Bundespräsident-Kandidat Steinmeier präsentiert

"Die Freude ist groß, der Respekt viel größer"

Stand: 16.11.2016 17:03 Uhr

Er wolle sich der Aufgabe als Bundespräsident stellen, hat Außenminister Steinmeier bei einer Pressekonferenz mit den Koalitionsspitzen erklärt. Die Freude über die Kandidatur sei groß, "der Respekt noch viel größer". Er sei der richtige Kandidat in diesen Zeiten, sagte Kanzlerin Merkel.

Die Koalition hat bei einer Pressekonferenz Frank-Walter Steinmeier als gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten vorgestellt. "Heute stehe ich nicht als Außenminister vor ihnen, sondern als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten", betonte dieser. Es sei für ihn eine ganz besondere Ehre "in stürmischen Zeiten" als Kandidat vorgeschlagen zu werden. Die Freude sei groß, der Respekt noch größer. Er wolle sich der verantwortungsvollen Aufgabe sehr gern stellen.

Steinmeier sagte weiter, es komme auf eine wache, lebendige politische Kultur an. Dafür wolle er über Parteigrenzen und vor allem auch über soziale Grenzen hinweg eintreten. Deutschland habe die Kraft, sich aus verschiedenen Krisen herauszuarbeiten. Das habe er in den 25 Jahren seiner politischen Arbeit gelernt. "Ein Bundespräsident kann die Welt nicht einfacher machen, als sie ist", aber er wolle die guten Kräfte wecken, die in dieser Gesellschaft steckten. Der SPD-Politiker betonte, ein Bundespräsident solle ein Mutmacher sein.

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Steinmeier offiziell als Präsidentschaftskandidat vorgestellt

tagesschau 20:00 Uhr, 16.11.2016, Sabine Rau, ARD Berlin

"Menschen spüren, dass sie ihm vertrauen können"

"Ich bin überzeugt, Frank-Walter Steinmeier ist der richtige Kandidat in dieser Zeit", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er werde die Unterstützung vieler Bürger haben. Die Menschen wüssten, dass sie ihm vertrauen könnten, unter anderem wegen seiner Bodenständigkeit und auch seiner Kenntnis der Welt.

SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte, dass Steinmeier nicht nur die Unterstützung der gesamten Regierung sondern auch vieler Menschen im Lande habe. Man vertraue ihm über Parteigrenzen hinweg. Dieses Vertrauen sei gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig. Der bisherige Außenminister sei ein Mann des Ausgleichs und habe eine bedeutende Stimme nach innen und nach außen, sagte der SPD-Vorsitzende. Außerdem dankte Gabriel der Union, dass sie Steinmeiers Kandidatur unterstütze.

Auch die CSU unterstütze Steinmeier, erklärte CSU-Chef Horst Seehofer. Es sei entscheidend wieder einen "guten Bundespräsidenten für unser Land zu bekommen". Steinmeier sei dazu "sehr gut geeignet, als Mensch, als Politiker". Der Außenminister habe national wie international eine große politische Erfahrung. Er stehe für Ruhe und Besonnenheit und sei ein Mann des Ausgleichs.

Langes Ringen um Kandidaten

Die Union hatte bei der Suche nach einem Nachfolger für Joachim Gauck nach langem Tauziehen am Montag eingelenkt und die Nominierung Steinmeiers akzeptiert. Der Bundespräsident wird am 12. Februar 2017 von der Bundesversammlung gewählt.

Zu unterwürfig für einen Repräsentanten?

Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, wirft Steinmeier vor, bei seinem Besuch in der Türkei zu zurückhaltend gewesen zu sein. "Wer so unterwürfig gegenüber einem despotischen Regime auftritt, kann kein guter Repräsentant der Bundesrepublik sein", so Jelpke. Die Linken überlegen immer noch, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Grüne und FDP haben noch nicht entschieden, ob sie Steinmeier unterstützen.