Mehr als 9000 Selbstanzeigen Steuerbetrüger suchen Ablass

Stand: 18.07.2013 12:21 Uhr

Im ersten Halbjahr 2013 haben sich in Deutschland so viele mutmaßliche Steuerhinterzieher selbst angezeigt wie noch nie zuvor. Nach einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gingen bei den Finanzbehörden bis Ende Juni bundesweit mehr als 9000 Anzeigen ein. Im gesamten Vorjahr waren es etwa 11.800 Fälle. Bei einer Selbstanzeige besteht die Möglichkeit, straffrei auszugehen. Allerdings müssen die Steuerbetrüger dafür komplett reinen Tisch machen.

Uli Hoeneß (Bildquelle: picture alliance / dpa)
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Prominenter Fall von Selbstanzeige: Uli Hoeneß

Prominentester Fall ist der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß. Er hatte sich im Januar selbst angezeigt, um Vermögen von einem Schweizer Konto nachzuversteuern. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen noch. Der Fall Hoeneß dürfte nach Ansicht vieler Experten dazu beigetragen haben, dass die Zahl der Selbstanzeigen deutlich in die Höhe ging. Als weitere Gründe werden vor allem das Scheitern des Steuerabkommens mit der Schweiz Ende vergangenen Jahres sowie der Ankauf sogenannter Steuer-CDs mit den Daten von mutmaßlichen Betrügern aus dem Ausland genannt.

Bundesweite Statistik noch im Aufbau

Nach der dpa-Umfrage bei den Finanzministerien aller 16 Bundesländer bezichtigten sich von Januar bis Ende Juni mindestens 9093 mutmaßliche Betrüger bei den Behörden selbst. 2012 gab es nach einer inoffiziellen Statistik bundesweit insgesamt 11.824 solche Anzeigen. Endgültige Zahlen für das gesamte Bundesgebiet liegen noch nicht vor. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums befindet sich eine einheitliche Statistik noch im Aufbau.

Allein in Baden-Württemberg offenbarten sich nach Auskunft des dortigen Finanzministeriums zwischen Januar und Juni etwa 2360 mutmaßliche Betrüger, die ihre Steuern nicht ordentlich gezahlt hatten. In Bayern waren es 1179 - das sind schon jetzt mehr als im gesamten Vorjahr -, 2012 waren es 1064. In den anderen großen Bundesländern sieht es ähnlich aus: In Nordrhein-Westfalen meldeten sich bis Ende Juni 1528 mutmaßliche Hinterzieher, in Niedersachsen 1103 und in Hessen 1009. Teilweise sind die Zahlen viermal so hoch wie vor einem Jahr.

Im Osten weniger Vermögen und weniger Selbstanzeigen

Demgegenüber ist das Ausmaß der Selbstanzeigen in Ostdeutschland vergleichsweise bescheiden. Experten führen das auf die unterschiedliche Vermögensverteilung in Ost und West zurück. So gab es in Sachsen-Anhalt ganze drei Anzeigen, in Mecklenburg-Vorpommern sieben, in Thüringen 20 und in Sachsen 53. Spitzenreiter hier ist Berlin, wo sich 385 mutmaßliche Steuerhinterzieher offenbarten - im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres (78) fast fünfmal so viele.

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