Vorschlag zu Teilkrankengeld Ein bisschen krank

Stand: 07.12.2015 18:06 Uhr

Krank oder gesund - dazwischen gab es bisher nichts beim Krankengeld für gesetzlich Versicherte. Angesichts hoher Kosten schlagen Experten nun ein Teilkrankengeld vor, aber im Konsens mit den Beschäftigten.

Von Carsten Schabosky, WDR, ARD-Hauptstadtstudio

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für das Krankengeld haben sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt. Um den Ausgabenanstieg zu bremsen, hat ein Sachverständigenrat Gesundheit mehrere Vorschläge vorgelegt.

Die wichtigste Lösungs-Idee: Ein Teilkrankengeld nach dem Motto "Kranke können doch zumindest ein bisschen arbeiten". Das ist eine Arbeitsunfähigkeit quasi in Zwischenschritte, die nicht allen gefallen dürfte. In Deutschland gelte bis jetzt eine "Alles-oder-Nichts-Regelung", aufgeschrieben auf einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Kranker Mann im Bett | Bildquelle: dpa
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Wer sich fit fühlt, stundenweise zu arbeiten, soll künftig nur teilweise krank geschrieben werden.

"Auf diesem gelben Schein gibt es nur 'arbeitsunfähig' und dann ein Datum, in dem festgelegt wird, wie lange Sie arbeitsunfähig sind. Wenn Sie sich aber zum Beispiel den Arm brechen oder Rückenbeschwerden haben und Sie sagen: 'Eigentlich könnte ich noch arbeiten. Acht Stunden halte ich nicht durch, aber vielleicht vier.' Dann gibt es dafür erst nach sechs Wochen eine Wiedereingliederungsmöglichkeit, aber in den ersten sechs Wochen gibt es das nicht", erklärt der Sachverständige Ferdinand M. Gerlach.

Das könnte sich doch ändern, meinen Gerlach und die anderen Ärzte und Gesundheitsökonomen, die im Sachverständigenrat Gesundheit sitzen. Es könnte Teilzeit-Krankschreibungen zum Beispiel in 75-, 50- oder 25-Prozent-Schritten mit entsprechend weniger Arbeitszeit geben, wie zum Beispiel in Schweden.

Im Konsens zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern

Die Kassen könnten so sparen. Aber nicht nur sie allein müssen zahlen, sondern auch der Arbeitgeber in Höhe des entsprechenden Arbeitseinsatzes.

Aber alles müsste im Konsens geschehen, betont der Allgemeinmediziner Gerlach. Viele Beschäftigte wollten nicht so lange draußen bleiben. Auf der anderen Seite wollten aber die Gutachter nicht, "dass da ein Druck aufgebaut wird auf Versicherte, deshalb haben wir auch betont, es soll im Konsens mit den Beschäftigten sein." Eine andere Idee des Gutachterteams ist es, mehr Angebote zu schaffen, damit Arbeitsnehmer erst gar nicht krank werden.

Versichertenkarten der Krankenkassen: Die Beiträge steigen im nächsten Jahr | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Die Krankenkassen wollen ihre Kosten für das Krankengeld kürzen.

Krankengeldausgaben auf Höchststand

CDU-Gesundheitsminister Hermann  Gröhe hatte das Gutachten vor etwa einem Jahr in Auftrag gegeben. Es gebe "wichtige Anstöße" formulierte der Minister nun vage. Man wolle sehen, welche Empfehlungen umgesetzt würden, um Fortschritte für die Lebensqualität der Betroffenen. Es gehe aber auch um die Vermeidung von Fehlzeiten und die dadurch bedingten Leistungsansprüche.

Kosten für Krankengeld

2006 erreichten die Krankengeldausgaben mit 5,7 Milliarden Euro einen Tiefststand, seitdem stiegen sie stetig an. Im vergangenen Jahr lagen die sie bei 10,6 Milliarden Euro und damit auf dem bisherigen Höchststand.

In der kommenden Woche will Gröhe mit seinen Kabinettskollegen über das Gutachten reden. Die Grünen warnen vor neuen Druck auf Arbeitnehmer. Fest steht aber schon jetzt: Arbeitsunfähigkeit soll keine finanziellen Probleme bringen. Bei dem Grundsatz soll es bleiben.

Denn Grund für das Ausgaben-Plus beim Krankengeld sind nicht nur mehr Menschen mit zum Beispiel Rückenleiden oder Depressionen. Auch die Rekordbeschäftigung, mehr Lohn und eine höhere Lebensarbeitszeit trugen zur Entwicklung des Krankengeldes bei.

Experten schlagen Teilkrankengeld vor
C. Schabosky, ARD Berlin
07.12.2015 17:40 Uhr

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