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29.05.2012

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Bundesanwaltschaft Zwickau Wohnmobil
Nazi-Terrorzelle offenbar größer als bislang bekannt
Ermittlungen der Bundesanwaltschaft

Nazi-Terrorzelle hatte offenbar mehr Mitglieder

Die rechtsextreme Zwickauer Terrorzelle ist möglicherweise größer als bislang bekannt. Generalbundesanwalt Harald Range bestätigte, dass es zusätzlich zu den beiden bereits in Untersuchungshaft sitzenden Verdächtigen Holger G. und Beate Z. zwei weitere Beschuldigte gibt. Sie sollen das Trio der Zwickauer Terrorzelle unterstützt haben. Weitere Details nannte Range aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Unklar blieb, wer die weiteren Verdächtigen sind.

Harald Range (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Generalbundesanwalt Range äußerte sich nur sehr zurückhaltend zur Ermittlungsarbeit. ]
Die Bundesanwaltschaft ermittelt gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt (BKA) die Hintergründe des Falls. Ein Teilnehmer des Krisengipfels bei Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es liefen Überwachungsmaßnahmen gegen die weiteren Verdächtigen. Als Mitglieder der Zwickauer Zelle gelten die beiden zu Monatsbeginn tot aufgefundenen Uwe B. und Uwe M. sowie die inhaftierte 36-Jährige Beate Z. Sie verweigert bisher jede Aussage. Als mutmaßlicher Helfer war zudem der 37-jährige Holger G. in Niedersachsen festgenommen worden, auch er sitzt in Untersuchungshaft.

Wurde die NSU von einem Netzwerk unterstützt?

Nach Erkenntnissen des BKA hatte die rechtsextreme Gruppe "Thüringer Heimatschutz", aus der der "Nationalsozialistische Untergrund" (NSU) entstanden ist, zeitweise 170 oder 180 Mitglieder. Das sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke am Freitag auf entsprechende Fragen bei der Pressekonferenz nach dem Krisengipfel zur Neonazi-Gewalt in Berlin. "Das kann auf ein Netzwerk hinauslaufen", sagte der BKA-Präsident.

Die beiden toten Männer und Beate Z. sollen hinter der bundesweiten Mordserie an neun Migranten in den Jahren 2000 bis 2006 stehen und 2007 zudem eine Polizistin erschossen haben. Die Zelle steht zudem im Verdacht, 2001 und 2004 zwei Sprengstoffanschläge in Köln mit insgesamt 23 Verletzten verübt zu haben.

Linkspartei: NSU hatte Kontakte ins Erzgebirge

Der sächsische Landesverband der Linkspartei behauptet, dass der NSU gut ins Erzgebirge vernetzt war. Mindestens fünf Personen aus Johanngeorgenstadt hätten der Terrorgruppe angehört oder seien Unterstützer und Mitwisser gewesen, sagte Kerstin Köditz, Sprecherin für antifaschistische Politik der Linksfraktion im sächsischen Landtag. Als Beleg gab sie unter anderem an, dass Beate Z. als eines ihrer Pseudonyme den Namen einer jungen Frau aus Johanngeorgenstadt benutzt habe, die aus derselben rechten Clique komme wie der Vermieter der Zwickauer Wohnung, Matthias D..

Neue Namenslisten gefunden

Das Bundeskriminalamt bestätigte derweil, dass eine neue Liste mit tausenden Namen aufgetaucht ist, die der Neonazi-Gruppe zugerechnet wird. BKA-Präsident Ziercke sagte, es stimme, dass eine Liste mit mehr als 10.000 Anschriften und Namen entdeckt wurde. Das sei aber keine "Todesliste". Alle dort verzeichneten Personen würden informiert mit dem Hinweis, dass es keinen Grund zur Besorgnis gebe. Die Liste stamme aus dem Jahr 2005, erklärte Ziercke weiter. Nach Medienberichten sind Namen und Adressen von Politikern, Kirchen und Vereinen gegen Rechts verzeichnet.

Hintergrund:

Eine Reproduktion aus der Ostthüringer Zeitung aus dem Jahr 1998 zeigt Fahndungsbilder von Beate Z. (v.l.), Uwe B. und Uwe M.. (Foto: dapd)
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Thüringer LKA dementiert Bericht über möglichen Zugriff

Das Thüringer Landeskriminalamt wies Berichte zurück, es habe kurz nach dem Untertauchen der Terrorzelle die konkrete Möglichkeit des Zugriffs gehabt. Nach Informationen des MDR soll für einen Zugriff in Chemnitz ein Einsatzplan des Thüringer Spezialeinsatzkommandos (SEK) vorgelegen haben, nachdem Zielfahnder das Trio in Chemnitz aufgespürt hätten. Kurz bevor die SEK-Beamten in Richtung Sachsen aufbrechen wollten, sei der Einsatz jedoch abgebrochen worden. Auch die Zielfahnder sollen auf Weisung des LKA wieder zurückgeholt worden sein. Das LKA erklärte, dass Zielfahnder 1999 und 2000 zu keinem Zeitpunkt Kenntnis von dem konkreten Aufenthaltsort der Neonazis gehabt hätten. Deshalb sei auch kein SEK-Einsatz für eine Festnahme in Chemnitz geplant gewesen.

Bilder:

Eine Reproduktion aus der Ostthüringer Zeitung aus dem Jahr 1998 zeigt Fahndungsbilder von Beate Z. (v.l.), Uwe B. und Uwe M.. (Foto: dapd)
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Stand: 18.11.2011 20:12 Uhr
 

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