Schüler in einem Klassenraum | Bildquelle: Ingrid Bertram/WDR

Inoffizielle Bundestagswahl Wählen U 18 - das geht!

Stand: 15.09.2017 16:59 Uhr

Sie wollen sich einmal erwachsen fühlen: Schüler aus ganz Deutschland haben heute probeweise bei einer inoffiziellen Bundestagswahl abgestimmt. Eine Initiative will zeigen: Viele Schüler sind gar nicht so politikverdrossen, wie oft behauptet wird.

Von Ingrid Bertram, WDR

Es ist wie an einem ganz normalen Wahlsonntag: Wahlkabinen, Stimmzettel und viele Helfer verwandeln den Klassenraum in ein Wahlbüro. Fast wie in echt, denn tatsächlich werden am 24. September im selben Raum die Wahlurnen stehen. Heute sind es aber Yvonne-Marie, Antonia und Marc aus der 12. Jahrgangsstufe des Kölner Erich-Kästner-Gymnasiums, die Hand anlegen. Denn sie bereiten für ihre Mitschüler eine kleine Bundestagswahl vor. Und das wirkt sehr echt: Namenslisten aller Schüler werden ausgelegt, an jedem Tisch steht mindestens ein Helfer und sogar die Stimmzettel sehen fast genauso aus wie die echten.  

Jugendthemen fehlen oft in den Programmen

Yvonne-Marie zählt nochmal alle Stapel durch, Stifte liegen bereit, das Schild "Wahlbüro U18" hängt aus. Eigentlich könnte es jetzt losgehen. Yvonne-Marie ist eine der Köpfe aus der Schülervertretung, die diese Wahl initiiert hat. Die Schülerin ärgert es, wenn andere behaupten, dass Jugendliche sich nicht für Politik interessieren. "Viele Parteien haben doch gar keine Jugendthemen in ihren Programmen. Dann ist es doch klar, dass sich keiner der Erstwähler für die Wahl interessiert." Sie möchte auf jeden Fall etwas gegen die sinkende Wahlbeteiligung bei den jungen Wählern tun. "Viele haben auch Angst, mit 18 Wählen zu gehen, oder haben keine Ahnung davon. Und hier haben die Schüler die Möglichkeit, das Ganze auszuprobieren."

Yvonne-Maria, Antonia, Marc und noch viele andere im Raum kennen vielleicht die Wahlprogramme der Parteien besser als manch Wahlberechtigter. Als klar war, dass die Schüler die U18-Wahl an der Schule durchführen werden, haben sie zur Vorbereitung die Wahlprogramme gelesen und eine Podiumsdiskussion für alle Schüler am Gymnasium veranstaltet. Dabei mussten sie selbst in die Rolle der Politiker schlüpfen, auch wenn die nicht ihrer Wunschpartei angehörten.

U18-Testwahl: Jugendliche stimmen über Bundestag ab
15.09.2017

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"Steht Merkel auf dem Stimmzettel?"

Um fünf vor acht stehen die ersten Schüler auf der Matte. Die Schüler der 5. Klasse sind als erstes dran. Es wird wuselig. Kann jeder den Schülerausweis vorzeigen? Keiner darf den anderen in der Wahlkabine stören. "Wo steht Angela Merkel auf dem Stimmzettel?", fragt ein Zehnjähriger. Die Frage ist nicht selten. Aber wonach entscheiden sich die Kinder? Nicht leicht, findet ein Fünftklässler, schließlich wisse er ja nicht, ob die Parteien das auch umsetzen, was sie versprechen. Für ihn sei vor allem der Klimaschutz entscheidend. "Die Flüchtlingspolitik, ich bin gegen Abschiebungen", sagt Emma Blüchel. Die Bildungspolitik interessiert vor allem Lisa Schulz. "Unsere Klos sind verschmiert und Klopapier gibt es auch zu wenig. Das muss man ändern!"

Wahlrecht ab 16 als Ziel

Lisa ist überzeugt davon, dass ein Senken des Wahlalters auf 16 dazu führen könnte, dass die Parteien sich mehr mit Jugendthemen befassen würden. Auch das hat der Bundesjugendring im Sinn, der hinter der Initiative U18-Wahl steckt. Bundesweit konnten an diesem Freitag Jugendliche in rund 1500 Wahlbüros ihre Stimme abgeben. Bei der vergangenen Bundestagswahl waren es laut Veranstalter bereits 200.000 Jungwähler.

Schüler in einem Klassenraum | Bildquelle: Ingrid Bertram/WDR
galerie

Schüler des Erich-Kästner-Gymnasiums bei ihrer "Bundestagswahl" in Köln

Christian Brüninghoff vom Landesjugendring NRW glaubt, dass die Schüler dadurch die Demokratie schätzen lernen: "Das fängt ja nicht erst mit 18 an." Es spricht aus seiner Sicht vieles dafür, die Wahl auch Jüngeren zu ermöglichen. "Es ist einfacher, eine Rentenreform umzusetzen, als einen Schulbusfahrplan schülergerecht zu gestalten. Rentner sind Wähler, Schüler nicht." Jugendliche merkten einfach, so Brüninghoff, dass sie nicht Gehör finden, und damit wendeten sich auch viele von der Politik ab.

Jugendliche wählen anders

Die Wahlergebnisse der vergangenen U18-Wahlen haben gezeigt, dass Kinder und Jugendliche zwar anders wählen als Erwachsene, aber längst nicht so extrem. In der Regel sind CDU und SPD mit guten zweistelligen Ergebnissen vertreten, die Grünen hatten aber 2013 einen doppelt so hohen Anteil wie tatsächlich nach der Bundestagswahl.

In der Erich-Kästner-Schule begannen am Nachmittag die Auszählungen. Am Abend werden die ersten Ergebnisse auf der Internetseite von u18.org veröffentlicht. Für die Schülervertreter im Erich-Kästner-Gymnasium war es schon jetzt ein echter Erfolg und sie hoffen, dass sich auch nach ihrem Abitur bei den nächsten Wahlen Schüler wieder für die U18-Wahl engagieren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. September 2017 um 12:00 Uhr.

Darstellung: