Hanns Joachim Friedrichs und Ulrich Wickert | Bildquelle: picture-alliance / dpa

40 Jahre tagesthemen Jeden Tag die Welt erklären

Stand: 02.01.2018 05:30 Uhr

Es beginnt mit einem Rascheln und einer weißen Uhr auf schwarzem Monitor - die tagesthemen waren geboren. 40 Jahre ist die erste Sendung her - die Welt veränderte sich, Moderatoren prägten die Sendung, das Konzept aber blieb. Ein Rückblick.

Von Burkhard Nagel, ARD-aktuell

Noch fünf Sekunden bis halb elf. Fernseh-Deutschland wartet auf ein hintergründiges Nachrichtenmagazin, das vertiefen möchte, was die tagesschau um 20 Uhr angetextet hat. Es ist der 2. Januar 1978 und im Moment sehen die Zuschauer eine weiße Uhr auf schwarzem Monitor, und sie hören ein deutlich vernehmbares Papierrascheln.

Aber noch ehe sie ins Grübeln kommen, was das Rascheln mit der Uhr zu tun hat, schieben sich Buchstaben zu Fanfarenklängen übereinander und formen das neudeutsche Wort tagesthemen. Kleingeschrieben, modern. Im Studio sitzen zwei winzige Männer vor einer riesigen, schmucklosen Weltkarte. Der rechte der beiden ist der deutschen Fernsehwelt als "Mister Tagesschau" schon seit Jahren vertraut. Karl-Heinz Köpcke.

Best of tagesthemen
Ob mit Taucherbrille aus dem Aquarium oder investigativ bei einem Astrologen: Die tagesthemen haben in den vergangenen vier Jahrzehnten immer wieder überrascht. Dazu kamen Gottschalk, ein Roboter und - natürlich - viel Wetter. Ein Rückblick.

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Links am Tisch grüßt der erste Moderator der tagesthemen zu späterer Stunde, nicht ahnend, das es im Laufe der nächsten vierzig Jahre des öfteren noch später werden wird. Sein Name ist Klaus Stephan. Klaus wer? Er wird nicht der einzige bleiben, der es trotz aller Souveränität und Selbstverständlichkeit nicht in die Reihe der Legenden der Friedrichs und Wickerts und Christiansens schaffen wird.

Das Rascheln auf der weißen Uhr werden die Medien am nächsten Tag Karl-Heinz Köpcke zuordnen. Und sie werden interpretieren, dass es noch vor dem Beginn der erste Protest gegen diese Sendung war. Keine Spätausgabe der tagesschau mehr mit dem alleinigen Chefsprecher, stattdessen für ihn nur noch die zweite Rolle im Studio neben einem Moderator, der obendrein auch noch journalistische Kompetenz vermitteln sollte.

Sich nicht gemein mit einer Sache machen

Die tagesthemen sind ihren Weg gegangen. Das Konzept, an jedem Tag die Welt zu erklären, weil sie sich seit gestern ein bisschen oder fundamental verändert hat, funktionierte. Und es gab ja auch Vorbilder für ein solches Sendungsmodell. Die CBS Evening News zum Beispiel. Dan Rather schickte die Zuschauer 20 Jahre lang mit einem "That's part of our world tonight" ins Bett, bei Hajo Friedrichs hieß das in den tagesthemen: "Das war der Tag. Gute Nacht."

Hanns Joachim Friedrichs und Ulrike Wolf | Bildquelle: imago stock&people
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Hanns Joachim Friedrichs, der erste "Mister Tagesthemen", moderierte die Sendung von 1985 bis 1990. Ulrike Wolf war von 1985 bis 1987 die erste Moderatorin der Tagesthemen nach der Reform.

Apropos Hajo Friedrichs. "Sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten." Das ist sein Satz. Prägend für die tagesthemen, für ARD-aktuell, für den Journalismus bis heute. Friedrichs präsentierte die Sendung erst abwechselnd mit Ulrike Wolf, später mit Sabine Christiansen. Auch 1989. Nach den blutigen Unruhen in Peking schalten die tagesthemen einen deutschen Studenten zum Live-Gespräch. Zwei, drei Antworten, dann steht der junge Mann mitten im Satz auf und verlässt das Studio. Friedrichs meistert die Situation einfühlsam.

Und dann kommt das Ende der DDR. Montagsdemos. Die tagesthemen, moderiert vor einem Schaukasten der Leipziger Oper, ringsherum nur Nebel und kein einziger Mensch. Irgendwann während der Sendung schauen zwei ältere Damen im Bademantel vorbei, die sich fragen, ob sich die tagesthemen einen Scherz erlauben. Tun sie nicht.

Mauerfall, Golfkrieg, 11. September

40 Jahre bieten viele Beispiele. Friedrichs in einem Menschenmeer an der offenen Mauer in Berlin, Sabine Christiansen eine ganze Nacht auf Sendung zu Beginn des Golfkriegs 1991, Ulrich Wickert wird seinen Dienst am 11. September 2001 nie vergessen, Anne Will stundenlang das Warten auf den neuen Papst moderierend, Gabi Bauer, Tom Buhrow, Thomas Roth, Caren Miosga, Ingo Zamperoni - sie alle haben die tagesthemen nicht nur präsentiert, sondern auch geprägt.

Gabi Bauer, Ulrich Wickert und Anne Will | Bildquelle: picture-alliance / dpa/dpaweb
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Gabi Bauer, Ulrich Wickert und Anne Will - sie alle erlebten als Moderatoren historische Momente.

Interviews, Vor-Ort-Moderationen und die Einbeziehung des Studios mit all seinen Möglichkeiten waren und sind wichtige Bestandteile des tagesthemen-Konzepts. Anhand von Grafiken erklären, was Sache ist oder - wenn's passt - auch einmal auf dem Tisch stehend auf den nächsten Beitrag einstimmen.

Die andere Seite der glänzenden Medaille ist die Arbeit der Korrespondenten und Redakteure. Also diejenigen, die mit ihren Teams draußen in der Welt jede Mühe auf sich nehmen und diejenigen, die zu Hause im Mutterhaus in Hamburg Sendungen komponieren oder auch nur unter höchstem Zeitdruck zusammenfügen, um den Zuschauern möglichst einen wirklichen Informationsgewinn zu ermöglichen.

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40 Jahre tagesthemen

Hanns Joachim Friedrichs, Sabine Christiansen, Ulrich Wickert, Anne Will und Caren Miosga: Die tagesthemen wurden immer von ihren Moderatoren geprägt. Aber auch die Studio-Umgebung sorgte für Diskussionen. Bilder aus 40 Jahren.

1. Sendung der ''Tagesthemen'' am 2.1.1978 mit Klaus Stephan und Nachrichtensprecher Karl-Heinz Köpcke.

So fängt es an: Klaus Stephan moderierte am 2. Januar 1978 die erste Tagesthemen-Sendung. | Bildquelle: NDR

Die Welt verständlicher machen

Die Heimatredaktion ist dabei nicht nur für die Aktualität, den Tiefgang und die Schönheit der Sendung verantwortlich, sondern sie trägt auch Obhut für die Unversehrtheit der Reporter, sowohl gesundheitlich als auch politisch. Das ist nicht immer einfach, es erfordert Fingerspitzengefühl und Routine, und die Situationen sind immer wieder neu.

Die 40 Jahre, die die tagesthemen jetzt schon hinter sich haben, helfen da nur bedingt. Der große Dank geht an dieser Stelle an die vielen Hundert, vielleicht Tausend Reporterinnen und Reporter, die versucht haben, das Leben der Menschen, den Fortgang der Politik und das Geschehen aus immer neuen Blickwinkeln zu erzählen.

Ja, Ereignisse sind immer nur Scheibchen einer Gesamtentwicklung. Redaktionen haben ausgewählt, vorsortiert und aufbereitet, um die Welt verständlicher zu machen. Und wer die tagesthemen nur gelegentlich sieht, mag den Eindruck einer Scheibchenwelt empfinden. Aber was ist die Alternative? Wir haben sie nicht. Aber wir sind gerne bereit, weitere 40 Jahre zu suchen.

Solange werden die Korrespondenten und Korrespondentinnen, die Moderatoren und Redakteure, die Grafiker und Techniker, alle anderen zuliefernden Bereiche weiter für das Gelingen dieser tagesthemen arbeiten. Und wir werden das Ergebnis dieser Bemühungen auch weiterhin im Ersten zur gewohnten Zeit und auf allen anderen vorhandenen und künftigen Ausspielwegen zu beliebiger Zeit präsentieren. Die tagesthemen sagen Danke für 40 Jahre Treue und Vertrauen in unsere journalistische Arbeit!

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 21.Dezember 2017 um 23:25 Uhr.

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