Atomkraftwerk Fessenheim | Bildquelle: dpa

Zwischenfall im AKW Fessenheim 2014 Atomaufsicht weist Vorwürfe zurück

Stand: 05.03.2016 12:02 Uhr

Ungewöhnlich, aber kein Notfall-Verfahren - so beschreibt die französische Atomaufsicht die Maßnahmen zur Abschaltung des AKW Fessenheim bei einem Zwischenfall im April 2014. Sie widersprach einem Bericht des WDR und der "Süddeutschen Zeitung".

Die französische Atomaufsicht ASN hat Vorwürfe zurückgewiesen, die Dimension eines Zwischenfalls im Atomkraftwerk Fessenheim vom April 2014 heruntergespielt zu haben. Weil infolge eines Wassereinbruchs in Schaltschränken ein ordnungsgemäßes Herunterfahren des Reaktors scheiterte, hatte der Betreiber eine ungewöhnliche Maßnahme ergriffen und Bor (ein Halbmetall) in den Reaktorbehälter gegeben. WDR und "Süddeutsche Zeitung" hatten über bislang unbekannte Details des Zwischenfalls und die Versuche berichtet, die Öffentlichkeit über das Ausmaß im Unklaren zu lassen.

Jürgen Döschner, WDR, zum Störfall im AKW Fessenheim
tagesschau24 12:15 Uhr, 04.03.2016

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Atomaufsicht: "Keine Notfall-Prozedur"

"Das Verfahren ist atypisch", räumte die Regionalchefin der ASN Straßburg, Sophie Letournel, gegenüber der französischen Regionalzeitung "Dernières Nouvelles d'Alsace" ein. "Aber das ist keine Notfall-Prozedur. Der Betreiber ist zu jedem Zeitpunkt im Rahmen der normalen Verfahren geblieben, um die Situation zu managen, die im Übrigen kontrollierbar geblieben ist", betonte sie. Eine Notabschaltung wäre demnach immer noch möglich gewesen.

Die französische Zeitung wies zudem darauf hin, dass die Information über den Einsatz von Bor auf der Webseite der ASN zu finden gewesen sei: Zwar wurde dieser in der ersten Mitteilung zu dem Vorfall im April 2014 nicht erwähnt. Sie ist aber in einem ebenfalls veröffentlichten Brief an den Direktor des Kernkraftwerks über die nach dem Störfall angesetzte Inspektion vermerkt.

Nach den Recherchen von WDR und "SZ" hatten sowohl die Atomaufsichtsbehörde ASN als auch die Betreiberfirma EDF die ganze Dramatik der Ereignisse vom 9. April 2014 der Öffentlichkeit seinerzeit vorenthalten. Der Ausfall der Steuerstäbe und die so genannte "Notborierung" wurden demnach nicht einmal der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien mitgeteilt.

Das Bundesumweltministerium hatte gestern erklärt, dass seinen Informationen zufolge die Steuerung der Anlage am 9. April 2014 durch einen Wasserschaden beeinträchtigt gewesen sei. Ein Experte des Ministeriums sagte, es habe einen Wasserschaden im Bereich der Schaltschränke gegeben. Eine "stufenweise Nachjustierung der Stellung der Steuerstäbe" sei daher nicht mehr möglich gewesen. Er betonte aber ebenfalls: "Die Notfall-Abschaltung war nicht behindert."

Vertuschte Probleme im AKW Fessenheim 2014
nachtmagazin 00:58 Uhr, 05.03.2016, Ingrid Bertram, WDR

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Hendricks fordert Abschaltung des AKW Fessenheim

Dennoch hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks die Berichte über das Ausmaß des Zwischenfalls zum Anlass genommen, ihre Forderung nach einer Abschaltung des Atomkraftwerks Fessenheim zu erneuern. ASN-Regionalchefin Letournel hatte bereits gestern der Nachrichtenagentur AFP gesagt, mit Blick auf die Nuklearsicherheit gebe es keinen Grund, Fessenheim zu schließen.

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