60 Jahre Bundeswehr: tornado-Einsatz in Serbien | Bildquelle: picture-alliance / dpa

Deutschland im Kampf gegen den "Islamischen Staat" Sind die Tornados wirklich eine Hilfe?

Stand: 26.11.2015 18:17 Uhr

Mit Aufklärungsflügen und Marine soll sich die Bundeswehr am Kampf gegen den IS beteiligen - das hat Verteidigungsministerin von der Leyen bestätigt. Doch was kann der deutsche Beitrag überhaupt ausrichten? Eine Analyse.

Von Christian Thiels, tagesschau.de

Die Anschläge von Paris hatten auch in Berlin eine dramatische Wirkung. Angesichts von 130 Toten in der Hauptstadt des engen Verbündeten Frankreichs waren sich viele Politiker in der Großen Koalition schnell sicher, dass nun auch Deutschland stärker beim Kampf gegen den sogenannten "Islamischen Staat" gefordert sein würde.

Nachdem die Kanzlerin am Mittwoch mit Präsident François Hollande gesprochen hatte, tagten das Sicherheitskabinett und danach auch die Regierungsfraktionen.  Das Ergebnis: Deutschland bietet vier bis acht Aufklärungsjets des Typs Tornado an. Die Maschinen, die im türkischen Incirlik stationiert werden sollen, sollen im Tiefflug über Syrien fliegen und mit ihren Kameras und Sensoren Luftaufnahmen machen.

Das haben sie bereits von 2007 bis 2010 in Afghanistan getan. Dort allerdings war die Gefahr, dass die Jets von den Taliban abgeschossen werden, überschaubar. Im Falle Syrien ist das Risiko eindeutig höher, denn der "Islamische Staat" verfügt möglicherweise auch über Flugabwehrraketen, die für die tief fliegenden Tornados gefährlich werden könnten.

Deutschland plant Militäreinsatz gegen IS
tagesschau 12:00 Uhr, 27.11.2015, Norbert Carius, ARD Berlin

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Braucht es nicht auch Aufklärer am Boden?

Die sogenannten RECCE-Tornados (von "reconnaissance", zu Deutsch: Aufklärung) sind mit einer Technik ausgestattet, die in Echtzeit Bilder an eine Bodenstation funkt. Damit könnten die Luftschläge zum Beispiel von französischen Jets möglicherweise präziser ihre Ziele erreichen.

Militärexperten jedoch wenden ein, dass nur mit Beobachtern am Boden sichergestellt würde, dass nicht auch Zivilisten getroffen werden. Denn: Diese Beobachter nehmen die Ziele selbst in Augenschein und können sie dann für die Jagdbomber per Laser markieren oder eben die exakten Koordinaten übermitteln.

Ein Recce-Tornado in Masar-i-Sharif / Afghanistan | Bildquelle: dpa
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Ein Recce-Tornado im afghanischen Masar-i-Sharif (Archivbild 2007)

Außerdem ist fraglich, ob eine Handvoll deutscher Aufklärungsmaschinen überhaupt einen großen Einfluss haben kann. Derzeit sind bereits weit über 100 Kampfflugzeuge verschiedenster Länder über Syrien im Einsatz. Der deutsche Beitrag ist also eher symbolischer Natur, aber er spart dem Bündnispartner Frankreich eigene Flüge und damit Personal, Material und letztlich auch Geld.

In der Union gab es auch Überlegungen, zusätzlich Tornados anzubieten, die für die elektronische Kampfführung optimiert sind. Diese Maschinen, die bereits im Kosovo-Krieg im Einsatz waren, können mit ihrer speziellen Technik feindliche Radarstellungen mit Raketen bekämpfen. Doch für die Entsendung dieser Jets habe es keine Mehrheit bei der SPD gegeben, heißt es aus Unionskreisen.

Warum die Deutschen auch die Marine entsenden

Geplant ist neben der Entsendung der Tornado-Aufklärer auch der Einsatz einer Marine-Fregatte der Klasse 124. Das Schiff könnte als Geleitschutz des französischen Flugzeugträgers "Charles de Gaulle" fungieren. Dafür ist es auch besonders gut geeignet. Denn die Fregatten dieses Typs sind optimiert für Luftraumüberwachung und Luftabwehr, ihre Technik ist innerhalb der NATO einzigartig.

Als die Fregatte Hessen 2010 im Mittelmeer Geleitschutz für den US-Träger "Harry S. Truman" fuhr, zeigten sich die Amerikaner nachhaltig beeindruckt von dem deutschen Schiff. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass der IS nun kurzfristig eine Luftwaffe aufstellt, die den französischen Flugzeugträger angreifen könnte und somit den Einsatz der deutschen Fregatte als Schutzschild wirklich erforderlich macht.

Alternativ könnte das deutsche Kriegsschiff mit seinen hochmodernen Radarsystemen auch bei der Koordination von Luftangriffen helfen. Wie bei fast allen internationalen Missionen bietet Deutschland auch im Falle Syrien seine Airbus-Tankflugzeuge an. Diese fliegenden Tankstellen können eigene Kampfflugzeuge, aber auch die von Verbündeten in der Luft betanken. So geschehen zuletzt im Frühjahr 2013 mit französischen Jets, die Luftangriffe in Mali flogen. Der Einsatz, um den Paris damals nachgesucht hatte, steht wohl auch diesmal auf dem Wunschzettel der Franzosen.

Es geht auch ohne UN-Resolution - aber mit wäre besser

Ebenfalls als Zeichen der Solidarität mit Frankreich verkauft die Bundesregierung eine Aufstockung des militärischen Engagements in Mali. Dort sind aktuell gut 200 Soldaten vor allem in einer Trainingsmission eingesetzt. Künftig sollen bis zu 600 Soldaten in das afrikanische Land und dort auch im gefährlicheren Norden vor allem mit Drohnen Aufklärungsaufgaben übernehmen. Über den Einsatz wird allerdings schon seit Monaten nach entsprechenden Bitten der Niederlande und Frankreichs diskutiert. Obwohl also die deutsche Verstärkung in Mali die französischen Truppen dort entlasten könnte, hat sie direkt eher wenig mit den Anschlägen in Paris zu tun.

Schließlich soll auch die Ausbildung für die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Nordirak verstärkt werden. Statt bislang 100 sollen künftig maximal 150 Soldaten dort im Einsatz sein können. Als rechtliche Grundlage reicht nach Ansicht der Unionsfraktionen der Artikel 42, Absatz 7, des EU-Vertrags. Eine UN-Resolution sei nicht erforderlich. Aus politischen Gründen ist aber davon auszugehen, dass Berlin sich dennoch bei den Vereinten Nationen darum bemühen wird. Doch das könnte knapp werden. Denn noch vor Weihnachten soll der Bundestag sich mit dem Mandat für den Syrien-Einsatz der Bundeswehr befassen.

Bundeswehr hilft Frankreich im Kampf gegen den IS
R. Möller, ARD Berlin
26.11.2015 20:05 Uhr

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