Der verurteilte Berliner U-Bahn-Treter Svetoslav S. | Bildquelle: dpa

Landgericht Berlin U-Bahn-Treter muss drei Jahre in Haft

Stand: 06.07.2017 16:01 Uhr

Der Fall erregte bundesweit Aufsehen - nun hat das Landgericht Berlin den U-Bahn-Treter Svetoslav S. wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt. Die Richter blieben damit hinter der Forderung der Staatsanwaltschaft zurück.

Im Prozess gegen den U-Bahn-Treter vom Berliner U-Bahnhof Hermannstraße ist der Angeklagte Svetoslav S. zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden. Der 28-Jährige sei der gefährlichen Körperverletzung sowie in einem getrennten Fall der exhibtionistischen Handlung schuldig, erklärte das Gericht.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer drei Jahre und neun Monate Haft gefordert. "Es war ein heimtückischer Angriff", befand die Anklage. Die Verteidigung hatte "eine milde Strafe gefordert, die noch im Bereich der Bewährung liegen sollte". Dies hätte eine Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren auf Bewährung bedeutet.

Vermindert schuldfähig

Zuvor hatte ein Gutachter den Angeklagten als vermindert schuldfähig eingestuft. Bei S. soll demnach eine krankhafte seelische Störung vorliegen. "Die Aussagen des Sachverständigen waren insoweit verständlich, dass man hier von einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit auszugehen hat", befand die Anklage. Allerdings gehe mit der Tat "ganz stark eine Einschränkung des Sicherheitsgefühls der Bevölkerung einher". Die Nebenklage verzichtete auf einen Strafantrag. Der Angeklagte entschuldigte sich zum Abschluss. "Ich weiß nicht, wie so etwas passiert ist", sagte er.

Für eine gefährliche Körperverletzung wäre eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren möglich. Als strafmildernd gelten Geständnis, Reue, eine etwaige Drogenbeeinflussung während der Tat oder psychische Krankheiten.

Der in Bulgarien aufgewachsene Mann hat in der Nacht zum 27. Oktober vergangenen Jahres eine ihm völlig unbekannte Passantin mit einem Tritt mehrere Meter eine Treppe hinunter gestürzt. Die zum Zeitpunkt der Tat 26-jährige Frau brach sich einen Arm und erlitt eine Platzwunde am Kopf. Die zu Fahndungszwecken veröffentlichten Bilder von dem Angriff machten den Fall bundesweit bekannt. Zum Prozessauftakt räumte S. ein, der Mann auf den Überwachungsbildern zu sein. Er könne sich aber nicht an die Tat erinnern.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Juli 2017 um 16:00 Uhr.

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