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Für Steuerbetrüger, die ihr Geld in der Schweiz versteckt haben, kommt es nun ganz dicke: Mitten in die Spekulationen um den möglichen Erlös der Nordrhein-Westfalen angebotenen CD mit Daten mutmaßlicher deutscher Steuerbetrüger, platzte die Nachricht von einer zweiten Daten-CD. Baden-Württemberg wurden ebenfalls Daten potenzieller Steuerbetrüger zum Kauf angeboten. Und wieder handelt es sich um Kunden verschiedener Schweizer Banken und Versicherungen. Betroffen sind laut Stuttgarter Finanzministerium Steuerpflichtige aus dem gesamten Bundesgebiet.
[Bildunterschrift: Landesfinanzminister Stächele befürwortet den Kauf der Baden-Württemberg angebotenen Datensätze. ]
Für Finanzminister Willi Stächele ist der Fall nach Prüfung von Stichproben klar: Er will auf das Angebot eingehen und die Steuerbetrüger-Daten kaufen. Während er offenbar schon mit dem Informanten über den Preis verhandelt, stellt sich der Koalitionspartner FDP quer: Der stellvertretende Ministerpräsident und Justizminister, Ulrich Goll, will von einem Kauf nichts wissen. "Wenn die Baden-Württemberg angebotene CD aus illegaler Quelle stammt, kommt ein Ankauf nicht in Frage. Für solche Dateien darf kein Steuergeld fließen", sagte er der "Bild am Sonntag".
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Auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger warnte vor dem Kauf illegaler Steuer-Dateien. Die Pflicht des Staates zur Verfolgung von Straftaten beziehe sich nicht allein auf die Verfolgung der Steuerhinterziehung, sondern ebenso auf die Ahndung des Datendiebstahls. "Der Handel mit gestohlenen Daten darf durch den Ankauf des Staates nicht angeheizt werden", warnte die FDP-Politikerin in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Staat dürfe sich nicht in die Abhängigkeit zwielichtiger Datenlieferanten begeben.
In Nordrhein-Westfalen ist man derweil schon weiter: Medienberichten zufolge soll der Ankauf der Steuer-CD mit rund 1500 deutschen Kunden-Daten einer Schweizer Bank bereits an diesem Wochenende in Frankreich über die Bühne gehen. Laut "Focus" sind vier Steuerfahnder aus Wuppertal auf dem Weg ins Nachbarland, um sich mit dem Anbieter zu treffen. Der geheime Informant bestehe auf einer Übergabe in Frankreich, weil ihm in Deutschland Festnahme und Beschlagnahmung der Daten-CD drohten, will das Magazin wissen.
Die französische Justiz bot unterdessen Deutschland Zugriff auf die ihr vorliegenden Steuersünder-Daten der HSBC Privatbank in Genf an. Staatsanwalt Eric de Montgolfier aus Nizza sagte dem "Focus", unter den Bankkunden seien auch viele aus der Bundesrepublik. Montgolfier hatte von dem nach Frankreich geflohenen HSBC-Informatiker Hervé Falciani Daten von 130 000 Kunden erhalten.
[Bildunterschrift: Finanzminister Schäuble sieht das Bankgeheimnis in seiner Schweizer Ausprägung "am Ende". ]
Eine viel grundsätzlichere Diskussion schob derweil Bundesfinanzminister Wolfgang Schäube an: "Das Bankgeheimnis ist am Ende, es hat sich überlebt", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Es dürfe im 21. Jahrhundert kein Instrument mehr sein, das von Staats wegen Steuerhinterziehung ermögliche. Es dürfe nicht mehr die Situation entstehen, dass die Bundesregierung Daten-Material aus der Schweiz kaufen müsse, betonte er.
Da Schäuble an dieser Situation aber vermutlich so schnell nichts ändern kann, riet er Steuerhinterziehern in Deutschland zur Selbstanzeige. Und von dieser Möglichkeit machen offenbar immer mehr Bundesbürger Gebrauch. Übereinstimmenden Berichten zufolge gingen bei den Finanzämtern in dieser Woche mehr als 50 Selbstanzeigen ein, 21 davon davon allein in Hessen. Eine spektakuläre Selbstanzeige soll es in Berlin gegeben haben: Ein Steuerflüchtiger aus Berlin habe den Finanzbehörden sein Geheimkonto in der Schweiz gestanden und die umgehende Begleichung seiner Steuerschuld in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro vereinbart, berichtet der "Focus".
Im Fall der dem Land Nordrhein-Westfalen angebotenen Daten-CD wird weiter über die Höhe des möglichen Erlöses spekuliert. Zunächst war von 100 Millionen Euro die Rede, inzwischen geht es um das bis zu Vierfache. Das Bundesfinanzministerium mag sich aber offiziell an den Spekulationen nicht beteiligen: "Es gibt von unserer Seite keine Quantifizierung der möglichen Steuermehreinnahmen", sagte eine Sprecherin. "Das ist nicht seriös möglich." Die in Medienberichten genannte Summe von 400 Millionen Euro stamme nicht aus dem Bundesfinanzministerium.
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