Hauptbahnhof Köln | Bildquelle: dpa

Handy-Videos bei Verdächtigen gefunden Zwei Festnahmen nach Übergriffen in Köln

Stand: 08.01.2016 13:00 Uhr

Nach den Übergriffen von Köln sind zwei Männer festgenommen worden. Bei ihnen seien Handys sichergestellt worden, auf denen Videos der Silvesternacht gespeichert gewesen sein sollen, berichtet der WDR. Derweil stieg die Zahl der Anzeigen und der identifizierten Verdächtigen weiter.

Silvester in Köln | Bildquelle: dpa
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Nach den Übergriffen in Köln gibt es erste Festnahmen.

Die Kölner Polizei hat nach WDR-Informationen zwei Männer festgenommen, die an den Übergriffen am Hauptbahnhof beteiligt gewesen sein sollen. Bei ihnen seien Handys sichergestellt worden, auf denen Videos der Silvesternacht gespeichert gewesen sein sollen, berichtete der WDR. Demnach zeigen die Handy-Videos Ausschreitungen und Übergriffe auf Frauen.

Außerdem sei ein Zettel mit arabisch-deutschen Übersetzungen von sexistischen Begriffen sichergestellt worden. Bei den beiden Tatverdächtigen soll es sich um Männer mit Migrationshintergrund handeln.

Viele Flüchtlinge unter den Verdächtigen

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums identifizierte die Bundespolizei bislang 31 Verdächtige namentlich. Unter ihnen seien 18 Asylbewerber, sagte ein Sprecher des Ministeriums in Berlin. Insgesamt seien unter den Verdächtigen neun Algerier, acht Marokkaner, vier Syrer, fünf Iraner, ein Iraker, ein Serbe, ein Amerikaner und zwei Deutsche.

Bei den Delikten, die ihnen vorgeworfen werden, handele es sich überwiegend um Körperverletzungen und Diebstähle. Sexualdelikte seien bisher nicht mit den Asylbewerbern in Verbindung gebracht worden. Zwar seien wegen Sexualdelikten drei Strafanzeigen bei der Bundespolizei eingegangen, sagte der Sprecher weiter. Tatverdächtige seien in diesen Fällen aber nicht ermittelt worden. Der Sprecher betonte, es handele sich lediglich um Fälle, die in den Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei fielen - also auf dem Bahnhofsgelände und bis zu einer Entfernung von 30 Metern auf dem Vorplatz.

Die Zahl der Strafanzeigen im Zusammenhang mit der Silvesternacht stieg mittlerweile weiter. Nach Informationen des Magazins "Der Spiegel" gingen bis heute bei den zuständigen Ermittlungsbehörden insgesamt rund 200 Anzeigen ein, von denen viele auf sexuellen Angriffen gründeten. Eine Polizeisprecherin in Köln sagte, es seien 170 Anzeigen im Zusammenhang mit den Vorfällen der Silvesternacht eingegangen, rund 120 davon hätten sexuelle Übergriffe zum Hintergrund.

Wie der "Spiegel" weiter berichtete, machten die Ermittler Fortschritte bei der Suche nach gestohlenen Gegenständen. Inzwischen konnten einige in der Silvesternacht gestohlene Handys geortet werden. In manchen Fällen führte deren Spur in Flüchtlingsheime oder deren unmittelbares Umfeld.

Jens Eberl, WDR, zu den Festnahmen in Köln
tagesschau24 13:00 Uhr, 08.01.2016

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Polizeiführung unter Druck

Derweil gerät die Polizeiführung zunehmend unter Druck. Wie der "Kölner Stadtanzeiger" berichtet, sollen leitende Beamte bewusst die Herkunft der Menschen verschwiegen haben, die im Umfeld des Hauptbahnhofs kontrolliert worden waren. Es sei ihnen politisch heikel erschienen, schreibt das Blatt.

Der Polizeiführung sei offenbar schon in der Nacht klar gewesen, dass es sich bei vielen von rund 100 kontrollierten jungen Männern um Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan gehandelt habe, die erst seit kurzem in Deutschland lebten, heißt es in dem Bericht. Auf Anfrage der Zeitung wollte die Polizei diesen Vorgang weder bestätigen noch dementieren. Zuvor war bereits aus einem Protokoll eines leitenden Bundespolizisten, datiert vom 4. Januar, hervorgegangen, dass die Verantwortlichen Ausmaß und Dramatik der Lage in Köln frühzeitig gekannt haben müssen.

Auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker geht mittlerweile auf Distanz zur Polizei. Kritik entzündet sich vor allem an der schleppenden Kommunikation. Die Oberbürgermeisterin habe auch Tage nach Silvester noch einen anderen Informationsstand gehabt als die Polizei, sagte ein Sprecher Rekers. Es lasse Fragen zur Strategie der Polizei zu, wenn nun zunehmend Details der Einsätze an die Öffentlichkeit gelangten. Es könne da politische oder auch taktische Motive geben.

Flüchtlinge an Übergriffen beteiligt?

Gestern Abend hatte sich der Verdacht, dass Flüchtlinge in die Geschehnisse am Kölner Hauptbahnhof verwickelt gewesen sein könnten, noch einmal verdichtet. Ernst G. Walter von der Bundespolizeigewerkschaft sagte im Brennpunkt: "Nach unseren Erkenntnissen sind es in der Tat junge Männer, überwiegend aus dem arabischen und nordafrikanischen Raum gewesen. Wir haben auch Erkenntnisse darüber, dass sich darunter auch Flüchtlinge befunden haben aus Flüchtlingsheimen im Bereich Duisburg, mit entsprechenden Papieren des BAMF ausgestattet." Er sagte jedoch auch: "Ob sie nun unbedingt zu dem heftigsten Täterkreis gehören oder nicht, das müssen jetzt die Ermittlungen bringen."

Gabriel fordert "Haft im Heimatland"

Unterdessen verschärft sich die Debatte um härtere Strafen für straffällige Flüchtlinge: Der SPD-Bundesvorsitzende und Vizekanzler Sigmar Gabriel will auch prüfen, wie der Grundsatz "Haft im Heimatland" wieder verwirklicht werden könne. Alle Möglichkeiten des internationalen Rechts müssten geprüft werden, "um kriminelle Asylbewerber in ihre Heimat zurückzuschicken", sagt Gabriel der "Bild"-Zeitung. "Warum sollen deutsche Steuerzahler ausländischen Kriminellen die Haftzeit bezahlen?" Die Androhung, in der Heimat hinter Gitter zu kommen, schrecke die Täter zudem weit mehr ab als eine Haftzeit im deutschen Gefängnis.

Die CDU-Spitze fordert verdachtsunabhängige Personenkontrollen, die sogenannte "Schleierfahndung" bei "erheblichen Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung". Das geht aus dem Entwurf für die "Mainzer Erklärung" hervor, die bei der Klausur der CDU am Freitag und Samstag verabschiedet werden soll. Asylberechtigte, Flüchtlinge und Asylbewerber, die zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt werden, sollen demnach ihre "Asylberechtigung" verlieren.

Erste konkrete Konsequenzen zieht die Polizei in Hamburg - auch dort waren nach Silvester vermehrt Übergriffe und Diebstähle angezeigt worden. An diesem Wochenende werde man verstärkt Präsenz rund um die Reeperbahn zeigen und eine mobile Videoüberwachung nutzen, sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten werden nach Angaben von Hamburgs Innensenator Michael Neumann "eine klare Kante fahren".

Hotline für Opfer

Beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) gibt es für Frauen, die in der Silvesternacht Opfer von sexuellen Übergriffen wurden, eine Telefon-Hotline. Unter der Nummer 0221/8096777 sei täglich zwischen 9 und 17 Uhr ein geschulter Ansprechpartner erreichbar, teilte der LVR mit.

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