Betäubungsmittel Natrium-Pentobarbital bei Dignitas in Zürich

Staatliche Sterbehilfe 26 Anträge auf tödliches Medikament

Stand: 01.06.2017 16:44 Uhr

Das Bundesverwaltungsgericht hatte im März entschieden, dass eine Bundesbehörde dazu verpflichtet sein kann, Sterbewilligen den Erwerb todbringender Mittel zu erlauben. Seither liegen 26 Anträge vor.

Von Jürgen Kleikamp, WDR

Beim Bonner Institut für Arzneimittel und Medizinprodukte sind inzwischen 26 Anträge auf die Herausgabe eines tödlichen Medikaments eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte Anfang März im Fall einer vom Hals an abwärts gelähmten Frau entschieden, dass in extremen Notlagen Sterbewilliger die Bundesbehörde dazu verpflichtet sein kann, die Erlaubnis für den Erwerb todbringender Mittel zu erteilen.

Anträge kommen immer häufiger

Die Anträge kommen aus dem gesamten Bundesgebiet und werden immer mehr. Die Bonner Bundesbehörde hat allerdings noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob sie den Anträgen auf die Verabreichung tödlicher Medikamente zustimmen wird.

"Wir sind noch dabei", erklärte Behördensprecher Maik Pommer dem ARD-Hörfunk in Bonn, "das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts auszuwerten. Das muss in aller Sorgfalt geschehen. Erst danach werden wir auf jeden einzelnen der bisher 26 Antragsteller zugehen."

Urteil ist höchst umstritten

Kirchen, Patientenschutzverbände und der Deutsche Ethikrat hatten das Gesetz heftig kritisiert. So sieht der Ethikrat die Bemühungen des Gesetzgebers zur Eindämmung organisierter Sterbehilfe als konterkariert. Anderen Organisationen ist das Urteil zu unkonkret.

"Unerträglicher Leidensdruck" als Voraussetzung

Das Leipziger Bundesverwaltungsgericht hatte seine Entscheidung damit begründet, dass das Persönlichkeitsrecht jedes Einzelnen auch das Recht umfasse, zu entscheiden, ob und wie man sein Leben beenden will.

Ein "unerträglicher Leidensdruck" ist für die Verwaltungsrichter die Voraussetzung für die Abgabe einer Sterbepille, beispielsweise Natrium-Pentobarbital.

Das Bonner Bundesinstitut hatte den Antrag einer vom Hals an abwärts gelähmten Frau auf die Abgabe eines todbringenden Medikaments zunächst abgelehnt. Daraufhin war die Frau vor das Bundesverwaltungsgericht gezogen. Gegen dessen Entscheidung kann nur noch Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingelegt werden.

Deutsche haben Sterbepille beantragt
J. Kleikamp, WDR
01.06.2017 16:25 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: