Ein Polizist in Flensburg vor einer ausgebrannten Asylbewerberunterkunft. Die Polizei ging nach dem Feuer im Oktober von einem Brandanschlag aus | Bildquelle: dpa

Straftaten gegen Flüchtlinge steigen stark Mehr Hass, mehr rechte Kriminalität

Stand: 15.12.2015 09:42 Uhr

Die Zahl der Straftaten in Zusammenhang mit Flüchtlingen ist rasant gewachsen: Im laufenden Jahr gab es bis November mehr als 1600 rechtsmotivierte Delikte, die im Zusammenhang mit der Unterbringung von Asylbewerbern stehen - doppelt so viele wie noch 2014.

Brandstiftung in Notunterkünften, eingeworfene Scheiben, ausländerfeindliche Schmierereien: Die Liste der Straftaten in Zusammenhang mit Flüchtlingen in Deutschland ist lang. Und die Taten geschehen öfter: Im laufenden Jahr wurden bis Mitte November 1610 überwiegend rechtsmotivierte Delikte gezählt, die im Zusammenhang mit der "Unterbringung von Asylbewerbern" stehen. Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zum Vergleich: 2014 wurden noch 895 Delikte dieser Art gezählt, 2012 waren es 62 Delikte und 2013 bereits 399.

Auch Hetze im Netz fällt darunter

Es handelt sich dabei um alle politisch motivierten Straftaten rund um die Flüchtlingsunterbringung - also auch Hetze im Netz, Sachbeschädigungen oder Körperverletzungen bei Demonstrationen oder anderen Aktionen außerhalb von Asylunterkünften. Die Aggressionen richten sich dabei nicht immer gegen Asylbewerber selbst: Auch Attacken auf Politiker oder andere Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren, können darunter fallen.

Brand einer geplanten Notunterkunft für Flüchtlinge in Boizenburg/Elbe (Mecklenburg-Vorpommern) | Bildquelle: dpa
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Brand einer geplanten Notunterkunft für Flüchtlinge in Boizenburg/Elbe (Mecklenburg-Vorpommern)

Schmierereien, Sachbeschädigungen, Brandstiftung

Weiter gefasst ist in der Statistik die übergeordnete Kategorie "Ausländer-/Asylthematik": Hier erfasst die Polizei alle Straftaten, die im Zusammenhang mit der Flüchtlingsdebatte oder anderem Fremdenhass stehen. Im laufenden Jahr bis Mitte November wurden hier 3625 - ebenfalls zum Großteil rechtsmotivierte - Delikte erfasst. Das waren ebenso etwa doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Bis zum 7. Dezember verzeichneten die Ermittler allein 817 Angriffe auf Asylunterkünfte - etwa vier Mal so viel wie 2014. Bei diesen Übergriffen handelt es sich überwiegend um Schmierereien, Sachbeschädigungen oder Propagandadelikte, aber auch um eine wachsende Zahl an Brandstiftungen und Körperverletzungen.

Erfassung erst seit 2014

Die Behörden hatten erst Anfang 2014 begonnen, Übergriffe gegen Asylunterkünfte gesondert zu erfassen. Die Bundesregierung möchte nun - möglichst ab 1. Januar 2016 - weitere Bereiche extra auflisten: nämlich Übergriffe gegen Asylbewerber, politisch motivierte Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und Übergriffe gegen Hilfsorganisationen und freiwillige Helfer, die sich für Flüchtlinge engagieren. Das kündigte das Bundesinnenministerium in der Antwort auf die Grünen-Anfrage an.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Dezember 2015 um 12:00 Uhr.

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