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Wegen der Wirtschaftskrise rechnen die Deutschen Tafeln mit einer wachsenden Zahl von Bedürftigen, die auf regelmäßige Lebensmittelspenden angewiesen sind. Die Zahl der Tafel-Kunden sei nach Schätzungen bereits in den vergangenen zwölf Monaten um 100.000 auf mehr als eine Million gestiegen, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutsche Tafel, Gerd Häuser, in Göttingen.
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Angesichts des absehbaren Anstiegs der Arbeitslosigkeit und der Zunahme der Bedürftigen müsse die Politik handeln. "Die Politik muss Lösungen dafür finden, dass Arbeit für jedermann da ist", sagte Häuser im ARD-"Morgenmagazin". "Daseinsfürsorge ist in erster Linie Teil der Politik und nicht der Tafeln."
[Bildunterschrift: Der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber im Video-Chat von tagesschau.de ]
Auch der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber kritisierte im Video-Chat von tagesschau.de den gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema Armut. Eigentlich dürfe es gar nicht so weit kommen, dass Menschen keinen anderen Ausweg sehen, als sich bei den Tafeln in die Schlange zu stellen, sagte Huber. Dass der Zuspruch zu den Tafeln steige und sie deswegen als Erfolgsmodell wahrgenommen werden würde, sei eine der traurigsten Nachrichten überhaupt, sagte Huber.
Ziel müsste es stattdessen sein, in Deutschland zu "gerechter Teilhabe" zu kommen. Alle Menschen müssten in die Situation versetzt werden, ihren Lebensunterhalt alleine zu erwerben. Die Einrichtung der Tafeln zeige, dass dies nicht gelungen sei. Mit der einen Million Menschen, die davon abhängig wären, dürfe man sich nicht begnügen, sagte Huber.
Der Vorsitzende des Bundesverbands Deutsche Tafel Häuser forderte auch deshalb einen Armutsbeauftragten der Bundesregierung.
[Bildunterschrift: Bundesweit engagieren sich etwa 40.000 Menschen ehrenamtlich bei den 848 Tafeln. ]
Der Armutsbeauftragte müsse weitreichende Befugnisse haben, die Aktivitäten der vier für die Armutsbekämpfung zuständigen Bundesministerien koordinieren und als Ansprechpartner für private Organisationen wie die Tafeln oder Wohlfahrtverbände fungieren, erklärte Häuser der Nachrichtenagentur AP. Der Verbandsvorsitzende verlangte zudem die Erhöhung der staatlichen Leistungen für arme oder von Armut bedrohte Menschen. Insbesondere der Regelsatz für Familien mit Kindern müsse bedarfsgerecht ermittelt werden.
Häuser betonte, dass die Bereitschaft des Lebensmittelhandels zu Spenden trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage ungebrochen sei. Allerdings sei die Zahl der Tafel-Kunden, die gegen symbolische Zahlung einer Münze Lebensmittel erhalten, schneller gestiegen als die Menge der gespendeten Lebensmittel. "Die pro Tafel-Kunden ausgegebene Lebensmittelmenge ist daher gesunken", sagte Häuser.
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Die Tafeln wollen nach Aussage des Bundesvorsitzenden die Zusammenarbeit mit Handel und mit Lebensmittelherstellern intensivieren. Die Produktion der Hersteller liege oft um 20 Prozent über der Nachfrage. Wenn sie falsch etikettierte Ware oder Produkte mit beschädigten Verpackungen den Tafeln überließen, könnten sie hohe Kosten für die Entsorgung sparen.
Die Bekämpfung von Hunger sei nicht das vorrangige Ziel der Tafeln, sagte Häuser weiter. Bedürftige sollten vielmehr bei den Ausgaben für Lebensmittel entlastet werden, um ihnen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben weiter zu ermöglich. "Der Hartz-IV-Empfänger kann dem Kind dann einen Kinobesuch oder den Beitrag für den Sportverein bezahlen", sagte der Vorsitzende. Zudem würden die Tafel-Kunden über die Spenden oft qualitativ hochwertige Lebensmittel erhalten, die sie sich ansonsten nicht leisten könnten.
Von Donnerstag bis Samstag veranstalten die Deutschen Tafeln in Göttingen ihr 15. Bundestreffen. Schirmherrin ist Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. Erwartet werden auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, SPD-Chef Franz Müntefering und der Grünen-Politiker Jürgen Trittin. Auf dem Treffen wollen sich Vertreter der Tafeln über praktische Probleme ihrer Arbeit austauschen und sich zudem mit Fragen der Lebensmittellogistik, der Sozialgesetzgebung und des Vereinsrechts befassen.
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