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Sprit aus Raps, Zuckerrohr und Palmöl

Die Mär vom klimafreundlichen Benzin

Auf dem Papier ist E10-Treibstoff klimaschützend. In Deutschland muss dieser neuartige Treibstoff mindestens 35 Prozent weniger Klimagase freisetzen. Die Berechnung davon ist jedoch umstritten. Und langfristig stehen Raps und Zuckerrohr immer in Konkurrenz zum Lebensmittelanbau.

Von Werner Eckert, SWR

Es waren die Autohersteller in der EU, die voll auf "Biosprit" abgefahren sind. Denn sie konnten 2008 scharfe Auflagen für den Spritverbrauch dadurch abmildern, dass sie alternativ eben den scheinbar klima-neutralen Treibstoff einrechneten. Tatsächlich war dessen Ökonutzen aber immer umstritten.

Schon in den 1990er-Jahren hatte das Umweltbundesamt eine Studie vorgelegt, nach der für die Produktion von Biodiesel aus deutschem Raps mehr Energie verbraucht wird, als nachher drin steckt. Vor allem der Mineraldünger und die Treibstoffkosten für die Traktoren schlugen da zu Buche.

Raps- und Palmöl schaden dem Klima

Diese Diskussion ist nie abgerissen und vor zwei Jahren brachte die EU Zahlen des Internationalen Forschungsinstitut für Lebensmittelpolitik IFPRI ins Spiel. Demnach ist Biosprit aus Zuckerrohr- und Rüben oder Mais grundsätzlich vorteilhaft fürs Klima. Das also, was in E10-Sprit meistens drin ist. Der Raps- und Palmöl-Anbau für Biodiesel dagegen richte in jedem Fall mehr Schaden an, als er nütze.

Mann läuft durch Zuckerrohrfeld
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Laut einer IFPRI-Studie ist Sprit aus Zuckerrohr grundsätzlich vorteilhaft...

Ein Baum in einem Muster aus Spuren
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... dagegen richtet Rapsanbau zur Biodiesel-Herstellung mehr Schaden als Nutzen an.

Das Institut hatte erstmals nicht nur die direkten Folgen des Anbaus berechnet, sondern auch gefragt, ob nicht am Ende doch irgendwo Regenwald abgeholzt werden muss, damit Biosprit produziert werden kann. IFPRI spricht sich gegen Förderprogramme für diese Kraftstoffe aus, weil das den Druck auf die Natur und die Nahrungsmittelpreise erhöhe. Diese Haltung hat sich die EU wohl zu eigen gemacht.

Bisher nur "kurzsichtige" Zertifizierung

Auf dem Papier ist E10 auch bisher schon klimaschützend. Das muss in Deutschland sogar nachgewiesen werden. Vom Anbau von Getreide oder Zuckerrüben bis zum Tank wird da durchgerechnet, wo Klimagase anfallen. Am Ende muss der Bio-Anteil im Sprit mindestens 35 Prozent weniger davon freisetzen als Mineralöl.

Aber: Solche Rechnungen sind extrem umstritten. Außerdem ist die Zertifizierung "kurzsichtig". Sie betrachtet nur einen konkreten Acker und berechnet nicht die Folgen, die der Anbau von Biosprit weltweit hat. Mit dieser Vorschrift kann die EU vielleicht verhindern, dass für Zuckerrohr in Brasilien direkt Urwald abgeholzt wird. Doch selbst wenn das Zuckerrohr auf "alten" Äckern angebaut wird, frisst dies Anbauflächen für Nahrungsmittel. Und dann wird der Urwald eben für die Nahrungsmittelproduktion abgebrannt. Das Ergebnis ist das gleiche.

USA übertreffen EU-Ziele

Werden die Pläne der EU-Staaten in Sachen Biosprit umgesetzt, dann braucht man dafür weltweit eine Fläche, die zweimal der Größe Belgiens entspricht. Das hat zumindest das Institute for European Environment Policy in London ausgerechnet. Und die USA haben noch weitreichendere Biosprit-Ziele.

Stand: 11.09.2012 20:37 Uhr

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