Polizist auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche | Bildquelle: AFP

Neue Ermittlungsansätze Wo ist der Attentäter von Berlin?

Stand: 21.12.2016 08:31 Uhr

Auf der Suche nach dem Attentäter von Berlin zeigt sich die Polizei zuversichtlich. Schon bald könnte ein neuer Tatverdächtiger festgenommen werden, hieß es. Neben Zeugenaussagen werten die Ermittler auch DNA-Spuren, Fingerabdrücke und GPS-Daten vom Tatabend aus.

Wo ist der Attentäter von Berlin? Hatte er oder sie Komplizen? Welche Gefahr geht von dem oder den Tätern aus? Nach der Freilassung eines zunächst verdächtigten Pakistaners gestern Abend steht die Polizei wieder am Anfang ihrer Ermittlungen. Es sei möglich, dass der Täter, der als gefährlich eingestuft werde, noch im Raum Berlin unterwegs sei, sagte Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt. Die Polizei zeigt sich zuversichtlich, den oder die Täter bald zu schnappen: "Ich bin relativ zuversichtlich, dass wir vielleicht schon morgen oder in naher Zukunft einen neuen Tatverdächtigen präsentieren können", sagte der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, André Schulz, in der Sendung "Maybrit Illner Spezial". Vieles könne derzeit nicht verraten werden, aber es gebe "gute Hinweise" und "sehr viele Ansatzpunkte".

Die Berliner Polizei hat nach eigenen Angaben mehr als 500 Hinweise zu dem Anschlag erhalten. Neben Zeugenaussagen werten die Ermittler Schulz zufolge DNA-Spuren und Fingerabdrücke aus. Mit GPS-Daten vom Tatabend werde nach dem Handy des Täters gesucht. Auf dieser Basis könne ein Bewegungsbild erstellt werden. "Wir haben viele Möglichkeiten, um die Person auch zu finden", sagte Schulz.

Polizei sucht mit Hochdruck nach dem Attentäter
tagesschau 09:00 Uhr, 21.12.2016, Iris Marx, RBB

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Steckt tatsächlich der IS dahinter?

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière versicherte, die Ermittler tappten nicht im Dunkeln. Es gebe Ermittlungsansätze, die würden verfolgt. "Und niemand wird ruhen, bis nicht der Täter oder die Täter gefasst sind", sagte er in der ARD.

Auch die Hintergründe des Angriffs und der genaue Tatablauf beschäftigen die Sicherheitsbehörden weiter. Zwar reklamierte die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) den Angriff auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche für sich. Allerdings steht bislang nicht fest, ob wirklich eine so weit verzweigte Organisation hinter dem Anschlag steht oder der Täter auf eigene Faust handelte. Der IS hatte über sein Sprachrohr Amak verbreitet, der Angriff sei eine Reaktion auf Aufrufe gewesen, die Bürger von Staaten der Anti-Terror-Koalition anzugreifen. Sollte sich bestätigen, dass der IS hinter der Tat steht, wäre es der erste islamistische Anschlag mit einer Vielzahl von Todesopfern in Deutschland.

Berlin Breitscheidplatz | Bildquelle: dpa
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Tatort am Breitscheidplatz: Wer hat den Lastwagen in die Menschenmenge gesteuert?

Was genau geschah am Tatabend?

Eine weitere Frage, der die Ermittler nachgehen, bezieht sich auf den polnischen Beifahrer, der nach dem Attentat tot im Führerhaus gefunden wurde. Der Mann war Fahrer für ein polnisches Transportunternehmen, der Lastwagen war sein Arbeitsfahrzeug. Inzwischen steht fest: Der Pole wurde erschossen, von der Tatwaffe fehlt bislang jede Spur. Nach Angaben seines Chefs wurde er auch mit einem Messer malträtiert. Was hat sich zwischen der mutmaßlichen Entführung des Lastwagens gegen 16 Uhr und der Fahrt auf den Weihnachtsmarkt gegen 20 Uhr zugetragen? Nach "Bild"-Informationen soll der Beifahrer zum Zeitpunkt des Anschlags noch gelebt haben. Das Blatt beruft sich auf den Obduktionsbericht. Erschossen worden sei der Mann erst, als der Lkw zum Stehen kam. Dafür sprächen auch Zeugenaussagen vom Tatabend, die einen Schuss gehört haben wollen.

Am Montagabend war der vermutlich entführte Lastwagen in den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz im Herzen Berlins gerast. Einschließlich des Polen starben zwölf Menschen, rund 50 wurden teils lebensgefährlich verletzt. Laut de Maizière konnten - neben dem Polen - bislang erst sechs Tote identifiziert werden. Bei ihnen handelt es sich um deutsche Staatsbürger.

Die Fakten - die Fragen

Die Fakten
* Am Montagabend gegen 20 Uhr rast ein Sattelschlepper auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin.
* Zwölf Menschen sterben, 49 werden teils lebensgefährlich verletzt. Die Bundesregierung spricht seit Dienstag von einem Terroranschlag, der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" reklamiert die Tat für sich.
* Auf dem Beifahrersitz des Lkw wird ein Toter entdeckt. Es ist der ursprüngliche Fahrer aus Polen. Er wurde erschossen.
* Der Lkw gehört einer polnischen Spedition mit Sitz in Gryfino bei Stettin.
* Nach der Tat wird in der Nähe der Berliner Siegessäule ein Mann festgenommen. Da kein dringender Tatverdacht besteht, wird er wieder freigelassen.
* Am Mittwoch wird bekannt, dass die Polizei bundesweit nach einem Tunesier fahndet. Dessen Ausweispapiere sollen im Fußraum des Lkw gefunden worden sein. Der Mann hat laut ARD-Recherchen Verbindungen zu Salafisten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.
Die Fragen
* Die Identität des Fahrers: Wer fuhr den Lkw und flüchtete dann vom Tatort?
* Die Anzahl der Täter: Waren mehrere Menschen an dem Attentat beteiligt?
* Wo wurde der Lkw gestohlen?
* Die Stunden vor der Tat: Wurde der Lkw, wie der Spediteur unter Verweis auf GPS-Daten sagt, am Nachmittag mehrmals gestartet?

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 20. Dezember 2016 um 23:30 Uhr.

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