Gewehre vom Typ G36 von Heckler&Koch stehen im Juni 2014 beim Abschiedsappell der 10. Panzerdivision in Sigmaringen vor den Soldaten.

Sturmgewehr der Bundeswehr "Das G36 hat ein Präzisionsproblem"

Stand: 30.03.2015 13:59 Uhr

Seit Monaten untersuchen Experten von Bundeswehr, Rechnungshof und Fraunhofer-Institut das Sturmgewehr G36 wegen seiner Schießmängel. Erste Ergebnisse zeigen nun: Es liegt tatsächlich am Gewehr und nicht an der Munition.

Nach monatelanger Untersuchung hat die Bundeswehr massive Probleme bei der Treffsicherheit ihres Standardgewehrs G36 festgestellt. "Das G36 hat offenbar ein Präzisionsproblem bei hohen Temperaturen, aber auch im heißgeschossenen Zustand", erklärte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Nach einem Schreiben von Generalinspekteur Volker Wieker an die Kommandeure der Bundeswehr soll das Gewehr in den Einsätzen nun nur noch eingeschränkt genutzt werden. Den Bewertungen zufolge seien die Präzisionseinschränkungen beim G36 signifikant größer als bei den untersuchten Vergleichswaffen, teilte Wieker den Soldaten mit. Das G36 sei damit eindeutig Teil des Problems - und nicht nur die Munition oder sonstige Faktoren. Die Mängel seien mit allen untersuchten Munitionsarten und -lieferungen festgestellt worden.

Beschaffung schon gestoppt

Ursula von der Leyen
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Will nach Abschlussbericht Konsequenzen ziehen: Ursula von der Leyen

In den kommenden Tagen werde Wieker eine Weisung erlassen, wie die Truppe die Waffe weiternutzen könne und auf welchen Ausrüstungsmix die Soldaten achten sollten. Sobald der Abschlussbericht der Experten vorliege, werde das Ministerium weitere Konsequenzen ziehen. "Das schließt auch die Frage ein, ob und inwieweit die Truppe auf mittlere Sicht mit einem anderen Sturmgewehr ausgerüstet werden muss", so von der Leyen. Es sei gut, dass nun viele Fakten auf dem Tisch lägen. "Gut ist aus heutiger Sicht auch, dass im engen Einvernehmen mit dem Parlament bereits im Sommer 2014 alle weiteren G36-Beschaffungen gestoppt wurden", fügte die CDU-Politikerin hinzu.

In den vergangenen Jahren hatte es mehrere Berichte über die mangelnde Treffsicherheit des G36 gegeben. Daraufhin hatte von der Leyen im Frühsommer 2014 eine Expertenkommission mit Vertretern der Bundeswehr, des Bundesrechnungshofs und des Fraunhofer-Instituts eingesetzt, um Klarheit zu schaffen. Der Abschlussbericht steht zwar noch aus. Die bisher vorliegenden Bewertungen wiesen aber "in eine eindeutige Richtung", erklärte von der Leyen.

Mehrere Tausend Gewehre an kurdische Peschmerga

Die Bundeswehr hatte seit 1996 vom Hersteller Heckler & Koch 176.000 G36 gekauft, nutzt aber nicht mehr alle selbst. Zuletzt wurden mehrere Tausend G36 an die kurdischen Peschmerga-Streitkräfte im Irak für ihren Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" verschenkt.

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