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Die rechtsextremistische Terrorzelle könnte nach Informationen des ARD-Magazins "Fakt" einen weiteren Helfer gehabt haben. Unter dem Namen von Matthias D. aus Johanngeorgenstadt wurden demnach die beiden Zwickauer Wohnungen gemietet, in denen das Terror-Trio lebte. Wie das Magazin vorab berichtete, wurde unter dem Namen des 34-Jährigen die Wohnung in der Polenzstraße, in der Beate Z. von Frühjahr 2001 bis Sommer 2008 unter falschem Namen gelebt haben soll, gemietet. Außerdem sei er nach Angaben des Vermieters auch der alleinige Mieter der Wohnung in der Frühlingsstraße, in der das Trio zuletzt wohnte und die am 4. November durch den von Beate Z. gelegten Brand zerstört wurde.
Laut "Fakt" ging die Miete von einem Konto ab, das auf den Namen von Matthias D. geführt wurde. Ein früherer Mitschüler von ihm habe angegeben, dass Matthias D. schon seit Jahren Neonazi sei.
Gegenüber "stern.de" bestritt Matthias D., etwas mit den mutmaßlichen Rechtsterroristen zu tun zu haben. Ein Hausverwalter sagte zudem, dass er zu 100 Prozent stets mit dem mutmaßlichen Terroristen Uwe B. gesprochen habe. Bei Abschluss des Mietvertrages habe er sich mehrere Nachweise vorlegen lassen, aber keinen Ausweis, fügte der Hausverwalter hinzu.
[Bildunterschrift: Holger G. wird am 14.11. dem Haftrichter vorgeführt. ]
Indes erließ der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe gegen Holger G. einen Haftbefehl wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Die Bundesanwaltschaft hatte ihn ursprünglich der Mitgliedschaft in der Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) beschuldigt.
Laut Bundesanwaltschaft soll er der NSU-Zelle seinen Führerschein und seinen Reisepass überlassen haben. Mit diesen Ausweispapieren seien Wohnmobile für die Gruppierung angemietet worden, darunter auch das Fahrzeug, das bei dem Mordanschlag auf die Heilbronner Polizisten benutzt worden sein soll. G. war am Sonntag in der Nähe von Hannover festgenommen worden.
Die Bundesanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben "intensiv im Umfeld" der NSU-Zelle. Gesucht werden mögliche weitere Unterstützer oder weitere Mitglieder, sagte ein Sprecher. Die Gruppe hatte sich nie zu irgendwelchen Taten bekannt. Ihre Existenz war erst in der vergangenen Woche nach dem Fund von Beweismitteln in der Wohnung des Trios in Zwickau bekannt geworden.
Holger G. sei 1997 von Thüringen nach Niedersachsen gezogen und habe zwischen 1999 und Ende 2004 an rechten Demonstrationen teilgenommen und Kontakt zu Vertretern der rechten Szene gehabt, sagte der Präsident des niedersächsischen Verfassungsschutzes, Hans-Werner Wargel.
Seit 2004 sei er nicht mehr bei den Behörden auffällig geworden. Deshalb sei die Akte des 37-Jährigen nach fünf Jahren vorschriftsgemäß aus den Dateien der Behörden gelöscht worden, so Wargel. G. sei nie mit terroristischen Aktivitäten aufgefallen. Hannovers Polizeipräsident Uwe Binias machte zudem deutlich, dass der mutmaßliche Rechtsextremist von der Polizei nicht als Informant oder V-Mann eingesetzt worden sei.
Völlig vom Radar der Behörden verschwand G. allerdings auch nach 2004 nicht. Nach Angaben der Polizei trat er 2005 in einem Strafverfahren als Zeuge auf, in dem es um einen Angriff von Linksautonomen auf Angehörige der rechten Szene ging. Zudem wurde 2008 wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz gegen G. ermittelt.
Auf das Konto der Neonazi-Gruppe gehen nach bisherigen Erkenntnissen Morde an acht türkischstämmigen Männern und einem Griechen in den Jahren 2000 bis 2006 sowie der Mord an der Heilbronner Polizistin im April 2007. Möglicherweise ist das Zwickauer Trio aber noch für weitere Anschläge verantwortlich. Ungeklärte Fälle werden derzeit von der Bundesanwaltschaft geprüft.
So gebe es "zureichende tatsächliche Anhaltspunkte", so der BGH-Ermittlungsrichter, dass die Zwickauer Zelle auch für einen Sprengstoffanschlag am 9. Juni 2004 in Köln verantwortlich ist. An diesem Tag waren in der von vielen Türken bewohnten Keupstraße in Köln 22 Menschen durch eine Nagelbombe verletzt worden. Zu diesem Anschlag gibt es sehr deutliche Hinweise auf der DVD der NSU-Terrorgruppe, sodass eine Verwicklung der Neonazis wahrscheinlich ist.
Eine Analyse der Bekenner-DVD der Terrorzelle durch das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt habe zudem Hinweise auf einen unaufgeklärten Sprengstoffanschlag in der Kölner Innenstadt im Januar 2001 ergeben, teilte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger mit. Damals war eine 19-jährige Deutsch-Iranerin bei einem Sprengstoffanschlag auf das Kölner Lebensmittelgeschäft ihrer Eltern schwer verletzt worden. Ein rechtsextremistischer Hintergrund wurde seinerzeit nicht ausgeschlossen. Mehr dazu bei wdr.de.
Untersucht wird ebenfalls ein Zusammenhang mit einem Bombenanschlag an der S-Bahn-Station Düsseldorf-Wehrhahn im Jahr 2000. Ein in einer Plastiktüte versteckter Sprengsatz war damals in einer Gruppe jüdischer Aussiedler explodiert, zehn Menschen wurden verletzt. Eine Frau verlor durch das Attentat ihr ungeborenes Kind.
Schließlich prüft das bayerische Landeskriminalamt eine Verbindung zwischen der Terrorserie und dem Messerattentat auf den früheren Passauer Polizeichef Alois Mannichl vor fast drei Jahren. Laut der Aussage des für sein engagiertes Vorgehen gegen die Neonazi-Szene bekannt gewordenen damaligen Polizeichefs soll der Täter vor dem Zustechen "viele Grüße vom nationalen Widerstand" gesagt haben.
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