Bunte Tabletten und Pillen auf einem Löffel

Suchtbericht Weniger Kippen - aber mehr Tabletten

Stand: 11.04.2017 15:48 Uhr

Die gute Nachricht: Die Deutschen rauchen immer weniger. Die schlechte: Fast zwei Millionen Menschen im Land sind von Medikamenten abhängig. Betroffen ist vor allem eine Altersgruppe.

Von Volker Schaffranke, ARD-Hauptstadtstudio

Dass die Deutschen immer weniger rauchen, ist die einzig gute Nachricht im neuen Jahresbericht der Hauptstelle für Suchtfragen. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene haben keine Lust mehr auf eine Kippe. Zumindest wenn es um die klassische Zigarette geht.

Anders sehe es bei der E-Zigarette aus, sagt Martina Pötschke-Langer vom Aktionsbündnis Nichtrauchen: "Für Deutschland ist festzuhalten, dass das Probierverhalten bei E-Zigaretten und E-Shishas bei Kindern und Jugendlichen außerordentlich hoch ist - nämlich bei 25 Prozent", sagt sie.

Ein Mann zieht an einer E-Zigarette
galerie

E-Zigaretten sind eher Zusatz als Ersatz für herkömmliche Zigaretten.

Die E-Zigarette ist derzeit sehr beliebt und gehört für viele zum Life-Style. Doch von einem Trend wollen die Experten noch nicht sprechen. Unter den Rauchern greifen gerade einmal drei Prozent darauf zurück. Unter den Ex-Rauchern finden sich auch nur wenige, die quasi über den Umweg der E-Zigarette mit dem Rauchen komplett aufgehört haben. Es finde selten ein kompletter Umstieg statt, sagt Pötschke-Langer.

Bei jedem Zug atmet man eine Chemiekeule

Wissenschafltich noch nicht ganz erforscht ist, ob die E-Zigarette weniger gesundheitsschädlich ist als der Klassiker aus der Packung. Denn letztlich dringt bei jedem Zug eine kräftige Chemiekeule in die Lunge. Mit welchen Folgen, ist noch relativ unbekannt. Und süchtig bleibe man so oder so, meint Pötschke-Langer: Dauerhaft Verbrennungsprodukte zu rauchen schädige - besonders zusammen mit Aerosolen. "Dann haben sie kaum einen gesundheitlichen Gewinn für die Konsumenten zu erwarten."

Medikamentenabhängigkeit gestiegen laut Suchtbericht 2017
tagesschau 20:00 Uhr, 11.04.2017, Iris Marx, ARD Berlin

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Ein Problem, das bei Suchtfragen immer wieder untergeht, ist die weit verbreitete Medikamentenabhängigkeit. Schätzungen zufolge sind fast zwei Millionen Menschen hierzulande davon betroffen, stellt Gerd Glaeske, Pharmakologe an der Uni Bremen, fest: "Die Arzneimittelabhängigkeit ist die zweithäufigste Abhängigkeit überhaupt in Deutschland. Nach Nikotin, aber noch vor Alkohol."

Problemgruppe Seniorinnen

Viele der über 65-Jährigen nehmen regelmäßig Schlaf- und Beruhigungsmittel ein: "Medikamentenabhängig ist im wahrsten Sinne des Wortes weiblich. Besonders Frauen höheren Alters sind davon betroffen." Glaeske fordert, dass Ärzte Beruhigungs- und Schlafmittel nicht mehr auf Privatrezept ausstellen dürfen. Außerdem müsse die Werbung für rezeptfreie Arzneimittel mit Missbrauchs-Potenzial untersagt werden.

"Weniger Kippe, mehr Pille": Das Jahrbuch Sucht 2017
V. Schaffranke, ARD Berlin
11.04.2017 14:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. April 2017 um 16:00 Uhr.

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