Polizeiwagen vor Kölner Dom | Bildquelle: dpa

Nach Silvester-Übergriffen Zwei Festgenommene wieder frei

Stand: 08.01.2016 15:56 Uhr

Zwei wegen der Übergriffe in Köln festgenommene Männer sind wieder frei. Der Tatverdacht habe sich nicht erhärtet, so die Staatsanwaltschaft. Unter den insgesamt mehr als 30 identifizierten Tatverdächtigen sind laut Innenministerium auch viele Asylbewerber. De Maizière warnte die Polizei vor Selbstzensur.

Zwei wegen der Übergriffe in der Kölner Silvesternacht festgenommene Männer sind wieder auf freiem Fuß. Der Tatverdacht gegen die Beiden habe sich nicht erhärtet, sagte Staatsanwalt Benedikt Kortz der Deutschen Presse-Agentur. Bei den 16 und 23 Jahre alten Männern aus Marokko und Tunesien sollen nach Polizeiangaben Handys sicher gestellt worden sein. Der WDR hatte berichtet, die Videos zeigten Ausschreitungen und Übergriffe auf Frauen. Außerdem sei ein Zettel mit arabisch-deutschen Übersetzungen von sexistischen Begriffen sichergestellt worden. Dazu wollte sich der Staatsanwalt nicht äußern.

Viele Flüchtlinge unter Verdächtigen

Unter den Tatverdächtigen der Übergriffe in Köln sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums auch mehrere Flüchtlinge. Laut eines Ministeriumssprechers stellte die Bundespolizei bislang 31 namentlich bekannte Tatverdächtige fest, 18 von ihnen hätten den Status als Asylbewerber.

Demnach sind unter den von der Bundespolizei identifizierten Verdächtigen neun Algerier, acht Marokkaner, vier Syrer, fünf Iraner, ein Iraker, ein Serbe, ein Amerikaner und zwei Deutsche. Ihnen würden hauptsächlich Diebstähle und Körperverletzungen vorgeworfen. Es seien auch drei Anzeigen wegen sexueller Delikte bei der Bundespolizei eingegangen, dazu hätten aber keine Verdächtigen ermittelt werden können. Der Sprecher betonte, es handele sich lediglich um Fälle, die in den Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei fielen - also auf dem Bahnhofsgelände und bis zu einer Entfernung von 30 Metern auf dem Vorplatz.

Bei der Kölner Polizei summiert sich die Zahl der Anzeigen wegen der Vorfälle in der Silvesternacht auf 170, in rund 120 Fällen geht es einer Sprecherin zufolge um sexuelle Übergriffe.

De Maizière warnt Polizei vor Selbstzensur

Bundesinnenminister de Maizière warnte in Zusammenhang mit den Silvester-Übergriffen vor Selbstzensur der Polizei bei Angriffen durch Migranten. "Ein Generalverdacht ist genauso wenig der richtige Weg wie das Tabuisieren der Herkunft von Kriminalität", sagte der CDU-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Es darf keine Schweigespirale geben, schon gar nicht darf sie von der Polizei ausgehen." Wenn Täter einen Migrations- oder Flüchtlingshintergrund hätten, dürfe das nicht verschwiegen werden. De Maizière die Kölner Polizei bereits Mitte der Woche in einem tagesthemen-Interview scharf kritisiert und ihr Versagen vorgeworfen.

Silvester in Köln | Bildquelle: dpa
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Nach den Übergriffen in Köln gibt es mehr als 30 Tatverdächtige.

Polizeipräsident weist Vorwürfe zurück

Der Druck auf den Kölner Polizeipräsidenten ist entsprechend hoch. Einen Rücktritt lehnt Wolfgang Albers aber ab. Auch den Vorwurf der Vertuschung verbat er sich. Diese Kritik sei "vollkommen abstrus." Er habe immer wieder verdeutlicht, dass sich während der Silvesternacht am Hauptbahnhof kontrollierte Personen mit vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ausgestellten Dokumenten ausgewiesen hätten.

Der "Kölner Stadtanzeiger" hatte berichtet, leitende Beamte sollen bewusst die Herkunft der Menschen verschwiegen haben, die im Umfeld des Hauptbahnhofs kontrolliert worden waren. Es sei ihnen politisch heikel erschienen, schreibt das Blatt.

Der Polizeiführung sei offenbar schon in der Nacht klar gewesen, dass es sich bei vielen von rund 100 kontrollierten jungen Männern um Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan gehandelt habe, die erst seit kurzem in Deutschland lebten, heißt es in dem Bericht. Auf Anfrage der Zeitung wollte die Polizei diesen Vorgang weder bestätigen noch dementieren. Zuvor war bereits aus einem Protokoll eines leitenden Bundespolizisten, datiert vom 4. Januar, hervorgegangen, dass die Verantwortlichen Ausmaß und Dramatik der Lage in Köln frühzeitig gekannt haben müssen.

Hotline für Opfer

Beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) gibt es für Frauen, die in der Silvesternacht Opfer von sexuellen Übergriffen wurden, eine Telefon-Hotline. Unter der Nummer 0221/8096777 sei täglich zwischen 9 und 17 Uhr ein geschulter Ansprechpartner erreichbar, teilte der LVR mit.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. Januar 2016 um 16:00 Uhr.

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