Der Telekom-Hacker verdeckt sein Gesicht vor dem Kölner Landgericht. | Bildquelle: REUTERS

Urteil in Köln Bewährungsstrafe für Telekom-Hacker

Stand: 28.07.2017 12:59 Uhr

Der Drahtzieher des massiven Telekom-Hacks ist vom Kölner Landgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. 1,25 Millionen Kunden waren im November 2016 von dem Netz-Ausfall betroffen. Der 29-Jährige Täter aus Großbritannien legte ein Geständnis ab.

Mehr als acht Monate nach einem massiven Hackerangriff auf Router der Deutschen Telekom ist der Drahtzieher der Aktion vor dem Kölner Landgericht verurteilt worden. Der 29-jährige Brite Daniel K. erhielt ein Jahr und acht Monate auf Bewährung. Sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft hatten zuvor eine Bewährungsstrafe gefordert.

Der Brite hatte im November 2016 bei 1,25 Millionen Telekom-Kunden einen Netz-Ausfall verursacht. Während des Prozesses hatte er ein umfassendes Geständnis abgelegt. Auf freien Fuß kommt der Hacker aber nicht: Großbritannien hat bereits seine Auslieferung beantragt.

Cyberangriff | Bildquelle: REUTERS
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Die Briten ermitteln gegen Daniel K. wegen weiterer Hacker-Angriffe und Banken-Erpressung.

 

Auftraggeber kam aus Liberia

Daniel K. gab bereits am ersten Prozesstag zu, dass er Router über eine Schwachstelle attackiert hatte. Sein Ziel war es demnach, weltweit möglichst viele Geräte in das Botnetz Mirai zu integrieren. Bei solchen Botnetzen werden internetfähige Geräte zusammengeschaltet, um sie dann beispielsweise zum Verschicken von Spam-Mails zu nutzen und Server lahmzulegen.

Als Auftraggeber der Hackerattacke nannte K. ein liberianisches Telekommunikationsunternehmen, das mit dem Angriff einen liberianischen Konkurrenzprovider treffen wollte. Als Bezahlung für den Cyberangriff sei ein Betrag von monatlich 10.000 US-Dollar (knapp 8600 Euro) vereinbart worden.

Bei den Telekom-Routern hatte der Brite mit seinem Cyberangriff allerdings keinen durchschlagenden Erfolg - das Unternehmen hatte die Schwachstelle in den Routern zuvor bereits geschlossen. Nach Angaben eines Polizeihauptkommissars des Bundeskriminalamts (BKA) im Zeugenstand fiel die Infektion von Computern durch den Angriff in Deutschland im internationalen Vergleich "sehr sehr gering" aus.

Computer-Tastatur im Dunkeln | Bildquelle: picture alliance / Silas Stein/d
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Den Schaden durch den Hackerangriff bezifferte die Telekom auf gut zwei Millionen Euro.

"Der größte Fehler meines Lebens"

Der Hackerangriff sei "der größte Fehler meines Lebens" gewesen, ließ der Verurteilte während der Verhandlung über seinen Anwalt erklären. Die Vorwürfe der Kölner Staatsanwaltschaft entsprächen der Wahrheit, so sehr er dies auch "bereue und bedauere".

Der geständige 29-Jährige machte vor Gericht auch ausführliche Angaben zu seinem Lebenslauf. Sein IT-Wissen habe er sich selbst angeeignet, sagte der gebürtige Londoner, der zuletzt auf Zypern wohnte und zuvor lange Jahre in Israel gelebt hatte: "Ich habe viel gelesen." Auch habe er als Jugendlicher Computerkurse belegt. Einen Hochschulabschluss oder eine Ausbildung als Programmierer habe er aber nicht.

Auf die Spur des Briten kamen die Ermittler durch technische Nachforschungen der Telekom und des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI).

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Juli 2017 um 12:00 Uhr.

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