Kritik an Aussage zu getrenntem Unterricht Merkel lehnt Steinbrücks Schulsport-Vorschlag ab

Stand: 06.04.2013 01:19 Uhr

Die Aussage von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zu getrenntem Sportunterricht für Jungen und Mädchen aus religiösen Gründen ist auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Kritik gestoßen.

Die Kanzlerin sehe darin das "völlig falsche integrationspolitische Signal", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter der "Rheinischen Post". "Wenn Menschen voneinander getrennt werden, ist das das Gegenteil von Integration", ließ sie erklären.

Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer, kritisierte den Vorschlag des getrennten Schulsports: "Hier lernen Mädchen und Jungen von klein auf, gleichberechtigt miteinander umzugehen", sagte sie der "Bild-Zeitung".

Angela Merkel (Bildquelle: AP/dpa)
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Hält nichts davon, dass Jungen und Mädchen im Sport getrennt unterrichtet werden: Kanzlerin Merkel.

Steinbrück
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Sein Vorschlag stößt parteiübergreifend auf Ablehnung: SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück.

Rücksicht auf religiöse Überzeugungen

Steinbrück hatte bei einer "Klartext"-Veranstaltung mit Bürgern in Berlin getrennten Sportunterricht aus Rücksicht auf Schüler muslimischen Glaubens als denkbaren Weg bezeichnet, der aber keineswegs generell zu befürworten sei. Auf entsprechende Forderungen eines muslimischen Vaters angesprochen, hatte Steinbrück gesagt: "Wenn Schulen es einrichten können, dann sollen sie es machen." Er würde Rücksicht nehmen auf solche religiöse Überzeugungen. "Aber da denkt vielleicht jeder anders."

Steinbrück sei die Problematik wegen Schilderungen seiner Frau bewusst, die als Lehrerin in Bonn arbeitet. Oft würden muslimische Mädchen durch Krankmeldungen vom gemeinsamen Schwimmunterricht ferngehalten. Ehe dies geschehe, sei es sinnvoll, andere Lösungen zu finden.

"Sehr unglückliche Äußerung"

Kritik an Steinbrücks Vorschlag kommt auch aus der SPD. "Das ist eine sehr unglückliche Äußerung von Herrn Steinbrück", sagte der Bürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, der Zeitung "Die Welt".

"Junge Leute brauchen moderne gesellschaftliche Orientierung - in Ergänzung oder auch im Gegensatz zu tradierten Familienriten", ergänzte der SPD-Politiker. "Mädchen- und Jungenschulen hatten wir vor 150 Jahren." Es gebe in Deutschland keine Geschlechtertrennung. Und es könne nicht sein, dass die gesellschaftliche Uhr zurückgedreht werde.

Kritik auch von Grünen und FDP

Auch aus Reihen der Grünen kam Kritik an Steinbrück. Memet Kilic, Sprecher für Migrationspolitik, sagte, Rücksichtnahme auf die religiösen Gefühle sei Teil des Grundgesetzes. "Dies darf aber nicht auf Kosten universell gültiger Menschenrechte geschehen." Zu diesen gehöre die Gleichberechtigung der Geschlechter.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte der "Rheinischen Post": "Wir wollen Integration auf der Basis unserer Grundrechte - dazu gehört die Gleichberechtigung von Mann und Frau."

Die Debatte kommt für Steinbrück zu einem schlechten Zeitpunkt: Nach den jüngsten Umfrageergebnissen des ARD-DeutschlandTrends hat der SPD-Kanzlerkandidat weiter an Zustimmung verloren.

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