner Silvesternacht festgenommene Männer wieder auf freiem Fuß. Der Tatverdacht gegen die Beiden habe sich nicht erhärtet, sagte Staatsanwalt Benedikt Kortz der Deutschen Presse-Agentur. Bei den 16 und 23 Jahre alten Männern aus Marokko und Tunesien sollen nach Polizeiangaben Handys sichergestellt worden sein. Der WDR hatte berichtet, die Videos zeigten Ausschreitungen und Übergriffe auf Frauen. Außerdem sei ein Zettel mit arabisch-deutschen Übersetzungen von sexistischen Begriffen sichergestellt worden. Dazu wollte sich der Staatsanwalt nicht äußern.

Diebstahl und Körperverletzung

Unter den von der Bundespolizei insgesamt 31 identifizierten Verdächtigen sind laut Innenministerium neun Algerier, acht Marokkaner, vier Syrer, fünf Iraner, ein Iraker, ein Serbe, ein Amerikaner und zwei Deutsche. Ihnen würden hauptsächlich Diebstähle und Körperverletzungen vorgeworfen. Es seien auch drei Anzeigen wegen sexueller Delikte bei der Bundespolizei eingegangen, dazu hätten aber keine Verdächtigen ermittelt werden können. Der Sprecher betonte, es handele sich lediglich um Fälle, die in den Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei fielen - also auf dem Bahnhofsgelände und bis zu einer Entfernung von 30 Metern auf dem Vorplatz.

Bei der Kölner Polizei summiert sich die Zahl der Anzeigen wegen der Vorfälle in der Silvesternacht auf 170, in rund 120 Fällen geht es einer Sprecherin zufolge um sexuelle Übergriffe.

Zu den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln und den Entwicklungen danach sendet das Erste auch heute einen Brennpunkt - um 20:15 Uhr nach der tagesschau.

Hotline für Opfer

Beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) gibt es für Frauen, die in der Silvesternacht Opfer von sexuellen Übergriffen wurden, eine Telefon-Hotline. Unter der Nummer 0221/8096777 sei täglich zwischen 9 und 17 Uhr ein geschulter Ansprechpartner erreichbar, teilte der LVR mit.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. Januar 2016 um 16:30 Uhr.

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