Deutschland nimmt weitere syrische Flüchtlinge auf

Bewohner einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Würzburg.

Innenminister reagieren auf dramatische Lage

Deutschland nimmt mehr Flüchtlinge aus Syrien auf

Deutschland wird in diesem Jahr mindestens 5000 weitere Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien aufnehmen. Wie Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich nach einer Schaltkonferenz mit den Innenministern der Länder sagte, sollen spätestens ab Juni etwa 3000 Flüchtlinge vorübergehend nach Deutschland kommen, weitere 2000 Menschen können im Herbst einreisen. In den vergangenen 14 Monaten habe Deutschland bereits 8000 Asylbewerber aus Syrien aufgenommen, sagte Friedrich.

Bundesinnenminister Friedrich. (Bildquelle: dpa)
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Die Lage in Syrien sei "zunehmend schwierig", sagte Innenminister Friedrich. Jetzt müsse schnell gehandelt werden.

Die Flüchtlinge sollen auf die 16 Bundesländer entsprechend der Ländergröße verteilt werden. Es gehe vor allem um Familien mit Kindern, aber auch um Kinder, die derzeit ohne Eltern in den Lagern lebten. Kriterium für die Aufnahme sei eine "besondere Schutzbedürftigkeit", sagte Friedrich. Darunter würden auch viele Christen fallen, die in Syrien besonders gefährdet seien. Eine Rolle spielen werde auch der Aspekt, ob die Flüchtlinge in Deutschland schon Verwandte hätten.

EU prüft finanzielle Unterstützung

EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström begrüßte die Aufnahme der 5000 Syrer als "bemerkenswertes Beispiel von Solidarität". Sie kündigte an, unverzüglich finanzielle Unterstützung für Deutschland zu prüfen. Sie hoffe, dass andere EU-Mitgliedsstaaten dem Beispiel Deutschlands folgen.

Pro Asyl: Deutsches Engagement unzureichend

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hält die geplante Aufnahme von 5000 weiteren syrischen Flüchtlingen für unzureichend. Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt sagte, die Debatte sei dadurch zwar eröffnet. "Aber es ist nur ein allererster kleiner Schritt und bei weitem nicht ausreichend." Die Nachbarstaaten Syriens müssten täglich 5000 bis 10.000 Flüchtlinge neu unterbringen. Gemessen daran sei das deutsche Engagement über ein Jahr verteilt "äußerst bescheiden".

Abschiebestopp nach Syrien verlängert

Zuvor hatten die Innenminister den Abschiebestopp nach Syrien um sechs Monate bis Ende September verlängert. Anlass für die Verlängerung sei die weiterhin dramatische Lage und die unerträgliche humanitäre Situation für die Bevölkerung, teilte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Niedersachsens Ressortchef Boris Pistorius, mit.

Immer mehr Syrer suchen Asyl in Deutschland

Allein in den ersten beiden Monaten dieses Jahres beantragten nach Angaben des Bundesinnenministeriums etwa 1790 Menschen aus Syrien Asyl in Deutschland. Im gesamten Vorjahr waren es etwa 6200 Anträge. Damit liegt die Bundesrepublik im Februar auf Platz zwei der Länder mit den meisten Asylbewerbern. Im Januar war es sogar Platz eins noch vor Russland, das im Februar die Liste anführt.

Eine syrische Familie in der nordwestlichen Provinz Idlib. (Bildquelle: AFP)
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Eine syrische Familie in einer zerstörten Stadt in der Provinz Idlib. Allein in Syrien sollen bis zu vier Millionen Menschen auf der Flucht sein.

Flüchtlinge aus Syrien in einem Camp im Nachbarland Libanon. (Bildquelle: REUTERS)
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Mehr als eine Million Syrer sind nach UN-Schätzungen ins Ausland geflohen, wie diese Flüchtlinge in einem Camp im Nachbarland Libanon.

Millionen Syrer auf der Flucht

Nach fast zweijährigem Konflikt nimmt das Flüchtlingsdrama in Syrien immer größere Ausmaße an. Im Land selbst sind nach Schätzungen des Roten Halbmonds mittlerweile bis zu vier Millionen Menschen auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg. Nur etwa zwei Millionen Inlands-Flüchtlinge bekämen die Hilfe, die sie benötigten, sagte der Chef des syrischen Roten Halbmondes, Abdul Rahman Attar. Außerdem sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen etwa eine Million Syrer ins Ausland geflohen. Seit Beginn des Volksaufstandes gegen Präsident Baschar al Assad wurden nach UN-Angaben bereits mehr als 70.000 Menschen getötet.

Stand: 20.03.2013 18:20 Uhr

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