Merkel kritisiert Türkei für Gewalt gegen Demonstranten

Kanzlerin Angela Merkel beim

Proteste in der Türkei

Merkel "erschrocken" über Gewalt

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich kritisch über die Entwicklung in der Türkei geäußert. "Ich bin jedenfalls erschrocken, muss ich ganz ehrlich sagen, wie viele andere Menschen auch", sagte Merkel in einem Interview mit dem Fernsehsender RTL.

Sie wolle der türkischen Regierung keine Ratschläge von außen geben, sagte Merkel. Dennoch betonte sie, dass in einer Türkei, "die ins 21. Jahrhundert geht", auch Menschen mit abweichender Meinung akzeptiert werden müssten.

Die Kanzlerin kritisierte das harte Vorgehen von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gegen die Demonstranten. "Was im Augenblick in der Türkei passiert, das entspricht nicht unseren Vorstellungen von Freiheit der Demonstration und der Freiheit der Meinungsäußerung", sagte Merkel. Erdogan hatte die Demonstranten in dem gewaltsam geräumten Gezi-Park als "Terroristen" beschimpft.

Demonstranten in Istanbul (Bildquelle: dpa)
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Die türkische Polizei geht mit Tränengas gegen Demonstranten vor.

Seehofer sieht Kurs bestätigt

CSU-Chef Horst Seehofer sieht seine ablehnende Haltung gegen einen türkischen EU-Beitritt bestätigt. "Wir sind gegen eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union", sagte Seehofer. Die aktuellen Bilder und Informationen aus Istanbul würden diese Position unterstreichen. Die CSU wehrt sich seit Jahren dagegen, der Türkei eine EU-Vollmitgliedschaft in Aussicht zu stellen.

Die türkische Regierung war in den vergangenen Tagen mit massiver Gewalt gegen Demonstranten in Istanbul und Ankara vorgegangen. Mit Wasserwerfern und Tränengas hatte die Polizei den zentralen Istanbuler Taksim-Platz und den anliegenden Gezi-Park geräumt. 400 Demonstranten waren festgenommen worden, zahlreiche Menschen wurden verletzt.

Roth fordert Unterstützung für Demonstranten

Bereits gestern hatte Grünen-Chefin Claudia Roth im Bericht aus Berlin das harte Vorgehen der Polizei kritisiert und "auf allen Ebenen" der Gesellschaft eine Unterstützung der Demokratie-Bewegung gefordert. Roth hatte sich zum Zeitpunkt der Räumung des Gezi-Parks in Istanbul aufgehalten.

Interview mit Claudia Roth
Bericht aus Berlin , 16.06.2013

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Auswärtiges Amt ruft zur Vorsicht auf

Nach den jüngsten Zusammenstößen ruft das Auswärtige Amt zu besonderer Vorsicht auf. "Reisende werden weiter gebeten, sich von Demonstrationen und Menschenansammlungen fernzuhalten", hieß es in dem aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweis. Es werde "zu besonders umsichtigem Verhalten" aufgerufen.

Stand: 17.06.2013 12:49 Uhr

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