AKW Fessenheim  | Bildquelle: AFP

Zwischenfall im AKW Fessenheim 2014 Grüne fordern EU-Atom-Gipfel

Stand: 05.03.2016 17:35 Uhr

Nach Bekanntwerden eines Störfalls im Atomkraftwerk Fessenheim vor zwei Jahren werden nun erste Forderungen laut. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Dreyer will, dass die grenznahen AKW sofort abgeschaltet werden. Grünen-Chefin Peter fordert einen EU-Atom-Gipfel.

Grünen-Chefin Simone Peter hat Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefordert, sich auf EU-Ebene für eine Abschaltung aller alten Atomkraftwerke in Grenznähe einzusetzen. In einem offenen Brief an die Kanzlerin erklärte Peter, "die wachsende Gefährdung großer Teile der Bevölkerung durch überalterte, störanfällige Atomkraftwerke wie Fessenheim, Cattenom, Tihange, Doel, Beznau oder Temelin" erfülle die Grünen "mit großer Sorge". Es müsse einen EU-Atomgipfel geben, der die atomaren Risiken neu bewerte.

Offenbar hätten "weder die Betreiber noch die nationalen Atomaufsichten in den benachbarten Ländern aus dem Atomunfall von Fukushima und den Ergebnissen des darauffolgenden Stresstests die notwendigen Konsequenzen gezogen", kritisierte Peter in dem Brief. Anrainerstaaten müssten in Zukunft Mitspracherechte bei allen sicherheitsrelevanten Entscheidungen erhalten.

Dreyer schreibt Brief an Francois Hollande

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) forderte den franzöischen Präsidenten Francois Hollande ebenfalls in einem Brief dazu auf, die grenznahen Atomkraftwerke Fessenheim und Cattenom sofort abzuschalten. Solange keine umfassende Untersuchung und Aufklärung des gravierenden Vorfalls vorgenommen worden sei und solange keine ausreichende Sicherheit für die Bevölkerung rund um die Atomkraftwerke garantiert werden könne, "bitten wir Sie eindringlich, als Sofortmaßnahme die Atomkraftwerke Fessenheim und Cattenom abzuschalten", heißt es in dem Brief, den Dreyer zusammen mit der rheinland-pfälzischen Energieministerin Eveline Lemke (Grüne) verfasst hat.

Dreyer und Lemke zeigten sich "zutiefst" beunruhigt über das "Eindringen von Wasser auf mehreren Ebenen" und den "Ausfall von sicherheitsrelevanten Steuersystemen" in Fessenheim. Eine "Hochrisikotechnologie" wie die Atomkraft erfordere eine "transparente Sicherheitskultur". Allem Anschein nach habe "der Betreiber die Gefahren verschleiert", kritisierte Dreyer.

Französische Atomaufsicht weist Vorwürfe zurück

Die "Süddeutsche Zeitung" und der WDR hatten gestern berichtet, eine Panne in dem umstrittenen elsässischen AKW Fessenheim sei wesentlich dramatischer verlaufen als bislang bekannt. Demnach waren am 9. April 2014 nach einer Überflutung wegen eines Lecks in Block 1 die Steuerstäbe zum Abschalten des Reaktors nicht mehr manövrierfähig. Der Block wurde laut "SZ" erst durch Einleitung von Bor (ein Halbmetall) ins Kühlsystem abgeschaltet - ein äußert seltenes Vorgehen. Der Betreiber des AKW, der staatliche französische Stromkonzern EDF, hatte zwar von dem Leck berichtet, jedoch keine Einzelheiten genannt.

Die französische Atomaufsicht ASN hat die Vorwürfe zurückgewiesen, die Dimension des Zwischenfalls heruntergespielt zu haben.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 05. März 2016 um 01:00 Uhr.

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